Vereinter Kampf für wolfsfreie Almen in Tirol

Vertreter von Sozialpartnern und bäuerlichen Organisationen haben einen Verein zum Schutz der Land- und Almwirtschaft in Tirol aus der Taufe gehoben. Zentrale Forderung ist die Entnahme von Problemwölfen.

WK-Präsident Christoph Walser, LK-Präsident und Vereinsobmann Josef Hechenberger, AK-Präsident Erwin Zangerl, Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf und Vereinsobmann-Stv. Hermann Gahr (1. Reihe v.l.) mit den weiteren Vorstandsmitgliedern aus den bäuerlichen Organisationen.
© Die Fotografen

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Das Thema Wolf aus den Gemeinden ins Land, in den Bund und bis an die Schaltstellen der Europäischen Union tragen – das ist das Ziel eines Vereins, den die Initiatoren gestern der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Der „Verein zum Schutz und Erhalt der Land- und Almwirtschaft in Tirol“ will aufklären, vernetzen und branchenübergreifend auf die Gefahren aufmerksam machen, die eine Rückkehr des Wolfes für die Almwirtschaft mit sich bringt. Dass dabei die Wirtschaftskammer, die Arbeiterkammer und der Gemeindeverband ebenso wie das Forum Land mit an Bord sind, bezeichnet Vereinsobmann und Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer NR Josef Hechenberger als Schulterschluss wichtiger Partner für ein wichtiges Anliegen. Erreicht werden soll letztlich eine Diskussion über den Schutzstatus des Wolfs auf EU-Ebene und die Schaffung einer Möglichkeit, den Beutegreifer zu schießen. „Tirol ist umzingelt von Wölfen. Es muss aber nicht jedes Tier überall vorkommen. Egal wie viele – ob einer, fünf oder zehn: Problemwölfe in Tirol gehören entnommen“, fordert Hechenberger.

AK-Präsident Erwin Zangerl sieht die Freizeitnutzung der Tiroler Berglandschaft durch die Rückkehr des Wolfs gefährdet: „Es ist außerdem nicht nachvollziehbar, dass etwa ein wildernder Familienhund geschossen werden darf, ein Wolf, der massive Schäden anrichtet, aber nicht.“ Auch Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf fordert die Möglichkeit der gezielten Entnahme: „Es geht dabei nicht um die Ausrottung, sondern darum, notwendige Entscheidungen treffen zu können.“

Ähnlich auch WK-Präsident Christoph Walser, der durch den Wolf nicht zuletzt die Tourismuswirtschaft gefährdet sieht: „Den Wolf zu besendern, ist ein Schwachsinn. Das ist nicht machbar“, meint er angesprochen auf jenen Kompromiss, den die Landesregierung vergangene Woche für den auffälligen Wolf im Oberland verkündet hat. Dem von Naturschutzorganisationen stets ins Spiel gebrachten Herdenschutz erteilt NR Hermann Gahr (Forum Land) eine Absage. Dieser sei in den meisten Regionen Tirols ebenso nicht realisierbar wie der Einsatz von Herdenschutzhunden: „Es gibt in der Schweiz solche Projekte. Da werden dann aber für mehrere Wochen die Wanderwege gesperrt, weil die Schutzhunde die Herde nicht nur gegen den Wolf, sondern gegen jeden anderen außerhalb der Herde verteidigen – auch gegen Wanderer.“

WWF fordert Herdenschutz-Offensive

Dem Verein, der sich den Kampf gegen die "Wiederansiedlung des Wolfes" auf die Fahnen geschrieben hat, hält der WWF indes den "hohen europarechtlichen Schutzstatus der Tiere" entgegen, wie es in einer Aussendung hieß. Zudem forderte die Naturschutzorganisation eine "gemeinsame Herdenschutz-Offensive von Politik und Sozialpartnern".

"Einige wenige Wölfe kehren derzeit in ihre frühere Heimat Tirol zurück, ihr europaweiter Schutzstatus ist gut abgesichert", erklärte WWF-Experte Christian Pichler. Daher sei fachgerechter Herdenschutz ein "absolutes Muss, um rasch und präventiv zu helfen".

Der WWF schlug einen Fünf-Punkte-Plan vor:

  • Herdenschutz müsse stärker gefördert werden.
  • Das Hirtenwesen gehöre wiederbelebt.
  • Die Ausbildung von Herdenschutzhunden sei schnellstmöglich voranzutreiben.
  • Zudem müssten Nutztierhaltende besser entschädigt und ausgewogen informiert werden.
  • Das von Bund und Ländern gegründete "Österreichzentrum Bär-Luchs-Wolf" solle überdies gestärkt und ausreichend dotiert werden, so die Naturschutzorganisation, die für einen "sachlichen Umgang mit der natürlichen Rückkehr der Wölfe" eintrat.

Derzeitiger Wolf-Schutzstatus für Verein veraltet

Anlässlich der Vereinsgründung verweist die Naturschutzorganisation WWF einmal mehr auf den hohen europarechtlichen Schutzstatus der Tiere und fordert eine gemeinsame Herdenschutz-Offensive von Politik und Sozialpartnern. „Einige wenige Wölfe kehren derzeit in ihre frühere Heimat Tirol zurück, ihr europaweiter Schutzstatus ist gut abgesichert. Daher ist fachgerechter Herdenschutz ein absolutes Muss, um rasch und präventiv zu helfen“, sagt WWF-Experte Christian Pichler. „Wer die Almwirtschaft tatsächlich unterstützen will, muss den finanziellen Rahmen und die Förderstruktur verbessern. Genau dafür müssen sich auch die zuständigen Sozialpartner einsetzen, statt nur den EU-Artenschutz schlechtzureden.“

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaper

Kritik am Verein kommt auch von Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer. „Wie kann man nur seinen eigenen Funktionären und Landwirten so viel Sand in die Augen streuen?“, wundert er sich und spricht von einer „aufgesetzten ÖVP-Sommerloch-Achse“. Nachdem LHStv. Josef Geisler (VP) sich noch vor wenigen Tagen für eine Besenderung des Oberländer Wolfs eingesetzt habe und die Empörung darüber groß war, seien nun die VP-Kollegen offensichtlich zur Wiedergutmachung ausgerückt. „Ausrichten werden in dieser Frage alle fünf Herren genau gar nix“, meint Dornauer. Er selbst sei für eine Senkung des Schutzstatus auf europäischer Ebene sowie für die unbürokratische Entnahme von Problemwölfen.

Auf einen im Nationalrat mit den Stimmen der ÖVP abgelehnten FPÖ-Antrag zur Regulierung der Wölfe in Österreich verweist Tirols FPÖ-NR Gerald Hauser und wundert sich: „In Sonntagsreden tritt die ÖVP für die Entnahme von Wölfen auf, startet Petitionen dafür, lehnt aber unsere Anträge zu der Problematik ab.“


Kommentieren


Schlagworte