Mattersburg droht Verfahren: WSG „baut keine Luftschlösser auf Leid anderer auf"

Die Commerzialbank fungierte als wesentlicher Sponsor für den SV Mattersburg. Nach dem Bilanzskandal droht dem Verein ein Lizenzverfahren. Die WSG Tirol könnte profitieren, sollten die Burgenländer auf die Bundesliga-Zulassung verzichten.

Mattersburg – Bundesligist SV Mattersburg stehen schwere Zeiten bevor. Im Zuge des Bilanzskandals um die Mattersburger Commerzialbank kündigte am Mittwoch zu Mittag Martin Pucher, Vorstand der Bank und Präsident des SVM, seinen Rückzug an. "(...) bezüglich seiner Funktionen im SV Mattersburg wird Herr Martin Pucher umgehend eine geordnete Übergabe sicherstellen", teilten seine Anwälte mit.

Pucher, von 2006 bis 2009 auch vier Jahre Präsident der Bundesliga, führte den Verein seit 1988 und stieg mit dem Club von der fünften in die oberste heimische Spielklasse auf. Die Commerzialbank fungiert als wesentlicher Sponsor des Vereins.

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil rechnet damit, dass die Bundesliga nach dem Bilanzskandal ein Lizenzierungsverfahren gegen den SV Mattersburg eröffnen wird. Auch auf die Fußballakademie werde das wohl Auswirkungen haben. Sie soll allerdings in anderer Form erhalten bleiben.

Kein Zwangsabstieg, aber Lizenz-Verzicht möglich

Durch die kürzlich aufgeweichten Corona-Lizenzbestimmungen muss Mattersburg vorerst keinen Zwangsabstieg befürchten. Anfang Mai wurde in der Klubkonferenz beschlossen, dass "die finanziellen Kriterien für das Lizenz- und Zulassungsverfahren 2020/21 ausgesetzt werden. Das heißt, die finanzielle Leistungsfähigkeit wird für die Erteilung der Lizenzen für die kommende Saison nicht bewertet, die weiteren rechtlichen, sportlichen und infrastrukturellen Kriterien bleiben unverändert“, kommunizierte die Liga damals.

Im Fall eines Sanierungsverfahrens gibt es demnach sechs Zähler Abzug in der folgenden Saison, keine Teilnahme an einem UEFA-Bewerb in der folgenden Saison, eine Obergrenze für Personalkosten in den folgenden zwei Saisonen sowie das Verbot, entgeltliche Transfers für die Kampfmannschaft in den zwei folgenden Transferfenstern zu tätigen.

Sollte der SV Mattersburg allerdings wie einst Grödig freiwillig auf die Lizenz verzichten, könnte die WSG Tirol davon profitieren und am Grünen Tisch dem Abstieg entgehen. Die gerade laufende Neuaufstellung des Vereins für die 2. Liga müsste dann überarbeitet werden. Mattersburg würde sich so allerdings auch eine beträchtliche Summe an TV-Geldern entgehen lassen und müsste in der Regionalliga von vorne starten.

"Für unsere Planungen bedeutet die ganze Causa jetzt erst einmal gar nichts. Wir sind gut beraten, nicht auf dem Leid anderer Luftschlösser aufzubauen", will Köck den eingeschlagenen Weg nach dem sportlichen Abstieg nicht verlassen. (TT.com, t.w., APA)

Sitzung des Bundesliga-Senates 5 zu Causa Mattersburg

Die Fußball-Bundesliga hat nach den jüngsten Entwicklungen um den Meisterschaftszehnten SV Mattersburg für (den heutigen) Mittwochabend eine Sitzung des Senates 5 angesetzt. "Im Zuge dessen wird der Senat den Klub zur Stellungnahme auffordern, um Klarheit über finanzielle Auswirkungen auf den SV Mattersburg zu erhalten", teilte die Bundesliga am Mittwochnachmittag in einer Aussendung mit.

Darin wurde auch festgehalten: "Im Falle eines Konkursverfahrens kommt unverändert der Zwangsabstieg zu tragen." Im Zuge des Bilanzskandals um die Mattersburger Commerzialbank hat Martin Pucher, Vorstand der Bank und Präsident des SV Mattersburg, bereits seinen Rückzug beim Fußball-Bundesligisten angekündigt. Die Commerzialbank fungierte zudem bisher als wesentlicher Sponsor des Vereins.


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