Übermäßig selbstbewusste Chefs reagieren weniger rational

Laut einer Studie der Wirtschaftsuniversität Wien lässt "toxisches Selbstvertrauen" CEOs schwächer auf externes und internes Feedback reagieren. Chefinnen haben demnach generell eine weniger verzerrte Wahrnehmung als ihre männlichen Kollegen.

Symbolbild.
© pixabay

Wien – Die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien nennt es "toxisches Selbstbewusstsein": Chefs mit übertriebener Überzeugung von ihren Fähigkeiten schätzen die finanzielle Situation ihres Unternehmens optimistischer ein als ihre Kollegen und reagieren viel schwächer auf externes und internes Feedback. Das könne rationalen Entscheidungen im Wege stehen, berichten WU-Forscher im "Strategic Management Journal".

Für ihre Studie haben die Wissenschafter um Christian Schumacher vom Institut für International Business der WU Wien mehr als 800 Unternehmen aus dem S&P 1500 Index, der die 1500 größten börsennotierten US-Unternehmen beinhaltet, im Zeitraum von 1992 bis 2014 untersucht. Konkret beleuchteten sie die Rolle der Persönlichkeit von CEOs bei der Bewertung der Finanzlage ihres Unternehmens im Vergleich mit anderen Marktteilnehmern der gleichen Branche bzw. zu vorigen Geschäftsjahren.

Auswirkungen von übertriebenem Selbstbewusstsein

Die Frage sei, wie die Chefs mit diesem Vergleich, also dem positiven oder negativen Feedback auf ihre aktuelle Finanzlage, umgehen. "Wir wollten wissen, wie sich das Selbstbewusstsein bzw. übertriebenes Selbstbewusstsein der CEOs auf deren Interpretation der Ergebnisse auswirkt", so Schumacher in einer Aussendung. Gelte doch in der wissenschaftlichen Literatur dieses Persönlichkeitsmerkmal als ein entscheidender Faktor bei Führungspersönlichkeiten. Bewertet haben die Wissenschafter das Selbstbewusstsein der CEOs anhand von Beschreibungen in Medien sowie anhand persönlicher Investments, also wie viele Firmenanteile er von jenem Unternehmen hält, das er leitet.

Die Analyse zeigte, dass übermäßig selbstbewusste CEOs ihre finanzielle Situation optimistischer einschätzen als ihre Kollegen und dadurch viel schwächer auf externes sowie internes Feedback reagieren. "Das heißt: Obwohl die finanzielle Situation im Unternehmen möglicherweise sehr schlecht ist und eine Änderung in der Firmenstrategie verlangen würden, interpretieren diese CEOs die prekäre Situation viel positiver und reagieren erst viel später mit einer Änderung – was selbstverständlich verheerende Folgen für das Unternehmen haben kann", so Schumacher.

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Frauen reagieren stärker auf Feedback

Zudem kommen die Forscher zum Schluss, dass weibliche CEOs generell weniger verzerrte Wahrnehmung der finanziellen Situation haben und damit stärker auf Feedback reagieren. "Frauen sind seltener übertrieben selbstbewusst was ihre eigenen Fähigkeiten betrifft, das spiegelt sich auch in unserer Studie wider", so Schumacher. Frauen würden dadurch viel stärker auf Feedback reagieren. (APA)


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