Deutsche Forscher wollen Kühe "stallrein" machen

Haus- und manche Nutztiere hinterlassen ihre Ausscheidungen eher an abgelegenen Stellen. Kühe tun das nicht. Forschern in Deutschland lässt das keine Ruhe.

Die Ausscheidungen von Urin und Kot seien klimarelevant und könnten bei Körperkontakt zu Krankheiten von Klauen und Eutern führen.
© Thomas Böhm

Von Joachim Mangler

Dummerstorf – Anders als viele Haustiere sind Rinder nicht stubenrein. Ihre Ausscheidungen hinterlassen sie da, wo sie gerade stehen. Das habe negative Folgen für die Umwelt und für die Tiere selbst, sagt Jan Langbein vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf bei Rostock. Die Ausscheidungen von Urin und Kot seien klimarelevant und könnten bei Körperkontakt zu Krankheiten von Klauen und Eutern führen. Zudem stellten die Ausscheidungen einen erheblichen Reinigungsaufwand dar.

Zusammen mit Wissenschaftlern aus Auckland (Neuseeland) und Celle in Niedersachsen hat Langbein untersucht, ob Rinder "stallrein" werden können – wenn sie sich dort bewegen dürfen. Eine Studie legt nahe, dass mit Hilfe von assoziativen Lernmethoden ein "erfolgreiches Latrinentraining" möglich ist. Denn die Tiere verfügten über die Intelligenz und die neurophysiologischen Grundlagen, die ein solches Training ermöglichen.

Wir halten es auch im Interesse der Milchviehhalter grundsätzlich für sinnvoll, die Forschung, wie Ammoniak im Stall reduziert werden kann, breit aufzustellen.
Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer

Dazu müssten auch unterschiedliche Methoden untersucht werden, die nicht zunächst die Investition in teure Technik voraussetzen.

Nach neun bis zehn Trainingstagen Lernkriterium erreicht

Trainiert wurde der "sehr komplexe Urin-Ausscheidungsvorgang" in Dummerstorf in eigens für die Kälber errichteten Latrinen. Es gab fünf Versuchsdurchgänge mit jeweils acht bis zehn Tieren im Alter von fünf Monaten bei Versuchsbeginn. Diese Latrinen waren mit einem durchlässigen grünen Belag versehen, der gleichzeitig als Spritzschutz fungierte, erläutert Langbein. Schieden die Tiere außerhalb der Latrine ihren Urin aus, wurden sie mit einer kurzen Dusche bestraft. Gingen sie dagegen in die Latrine, wurden sie für das von den Forschern gewünschte Verhalten belohnt, beispielsweise mit 40 Gramm gequetschter Gerste.

Das Ergebnis sei positiv gewesen. "Zuletzt haben nach 9 bis 10 Trainingstagen 11 von 16 Kälbern das Lernkriterium erreicht und 76 Prozent aller Urinationen fanden in der Latrine statt." Nun gehe es um die Praxistauglichkeit der Methode, erklärt Langbein. Sollte es gelingen, die Intelligenz der Tiere für eine Einrichtung von Kuhtoiletten in der Praxis zu nutzen, würden alle profitieren: "Die Kühe, die Tierhalter und die Umwelt", sagt Projektkoordinator Lars Schrader vom Institut für Tierschutz und Tierhaltung in Celle.

Ob eine Kuhtoilette allerdings wirklich praktikabel umsetzbar ist, ist für die Milchviehhalter noch fraglich, sagt Foldenauer. So müsste geklärt werden, wie sich die Tiere bei einer kombinierten Stall- und Weidehaltung verhalten, was passiere mit zugekauften Tieren oder wie lange dauere ein derartiger Lernprozess. "Wie viel Personalaufwand ist dafür nötig?" fragt Foldenauer aus der Sicht der Praktiker. (dpa)


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