Super-Herbst oder Super-Chaos? Sport rüstet sich für Monsterprogramm

Ein Großevent reicht dem nächsten die Hand: Nach der langen Corona-Pause geht es Schlag auf Schlag – so wie im Tennis, Fußball und Radsport.

Der Radsport nimmt langsam wieder Fahrt auf. Die Tour de France steht heuer Ende August/Anfang September auf dem Programm.
© imago

Von Roman Stelzl, Tobias Waidhofer, Alois Moser

Innsbruck – Wissen Sie schon, was Sie im August, September oder Oktober machen? Als Sport-Fan gar keine so einfach zu beantwortende Frage. Denn die Auswahl ist heuer groß: Nach der Corona-Pause wollen alle noch auf den Zug Richtung TV- und Sponsoren-Gelder aufspringen. Das Resultat sind überfüllte Kalender voller Fragezeichen. Vier Weltsportarten stehen stellvertretend im Fokus.

Tennis: „Ich muss eines der beiden Grand Slams opfern“, hatte Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem Anfang Juli erklärt. Gemeint war das Kuriosum der US Open (31.8. bis 13.9.) und der French Open (27.9. bis 11.10.), zwischen denen nur zwei Wochen Pause liegen. Mit den Turnieren in Madrid (13.–20.9.) und Rom (20.–27.9.) hat die Pause zwei Masters, die mit 2000 Punkten gleich viele Zähler bringen wie ein Grand-Slam-Titel. Damit geht es in sechs Wochen um beispiellose 6000 Punkte für die Sieger.

Das bewegt auch Sandplatzkönig Rafael Nadal, wie viele Top-Spieler, dazu, die nicht gesicherten US Open vielleicht auszulassen. Und ein Grand Slam ohne Stars? Das wäre ein Novum, das sich keiner wünscht. Dennoch herrscht bei allen Veranstaltern (notgedrungen) Zuversicht – auch bei jenen in Kitzbühel (8.–13.9.), das vorerst einen ganz schweren Stand hat, und in Wien (26.10.–1.11.), wo sich Turnierdirektor Herwig Straka auf Stars und 5000 Zuschauer in der Stadthalle einstellt. Und die abgesagten Turniere wie jenes in Hamburg (Turnierdirektorin Sandra Reichel: „Wir sind jederzeit bereit“) stehen nach den am Freitag gestrichenen China-Turnieren Gewehr bei Fuß.

Alle Radklassiker innerhalb von 92 Tagen

Radsport: Der Jahreskalender wurde angesichts der Coronavirus-Pandemie komplett durch den Fleischwolf gedreht. Kaum einer wollte klein beigeben – und so werden nun alle großen Bewerbe im Presswurst-Stil binnen 92 Tagen ausgetragen. Zwischen Mailand–Sanremo (8.8.) und der Vuelta-Zielankunft (8.11.) liegen zehn Klassiker, eine dreiwöchige Tour de France, ein ebenso langer Giro d’Italia, eine 20-tägige Spanien-Rundfahrt und quasi als Zuckerguss obendrauf die Rad-WM in der Schweiz. Uff? Genau.

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Dabei gleicht die Ter­min-Sammlung einem Kuriositätenkabinett. So startet am Finaltag der Tour de France (20.9.) nach bis zu 3500 Fahrkilometern zeitgleich die WM mit den ersten Nachwuchs-Bewerben. Am 27. September steigt mit dem Straßenrennen der Herren der Höhepunkt der WM-Wettkämpfe in Aigle-Martigny – und wer dann noch Lust, Laune und Puste hat, der darf sich eine Woche später an den Start des Giro d’Italia (3.–25.10.) stellen, wo ursprünglich im Mai und Juni fast 3600 Kilometer auf dem Programm standen (der neue Streckenplan ist noch nicht fixiert). Ein langer Atem alleine hilft aber nicht, denn zwischen Vuelta und Giro d’Italia muss man eine der drei „Grand Tours“ (quasi der Olymp im Radsport) sausen lassen, legt die Spanien-Rundfahrt doch schon am 20. Oktober los.

Formel 1: Besondere Zeiten erfordern auch im Motorsport besondere Maßnahmen. Der Rennkalender ist weiterhin nur provisorisch und ständigen Anpassungen unterworfen. Die Rennen in Brasilien, USA, Mexiko und Kanada wurden kürzlich aufgrund der jeweiligen Corona-Lage gestrichen. Nun stellt sich ein neues, unerwartetes Problem: Um als Weltmeisterschaft zu gelten, müssen laut den Regularien des Weltverbandes FIA eigentlich Rennen auf drei Kontinenten ausgetragen werden, was nach den bisherigen Absagen (inklusive Melbourne/AUS) ernsthaft in Gefahr gerät. Möglicher Ausweg: Die FIA hebelt angesichts der „außergewöhnlichen Umstände“ höchstselbst ihr eigenes Regulativ aus, um am Ende in der hauseigenen Königsklasse auch einen Weltmeister küren zu können.

Fußball: Dass Corona noch allgegenwärtig ist, zeigt das Beispiel VfL Wolfsburg. Dort wurde Kevin Mbabu positiv getestet. Die Bundesliga-Saison ist zwar beendet, aber die Glasner-Truppe ist ab 7.8. – so wie der LASK – im Europa-League-Achtelfinal-Rückspiel gefordert. Ab dem Viertelfinale (12. bis 15.8.) wird in Turnierform in Deutschland weitergespielt. So läuft es auch in der Königsklasse, wo in Lissabon am 10.8. das Final-Turnier startet. Die Achtelfinal-Rückspiele (7./8.8.) werden noch in den jeweiligen Heim-Stadien ausgetragen. Das Finale steigt am 23. August. Und im September sollen dann die nationalen Ligen beginnen. Freilich erst nach dem Auftakt der UEFA Nations League ...


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