Zeichen vom Himmel: Komet Neowise kommt heute Erde am nächsten

Seit Tagen ist der Komet Neowise am Himmel sichtbar, erst am Morgen und nun am späten Abend. Heute kommt er uns am nächsten, dann verschwindet der leuchtende Himmelskörper für 6000 Jahre.

Neowise, am 22. Juli über Westfrankreich aufgenommen.
© AFP/Loic Venance

Innsbruck – Den Menschen in der Jungsteinzeit dürfte das Himmelsphänomen das Fürchten gelehrt haben. Alle 5000 bis 7000 Jahre zieht der Komet C/2020 F3 alias Neowise so nah an der Erde vorbei, dass er mit bloßem Auge gesehen werden kann. Das Phänomen in den Weiten des Sonnensystems ist nun schon seit Tagen am Himmel zu sehen. Am heutigen Donnerstag (23. Juli) steht der Komet der Erde am nächsten. Dann ist er vom blauen Planeten nach Angaben von Experten noch gut 100 Millionen Kilometer entfernt, das sind ungefähr zwei Drittel des mittleren Abstands der Erde zur Sonne.

„Ein wirklich schöner Komet", sagte Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA). Bis jetzt stand der Schweifstern noch tief am Horizont. Am Abend steigt er im Laufe des Juli immer höher, um sich dann im August sukzessive wieder dem Horizont anzunähern. Derzeit liegt „Neowise" am höchsten, um dann gegen Ende des Monats unter dem Horizont zu verschwinden.

Neowise rund um die Welt fotografiert

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Le Mont-Saint-Michel in Westfrankreich.

© AFP/Venance

Hong Kong.

© AFP/Becquart

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Wo muss man hinschauen?

Und wo müssen Neugierige hinschauen? Nach Einbruch der Dunkelheit einen Platz mit möglichst freier Sicht nach Nordwesten suchen, dort zieht der Komet unterhalb des Sternbilds des Großen Wagens seine Bahn. Laut Pikhard ist er am besten mit einem Fernglas oder einem leichten Teleobjektiv am Fotoapparat zu sehen. Sonnenuntergang ist am Donnerstag zwischen 21 und 22 Uhr.

Das Handy kann ebenfalls mit einer Kompassfunktion helfen. Und auch Apps versprechen das Phänomen aufzuspüren.

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Entdeckt wurde der Komet erst am 27. März vom US-Weltraumteleskop „Wise". Der Schweifstern mit dem Fachnamen „C/2020 F3" ist ein wiederkehrender Komet mit einer nahezu parabolischen Umlaufbahn, die nächste Wiederkehr ist wahrscheinlich erst in mehr als 6000 Jahren zu erwarten.

Leuchtendes Eis, Staub und Gestein

Kometen gelten als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Sie bestehen aus einer Mischung von Eis, Staub und Gestein und werden deshalb oft auch mit schmutzigen Schneebällen verglichen. Das Eis enthält dabei nicht nur gefrorenes Wasser, sondern unter anderem auch Kohlendioxid („Trockeneis"), Methan und Ammoniak. Viele Kometen bewegen sich auf stark ellipsenförmigen Bahnen durch das Sonnensystem: Sie tauchen aus den Randbezirken des Sonnensystems auf und kommen der Sonne sehr nahe, wobei sie antauen und der oft spektakuläre Schweif entsteht.

Durch das Antauen entsteht eine große Wolke aus Gas und Staub um den kleinen Kometenkern, die so genannte Koma. Der „Sonnenwind", ein beständiger Teilchenstrom von der Sonne, bläst das aufgetaute Gas-Staub-Gemisch vom Kometen weg und formt dadurch den Schweif, der stets von der Sonne wegzeigt. (TT.com/APA/dpa)

📸 So gelingen Bilder vom Kometen – mit Kamera oder Smartphone

⭐ Standort mit freier Sicht in Richtung Norden suchen – am besten auf einem erhöhten Beobachtungspunkt auf einem Hügel oder Berg.

⭐ Die Umgebung sollte möglichst dunkel sein.

⭐ Um mit langer Belichtungszeit fotografieren zu können, ohne dass das Bild verwackelt, ist ein Stativ oder eine stabile Unterlage nötig.

⭐ Die besten Bilder gelingen mit einer Spiegelreflexkamera mit Brennweiten ab 50 Millimetern, am besten eignet sich ein Teleobjektiv ab 100 Millimetern.

⭐ Mit Autofokus auf den Mond oder einen hellen Stern lässt sich auch der Komet scharf stellen.

⭐ Die Blende sollte weit geöffnet sein (kleine Blendenzahl), mit den Belichtungszeiten experimentiert man am besten. Zu hoch sollte sie nicht sein, weil der Komet sonst verschwommen aussieht.

⭐ Ein hoher ISO-Wert kann die Lichtempfindlichkeit der Kamera positiv beeinflussen und den Kometenschweif heller erscheinen lassen.

⭐ Beim Fotografieren mit dem Smartphone kann der Selbstauslöser oder ein Fernauslöser nützlich sein: So vermeidet man ein Wackeln der Kamera.


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