Die Eurosport-Falle: Deutsche Bundesliga gerät unter Zeitdruck

Wer zeigt die Freitagsspiele der deutschen Bundesliga? Für die vier Spielzeiten ab 2021 steht das fest - für die kommende Saison aber nicht. Hintergrund ist ein zäher TV-Streit, der für die Liga zusehends zu einem Problem wird.

Von Michael Rossmann, dpa

Frankfurt am Main – Der verspätete Starttermin für die neue Saison der deutschen Bundesliga steht fest, aber ein Fernsehsender für die Freitagsspiele fehlt noch. Die Liga steckt seit Wochen in der Eurosport-Falle und muss auf ein Urteil der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit warten. Beim Streit mit dem US-Konzern Discovery und seinem deutschen Tochterunternehmen droht ein Verlust von vielen Millionen Euro. Zudem läuft die Liga Gefahr, dass sie kurzfristig einen neuen TV-Partner suchen muss.

Eurosport hat keine Lust mehr auf die Bundesliga, so viel ist in diesem komplizierten Fall immerhin klar. Zunächst reichte der Sender sein bei der Deutschen Fußball-Liga erworbenes Rechtepakete vor der vergangenen Saison per Sub-Lizenz an DAZN weiter - und machte dann in der Corona-Zwangspause ein Sonderkündigungsrecht geltend.

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„Wir haben eine andere Auffassung über die Interpretation der Verträge als Eurosport/Discovery“, sagte dazu DFL-Chef Christian Seifert, der derzeit im Urlaub ist. Bei dem Medien-Unternehmen hieß es bei Fragen zu dem Streit zuletzt: „Es gibt momentan Gespräche zwischen den Beteiligten, zu denen wir uns nicht weiter äußern.“ Statt eines Urteils des Schiedsgerichtes, das keinen Termin für seine Entscheidung bekanntgibt, ist theoretisch auch ein Vergleich der Streitparteien denkbar.

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Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sagte zu der zähen Auseinandersetzung kürzlich im Handelsblatt: „Eurosport war ein Betriebsunfall.“ In der Sport Bild war er zuvor sogar noch deutlicher geworden: „Ich bedaure das Verhalten von Eurosport sehr, ja, ich finde es unanständig, dass man in einer Krise einen Vertrag aufkündigt.“

1,2 statt 1,35 Milliarden Euro für Vereine

Die deutschen Bundesligisten erhalten aufgrund der Probleme in der kommenden Saison weniger Geld als geplant - wie viel weniger ist unklar. „Aufgrund einiger Entwicklungen werden die 1,35 Milliarden Euro in der kommenden Saison nicht wie geplant stattfinden“, sagte Seifert. „1,2 Milliarden Euro sind das untere Ende dessen, worum es geht.“ Eine Reduzierung gibt es in jedem Fall, da Sky in der abgelaufenen Krisen-Saison Zahlungen vorgezogen hatte.

Obsiegt die DFL beim Schiedsgericht und muss Discovery/Eurosport wie ursprünglich vereinbart geschätzte 70 Millionen Euro zahlen, steht für die Ausschüttung an die 36 Profivereine mehr Geld zur Verfügung. Gewinnt das Medien-Unternehmen den Rechtsstreit hingegen, gibt es weniger - und die DFL muss auf die Schnelle einen neuen Partner suchen, der am 18. September erstmals sendet.

Das strittige Paket umfasst 45 Live-Spiele, darunter 30 Partien am Freitag sowie jeweils fünf am Sonntag und Montag. Zudem gehören vier Relegationsspiele und der Supercup dazu. Die bisherige Sub-Lizensierung an DAZN lief laut Rummenigge „wohl mit Verlust“. Der Streamingdienst, dem Eurosport vor einigen Wochen ebenfalls gekündigt hat, soll nur etwas mehr als die Hälfte der geschätzten 70 Millionen Euro gezahlt haben.

Ist ein erneuter Verkauf des Pay-TV-Paketes bis zum Saisonstart notwendig, gilt DAZN als einziger Interessent. Sky dürfte aus kartellrechtlichen Gründen nicht mitbieten. Und Amazon scheint nach dem Experiment mit einzelnen Übertragungen in der Rückrunde kein Interesse mehr an der Bundesliga zu haben. Der Internetgigant hielt sich zumindest bei der Auktion der Rechte für die vier Saisons von 2021 bis 2025 zurück.


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