Weniger Eis, weniger Nahrung: Eisbären drohen bis 2100 auszusterben

2006 taucht der Eisbär erstmals in der Kategorie „gefährdet" auf der Roten Liste der IUCN auf. Jetzt steht es um ihn schlechter denn je. Schon in rund 80 Jahren könnten die meisten Eisbär-Populationen in freier Wildbahn Geschichte sein. Ein Abwenden dieses Szenarios ist wohl so gut wie ausgeschlossen.

Laut einer Studie verkleinert sich mit dem Schrumpfen des Eises am Nordpol das Zeitfenster, das den Bären für die Robbenjagd bleibt.
© DB Greenpeace

New York – Durch den Klimawandel könnten Eisbären bis zum Jahr 2100 in freier Wildbahn ausgestorben sein. Wegen des Verschwindens ihres Lebensraums durch die steigenden Temperaturen fänden die Fleischfresser weniger Nahrung, hieß es in einer Studie, die in der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht wurde. Die Bären kämen dadurch in einen Teufelskreis, weil hungrige, entkräftete Tiere weniger Erfolg bei der Jagd hätten. In manchen Regionen sei das bereits zu beobachten, hieß es in der Studie. Schon seit 2006 werden die zweitgrößten lebenden Landraubtiere auf der Roten Liste der Internationalen Vereinigung zur Bewahrung der Natur (IUCN) als gefährdet vermerkt.

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Mit dem Schrumpfen des Eises am Nordpol verkleinere sich das Zeitfenster, das den Bären für die Robbenjagd bleibe. Mit weniger Körpergewicht kämen die Bären dann schlechter durch den arktischen Winter. 12 von 13 untersuchten Populationen dürften die nächsten 80 Jahre nicht überstehen. In der Arktis steigen die Temperaturen doppelt so schnell wie im weltweiten Durchschnitt. „Für die Bären verlängert sich die Zeit ohne Nahrung, bevor das Eis wieder zufriert und sie sich erneut auf die Jagd machen können", erklärte der Leiter der Studie, Steven Amstrup von der NGO Polar Bears International.

Die Forscher gingen in ihrer Studie von einem Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur um 3,3 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit aus. Bereits die Erwärmung um ein Grad hat zu einer Häufung von Hitzewellen, Dürren und Stürmen geführt. Selbst wenn die Menschheit den Anstieg auf 2,4 Grad begrenzen könnte – ein halbes Grad mehr als im Pariser Klimaschutzabkommen, aber dennoch kaum realistisch – würde es das Aussterben der Bären wohl nur verzögern.

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Eisbären können sich nicht schnell genug anpassen

„Das wäre noch immer viel mehr, als Eisbären während einer Million Jahre Evolutionsgeschichte erlebt haben", sagte Amstrup. Die Fleischfresser am oberen Ende der Nahrungskette seien kaum in der Lage, sich einer veränderten Umwelt schnell genug anzupassen. „Ihr Lebensraum schmilzt sprichwörtlich."

Bisher sind lediglich Eisbären so unmittelbar vom Klimawandel betroffen, das sei aber nur ein Vorbote dessen, worauf sich andere Tierarten in den kommenden Jahrzehnten einstellen müssten, schreiben die Forscher. In freier Wildbahn leben heute noch etwa 25.000 Eisbären. (AFP)


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