Nach Krisengipfel: "Task Force" soll Swarovski-Kahlschlag managen

Land Tirol, AMS, die Tiroler Arbeitsmarktförderungsgesellschaft, der Swarovski-Konzern und der Betriebsrat werden eine "Task Force" bilden. In den kommenden zwei Wochen soll dann ein "abgestufter Plan" ausgearbeitet werden.

Im Landhaus traf sich LH Günther Platter mit den Verantwortlichen von Swarovski, den Sozialpartnern und dem AMS zum Krisengipfel.
© Rudy De Moor

Von Max Strozzi

Innsbruck – Eine „Task Force“ aus Land Tirol, AMS, der Tiroler Arbeitsmarktförderungsgesellschaft amg, Swarovski und Betriebsrat soll nach dem angekündigten drastischen Job­abbau bei Swarovski in den nächsten 14 Tagen ausloten, wie der Abbau von heuer rund 1200 Beschäftigten gemanagt werden soll. Das gaben gestern LH Günther Platter und Konzernchef Robert Buchbauer nach einer Krisensitzung mit den Sozialpartnern und dem AMS bekannt.

„ Es bleibt uns keine Wahl, als unser Geschäft umzubauen.“
Robert Buchbauer (Swarovski)

Demnach soll ein „abgestufter Plan“ ausgearbeitet werden. Dabei werde beispielsweise herausgefiltert, welche Mitarbeiter mit welchen Qualifikationen zu welchem Zeitpunkt gekündigt werden, um für sie möglichst sozial verträgliche Lösungen auszuarbeiten, erklärte AMS-Chef Anton Kern. Die Palette reiche von Bildungskarenz über Altersteilzeit bis zu Vereinbarungen im Zusammenhang mit Sozialplan und Unternehmensstiftung. „Wir arbeiten an einem Bündel aus Beratung, Begleitung und Orientierung – nicht nur für Stiftungsteilnehmer“, erklärte LR Beate Palfrad­er (ÖVP). Am 10. August wolle man ein Paket an Individualförderungen und Arbeitsstiftungen beschließen.

„ Größtes Anliegen ist es nun, die Mitarbeiter bestmöglich zu unterstützen.“
LH Günther Platter

Ziel sei ein stufenweiser Abbau der 1200 Mitarbeiter, damit im Herbst nicht alle auf einmal ohne Job dastehen, sagte Platter. „Ich bin sehr betroffen und überrascht über die Dimension des Stellenabbaus“, sagte Platter. Es sei aber auch wichtig, dass der Konzern zukunftsfit bleibe und der Standort Wattens abgesichert werde. Swarovski sei „ein Paradeunternehmen, das in 125 Jahren Hunderttausende Tiroler beschäftigt hat. Wir stehen hinter dem Unternehmen.“ Größtes Anliegen des Landes sei es nun, die betroffenen Mitarbeiter „bestmöglich zu unterstützen“.

So überraschend kann der drastische Jobbabbau nicht mehr gewesen sein. Bereits im März wurde öffentlich bekannt, dass der Konzern die Mitarbeiter über einen massiven Stellenabbau informiert hat. Kurz darauf hatte Arbeiter-Betriebsratsschef Ernst Daberto öffentlich von 1000 Jobs gesprochen, die heuer abgebaut werden, später von bis zu 2000 in den nächsten drei Jahren. Diese Darstellungen wurden nie dementiert, vielmehr nun bestätigt. Wie berichtet, werden von 4800 Mitarbeitern in Wattens bis 2022 rund 1800 abgebaut – 1200 davon heuer.

„Ich habe den Eindruck, dass die Firmenleitung kein Konzept hat.“
Philip Wohlgemuth (ÖGB)

Bitter enttäuscht zeigte sich Tirols ÖGB-Chef Philip Wohlgemuth vom gestrigen Gipfel. „Die Konzernführung ist viele Antworten schuldig geblieben“, so Wohlgemuth: „Welche Mitarbeiter in welchen Betriebsteilen wann betroffen sind, ist völlig unklar.“ Die Beschäftigten würden im Ungewissen gelassen: „Niemand in Wattens weiß, ob er im Herbst noch einen Job hat.“ Er habe den Eindruck, dass die Firmenleitung „überhaupt kein Konzept hat“.

60 Mio. Euro werde Swarovski zur Verfügung stellen, um Härten abzufangen und „das Unumgängliche so erträglich wie möglich zu machen“, sagte Firmenchef Buchbauer. Der Großteil der Mittel wird für Abfertigungen verwendet – der seit Jahren bestehende Swarovski-Sozialplan sieht unter anderem zusätzlich zur gesetzlichen Regelung zwischen 2 und 7 Monatsgehälter plus 1500 Euro je Kind vor.

Buchbauer erläuterte gestern erneut die Gründe für den Kahlschlag. Im Kristallkomponentengeschäft für die Industrie habe sich in den letzen 10 Jahren ein ruinöser Preiswettbewerb entwickelt. Das Endkundengeschäft mit Schmuck und Uhren habe einiges wettmachen können, doch durch Corona sei auch dieses Segment weggebrochen. „Bis zu 90 Prozent der Shops wurden geschlossen, damit fielen bis zu 90 Prozent der Umsätze weg – das ist existenziell“, so Buchbauer. Corona sei nicht der Auslöser für den Umbau, aber Beschleuniger: „Es bleibt uns keine andere Wahl, als unser Geschäft umzubauen.“ Man verabschiede sich aus dem Massengeschäft mit Komponenten und setze auf hochpreisige Produkte. Wattens bleibe der „Kern des Unternehmens“. Es werde kein Personal ins Ausland verlagert, weltweit wurden 6000 Stellen abgebaut. In der Kristallsparte werde weltweit der Personalstand von 27.000 auf rund 20.000 sinken – weniger Mitarbeiter im Industrie-, dafür mehr im Endkundenbereich.


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