Einbau von E-Ladestationen in Mehrparteienhäuser soll leichter werden

Eine Arbeitsgruppe von Umwelt- und Justizministerium solle bis zum Herbst einen Vorschlag für ein "Right to Plug" ausarbeiten.

Eigentumswohnungsbesitzer in Mehrparteienhäusern brauchen derzeit für den Einbau einer Einzelladestation für ihr E-Auto die Zustimmung aller Wohnungseigentümer.
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Wien – Umweltministerin Leonore Gewessler und Justizministerin Alma Zadic (beide Grüne) wollen die Infrastruktur für Elektroautos verbessern. Dazu soll der Einbau von E-Ladestationen in Mehrparteienhäuser mit Eigentumswohnungen erleichtert werden. Bis Herbst soll ein Vorschlag für ein "Right to Plug" ausgearbeitet werden, kündigten beide heute Mittwoch in einer Pressekonferenz in Wien an.

Der Verkehr sei das "Sorgenkind" in der Klimabilanz, weil dort die Emissionen weiter steigen, sagte Gewessler. Zusätzlich zu besserer Infrastruktur für Radfahrer und Anreizen für Fußgänger setze die Regierung auch auf mehr emissionsfreie Autos. Mit besserer Infrastruktur für Elektroautos will Gewessler die Klimabilanz verbessern.

📽| Video: Erleichterungen für den Bau privater E-Ladestationen

Güterabwägung nicht außer Acht gelassen

Eigentumswohnungsbesitzer in Mehrparteienhäusern brauchen derzeit für den Einbau einer Einzelladestation für ihr E-Auto die Zustimmung aller Wohnungseigentümer. Beim Einbau von Gemeinschaftsladestationen sei immer noch die Zustimmung der Mehrheit der Wohnungseigentümer erforderlich, erläuterte Zadic. Hier wolle man im Wohnungseigentumsgesetz (WEG) ansetzen, um von diesen hohen Hürden wegzukommen.

Dabei dürfe auch die Güterabwägung zwischen den verschiedenen Interessen nicht außer Acht gelassen werden. Eine Arbeitsgruppe von Umwelt- und Justizministerium solle bis zum Herbst einen Vorschlag ausarbeiten, der noch heuer umgesetzt werden soll, kündigte Zadic an. Die Problematik für Mieter, die für ihr Elektroauto eine E-Ladestation wollen, werde man sich später ansehen.

Verkehrsclub Österreich (VCÖ) begrüßt geplante Reform

Für Bewohner von Mehrparteienhäusern sei die Nachrüstung ihres Garagenplatzes mit einer so genannten Wallbox oft ein administrativer und rechtlicher Hürdenlauf, so der VCÖ in einer Aussendung am Mittwoch.

▶️ VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen: "Es ist erfreulich, dass diese Hürden nun durch eine Reform im Wohnrecht beseitigt werden",

🔹 Der VCÖ weist auch darauf hin, dass die Klimaschutzziele im Verkehr nur erreicht werden könne, wenn der Anteil der Benzin- und Diesel-Pkw deutlich sinke. Die ökologische Gesamtbilanz von E-Pkw (inklusive Batterieherstellung und Energieerzeugung) sei besser als jene von Pkw mit Verbrennungsmotor.

🔹 Der VCÖ fordert auch, dass bei Neubauten Sharing-Angebote für Bewohnerinnen und Bewohner statt der Pkw-Stellplatzverpflichtung forciert werden. Damit könnten nicht nur die Mobilitätskosten der Bewohner reduziert werden, sondern auch die Wohnkosten. Denn die hohen Errichtungskosten von Parkplätzen, insbesondere von Tiefgaragen, würden auch das Wohnen teurer machen.

Derzeit gebe es rund 40.000 Elektroautos in Österreich. Im ersten Halbjahr 2020 habe sich der Anteil der E-Autos an den Neuzulassungen im Vorjahresvergleich verdoppelt, "aber wir haben noch einen langen Weg vor uns", räumt Gewessler ein. Ziel sei es, bei Neuzulassungen so rasch wie möglich zu 100 Prozent emissionsfreien Autos zu kommen. Derzeit kommen von 1000 Anträgen für Ladeinfrastrukturförderungen nur fünf aus Mehrfamilienhäusern.

Förderungen gibt es sowohl für die Anschaffung von Elektroautos (5000 Euro) als auch für den Einbau von Ladestationen (600 bis 1800 Euro). (APA, TT.com)


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