Anpfiff gegen das Virus erfolgt mit neuen Corona-Spielregeln fürs Unterhaus

Mit der Cup-Vorrunde beginnt heute die neue Fußballsaison im Amateurbereich. Weil die Tiroler den Anfang machen, schaut der Rest Fußball-Österreichs genau hin.

Im Fußball-Unterhaus geht es ab heute wieder rund – nur die Zuschauer müssen diesmal weiter auseinanderrücken.
© Bildagentur Mühlanger

Von Alois Moser und Tobias Waidhofer

Innsbruck – Mit der Vorrunde des Kerschdorfer-Cups startet am Wochenende auch der Tiroler Amateur-Fußball aus der Corona-Zwangspause. Wie in allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens gelten aber auch auf den heimischen Sportplätzen spezielle Vorschriften (siehe Faktbox rechts unten), die der aktuell immer noch besonderen Situation geschuldet sind. Dabei gehört Tirol zu den ersten Bundesländern, in denen der Amateurfußball ab heute wieder aus seinem unfreiwilligen Dornröschenschlaf erwacht und das Leder wieder über den Rasen rollt.

„Ich bin froh, dass es wieder losgeht“, kann auch der Tiroler Verbandspräsident Josef Geisler den Wiederankick kaum noch erwarten. Von Seiten des Tiroler Verbandes sieht man sich dabei in einer Vermittlerrolle: „Die Vorschriften sind behördliche Vorgabe und kommen nicht von uns, wir haben sie den Vereinen nur übermittelt und versucht, ihnen bei der Umsetzung zu helfen.“

😷 Corona-Vorgaben für die Unterhaus-Vereine

  • kein Handschlag zwischen Spielern
  • Ersatzspieler müssen Mindestabstand einhalten
  • auf einen gemeinsamen Jubel soll verzichtet werden
  • Trinkflaschen und Handtücher dürfen nicht geteilt werden
  • außerdem müssen bei Verletzungsbehandlungen Spieler und Betreuer einen Mund-Nasen-Schutz tragen
  • Im Juli sind auf Stehplätzen nur 
100 Zuschauer erlaubt, bei nummerierten Sitzplätzen dürfen 500 in das Stadion. Dabei muss natürlich der Mindestabstand eingehalten werden
  • Auch in der Kantine ist der Mindestabstand stets einzuhalten

Wobei die Vielfalt des Tiroler Fußballs dem Einfluss des Verbandes naturgemäß auch Grenzen setzt: „Ich kenne zwar alle 155 Vereine namentlich, aber noch nicht alle Sportplätze.“ Was Geisler damit meint: „Es gibt natürlich keine Verbandspolizei, die schaut, ob alles eingehalten wird. Ich hoffe darauf, dass alle Beteiligten mit Hausverstand an die Sache herangehen werden.“

„Wollen nicht wieder eine blöde Nachred' haben"

Ein besonderes Augenmerk auf die behördlichen Vorgaben legt man naturgemäß beim FC Paznaun, zu frisch sind die Erinnerungen an das mediale Dauerfeuer nach den Geschehnissen in Ischgl. „Das Thema ist natürlich immer noch präsent“, gibt Obmann Leo Walter freimütig zu. Dem Rasenplatz in Galtür habe die Zwangspause indes äußerst gutgetan, jetzt sei man „voll motiviert“ für das Cupheimspiel gegen Pitztal (Samstag, 18 Uhr): „Jeder brennt auf den Wiederbeginn.“

TT-ePaper gratis testen und eines von drei E-Bikes gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt mitmachen
TT ePaper

Freilich mit besonderem Augenmerk auf die Vorkehrungen gegen die Verbreitung des Coronavirus: „Wir werden einige Ordner abstellen, die darauf achten, dass unsere Zuschauer den Abstand einhalten.“ Denn trotz aller Vorfreude, dass „wieder Normalität einkehrt“, ist man im Paznaun beim Thema Corona besonders vorsichtig: „Wir legen Wert drauf, dass wir das Ganze korrekt durchziehen, denn wir wollen nicht wieder eine blöde Nachred’ haben.“

