Problemwolf im Oberland soll mit Sender ausgestattet werden

Die Wege des Tieres, das im Oberland über 20 Schafe gerissen haben dürfte, sollen genau nachverfolgt werden können. Im September soll in Tirol ein Herdenschutz-Projekt starten.

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Am Montag will die Tiroler Landesregierung den Oberländer Wolf per Verordnung als Problemwolf deklarieren. Für einen möglichen Abschuss, der immer wieder diskutiert wird, bräuchte es einen weiteren Beschluss.
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Von Benedikt Mair

Innsbruck – Ab Montag streift hochoffiziell ein Problemwolf durch Tirol. Dann nämlich will die Landesregierung bei ihrer Sitzung dem Tier, das im Oberland über 20 Schafe gerissen haben soll, per Beschluss diesen Status verleihen und die daraus folgenden Maßnahmen einleiten. Zuerst soll der Wolf mit einem Sender ausgestattet werden, um seine Wege genau verfolgen und Bauern frühzeitig warnen zu können. Von Experten wurde dieser Schritt abgesegnet, Umweltschutzorganisationen begrüßen ihn. Der immer wieder, besonders von Landwirten, geforderte Abschuss des Tieres ist damit vorerst vom Tisch, denn dazu bedürfte es eines weiteren Bescheids des Landes.

Der Entschluss zum nun eingeschlagenen Weg fiel gestern bei einem Treffen zwischen Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP), Tirols Landesjägermeister Anton Larcher, dem Beauftragten für große Beutegreifer Martin Janovsky und weiteren Experten und Interessenvertretern, etwa aus der Landwirtschaftskammer. „Nur zuzusehen, wie unsere Nutztiere auf den Almen zusehends zum Wolfsfutter werden, ist für mich keine Lösung“, sagt Geisler im Anschluss an die Aussprache. Seiner immer wieder erhobenen Forderung, beim Umgang mit dem Oberländer Wolf „einen Schritt weiterzukommen“, sei nun Rechnung getragen worden.

In den kommenden Tagen und Wochen soll versucht werden, den Wolf einzufangen und mit einem Sender auszustatten. Eine eigens aufgestellte Eingreiftruppe soll damit beauftragt werden. Laut Geisler stellt dies eine „in Österreich erstmalig versuchte Herausforderung dar. Wenn das gelingt, weiß die Behörde genau, wo sich der Wolf zu welcher Zeit aufhält. Dann können die Nutztierhalter frühzeitig informiert werden.“ Für den Landeshauptmann jedenfalls eine wirksamere Alternative als Vergrämungsmaßnahmen, die „den Wolf nur von einer zur nächsten Alm treiben“. Eine Entnahme des Beutegreifers, der in der Region um das Paznauntal umherstreift und vermutlich 21 Schafe gerissen hat, steht laut Geisler derzeit nicht im Raum. „Dafür bräuchte es auch einen weiteren von der Landesregierung erlassenen Bescheid.“ Dieser könne außerdem aufgrund der EU-Gesetzeslage „sehr schwer in Rechtskraft erwachsen“.

Hinweise erbeten

Seitens des Landes Tirol wird gebeten, Sichtungen, Filmaufnahmen, Fotos oder Risse von großen Beutegreifern der jeweils zuständigen Bezirkshauptmannschaft zu melden.

Nähere Infos gibt's HIER.

Ausgeschlossen sei das Okay der Europäischen Union für den Abschuss des Oberländer Wolfes deshalb aber nicht, weiß Europarechtsexperte Walter Obwexer. „Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist. Denn einerseits müssen alle möglichen Schutzmaßnahmen für die Weidetiere, von der Einzäunung bis zu Hirtenhunden, getroffen werden. Andererseits muss trotz der Entnahme des Tieres der gute Erhaltungszustand der Population gegeben bleiben.“ Obwexer glaubt, dass Letzteres im Fall des Tiroler Wolfes belegt werden könne, da sich der Schutz der Population nicht auf Staatsgrenzen, sondern auf die natürlichen Verbreitungsgebiete beziehe. „Schwerer ist es, nachvollziehbar darzulegen, dass vor dem Abschuss alle anderen erdenklichen Maßnahmen getroffen wurden.“

Nur als „absolute Ultima Ratio“ sei ein Abschuss anzudenken. Dafür plädiert der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Georg Kaltschmid. Die Besenderung befürwortet er und warnt, dass sich die Wolfsdebatte in Tirol nicht weiter hochschaukeln dürfe. Es brauche einen „kühlen Kopf und einen sachlichen Umgang“ mit dem Thema. Die Naturschutzorganisation WWF nennt den Versuch, am Oberländer Wolf einen Sender anzubringen, einen „angemessenen Schritt“, der aber nur in Verbindung mit fachgerechten regionalen Präventionsmaßnahmen sinnvoll sei und „Tirol nicht vom Artenschutz entbindet“, meint WWF-Experte Christoph Walder. Er fordert die Umsetzung neuer Herdenschutz-Offensiven.

Am 1. September dieses Jahres soll dieser Wunsch zumindest zum Teil in Erfüllung gehen. Dann nämlich startet in Österreich, Bayern und Südtirol ein großes von der EU kofinanziertes und von BioAustria umgesetztes Herdenschutzprojekt. Hierzulande ergänze dieses Projekt die „verschiedenen Programme der Bundesländer“, sagt Projektmanager Max Rossberg. Nutztierhalter sollen hier in richtigem Herdenschutz ausgebildet werden. Rossberg: „Aufgrund der vielen Schafe und Ziegen auf den Almen ist Tirol ein Schwerpunkt in diesem Projekt.“


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