⚽ Kerschdorfer Tirol Cup - Vorrunde

  • Freitag: Bad Häring – Erl, Niederndorf – Kramsach (beide 18.30 Uhr), Flaurling – Patsch/E. (19 Uhr), Waidring – Kirchberg, Aschau – SPG Rinn/Tulfes (beide 19.30), Uderns – Vomp, Alpbach – OLKA, Ellmau – Langkampfen, Brixlegg/Rattenberg – Finkenberg/Tux (alle 20 Uhr), Grins – Oberhofen (20.30)
  • Samstag: Fliess – SPG Arlberg (17 Uhr), Oetz/Sautens – FC Stubai 19, Zell/Ziller – Weerberg, Lechaschau – Tarrenz, Going – Kössen, Paznaun – Pitztal, Wildschönau – Achenkirch, Pians/Strengen – Umhausen, Hochfilzen – SPG Hopfgarten/I., Zugspitze – SPG Lechtal, Oberhofen – Pillerseetal, St. Leonhard – Rietz, Mieminger Plateu – Roppen/Karres, Nassereith – Sölden, Inzing – Längenfeld, Ried/Kaltenbach – Jenbach, Sellraintal – Wilten, Navis – Götzens, Stans – Schlitters, Reith/Kitzbühel – Westendorf, Veldidena – FC Wipptal, Rum – Radfeld, Oberes Gericht – Haiming, Achensee – Breitenbach, Sistrans – Axams/Grinzens (alle 18 Uhr), Hatting-Pettnau – Aldrans (18.30 Uhr), Ried – Stans (20 Uhr).

Das hört man im Verbandsbüro in der Innsbrucker Stadionstraße natürlich gerne. „Ob die Behörden das Einhalten der Vorschriften überprüfen, wird sich zeigen“, will Geisler noch nicht spekulieren und wünscht sich neben „Hausverstand“ bei den Vereinen auch „Augenmaß“ der staatlichen Stellen.

Was im Präventionskonzept allerdings noch nicht genau festgelegt ist: Was passiert, wenn ein Spieler eines Teams positiv auf das Coronavirus getestet wird? Vorerst rollt der Ball wieder. Und das freut die große heimische Fußball-Szene …

Weil Tirol als Vorreiter so etwas wie einen Testballon für die anderen acht Landesverbände darstellt, wird natürlich auch der Rest Fußball-Österreichs genau auf die Tiroler Dorfplätze schauen. Es ist heute irgendwie ein Anpfiff gegen das Virus.

⚽ Das sagen die Verantwortlichen der Tiroler Vereine zum Neustart

Stefan Handl (Obmann Tiroler Zugspitze): „Die Auflagen werden alle erfüllt. Spender werden aufgestellt und an die Mindestabstände werden die Zuseher per Durchsage erinnert. Sorgen machen wir uns keine.“

Andreas Kirchmair (Obmann-Stv. Going): „Wir setzen vor allem auf das Hygienekonzept und auf die Eigenverantwortung der Zuseher. Wir werden auf unserer Tribüne auch einen eigenen Gästeblock einrichten.“

Günter Glieber (Obmann-Stv. Veldidena): „Bei uns am Besele wurden bereits Spender aufgestellt und alle möglichen Oberflächen desinfiziert. Die Zuseher auf der Tribüne werden die Abstände einhalten können.“

Peter Althaler (Betreuer Ried i. O.): „Es war zu Beginn nicht einfach, aber lieber spielen wir so als gar nicht. Das Hygienekonzept des TFV wurde von uns erfüllt und für den Abstand bei den Zusehern werden wir sorgen.“

Wulf Wessiak (Obmann SV Sistrans): „Für uns als kleinen Verein ist es schon eine Herausforderung, aber wir haben alles vorbereitet, was die Hygienemaßnahmen betrifft. Mein Appell an alle: Bitte den Abstand einhalten.“


Kommentieren


Schlagworte