Britische Regierung startet in Corona-Krise Kampagne gegen Übergewicht

Fettleibigkeit erhöhe das Risiko schwerer Erkrankungen sowie auch die Gefahr, an einer Coronavirus-Infektion zu sterben. Zu den Maßnahmen gehört etwa, dass Werbung für Junk-Food im Fernsehen und im Internet vor 21 Uhr verboten werden soll.

Nachdem Premier Boris Johnson selbst am Coronavirus erkrankt war, möchte er sich laut eigener Aussage nun auch mehr seiner Fitness widmen.
© ANDREW MILLIGAN

London – Angesichts der Corona-Krise hat die britische Regierung eine breit angelegte Kampagne gegen Übergewicht und Fettleibigkeit in der Bevölkerung gestartet. Fettleibigkeit erhöhe das Risiko schwerer Erkrankungen sowie auch die Gefahr, an einer Coronavirus-Infektion zu sterben, warnte Gesundheitsminister Matt Hancock in der Nacht zum Montag.

In einem auf Twitter veröffentlichten Video erzählt Premierminister Boris Johnson über seinen eigenen Kampf mit dem Übergewicht. Zu den Maßnahmen im Rahmen der Kampagne „Better Health" („Bessere Gesundheit") gehört, dass Werbung für Junk-Food im Fernsehen und im Internet vor 21 Uhr verboten werden soll. Damit soll erreicht werden, dass Minderjährige derartigen Werbekampagnen weniger ausgesetzt werden. Restaurant- und Cafe-Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten sollen dazu verpflichtet werden, auf ihren Speisekarten die Kalorienwerte anzugeben.

📽️ Video | Boris Johnson spricht über seinen Kampf mit Übergewicht:

Zudem könnte Supermärkten künftig verboten werden, Rabatte auf ungesunde Nahrungsmittel anzubieten. Auch sollen sie solche Waren nicht mehr an besonders sichtbaren Stellen wie den Eingängen und Kassen platzieren dürfen. Ärzte werden ermutigt, übergewichtigen Patienten Fitnesstraining zu verschreiben.

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Fast zwei Drittel der Erwachsenen mit zu hohem Körpergewicht

In Großbritannien haben nach Regierungsangaben fast zwei Drittel der Erwachsenen ein Körpergewicht, das als nicht mehr gesund gilt. 36 Prozent von ihnen leiden demnach an Übergewicht und 28 Prozent an Fettleibigkeit. Jedes dritte Kind im Alter zwischen zehn und elf Jahren ist diesen Angaben zufolge übergewichtig oder fettleibig.

Laut einer am Samstag veröffentlichten Studie der Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) erhöht Fettleibigkeit das Risiko, an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 zu sterben, um 40 Prozent. Acht Prozent der schwerstkranken Covid-Patienten wurden Analysen zufolge als krankhaft fettleibig eingestuft, innerhalb der Bevölkerung sind es nur drei Prozent.

„Covid-19 war für uns alle Weckruf zu den unmittelbaren und langfristigen Risiken von Übergewicht", sagte ein Regierungssprecher am Sonntag. Premierminister Boris Johnson sei überzeugt, „dass wir diesen Moment nutzen müssen, um gesünder und aktiver zu werden und uns besser zu ernähren".

„Gewicht zu verlieren, ist hart, aber mit einigen kleinen Änderungen können wir uns alle fitter und gesünder fühlen", sagte Johnson, der nach seiner Virus-Infektion im April auf der Intensivstation behandelt werden musste. Zur Begleitung der neuen Kampagne veröffentlichte Downing Street am Montag auf Twitter ein Video des Premiers, wie er, während er mit einem Hund spazieren geht, von seinen eigenen Gewichtsprobleme erzählt.

Gewicht zu verlieren, ist hart, aber mit einigen kleinen Änderungen können wir uns alle fitter und gesünder fühlen.
Boris Johnson

Johnson hatte Kampagnen der Regierung zugunsten einer stärkeren Gewichtskontrolle stets kritisiert. Nun aber warb er ausdrücklich für die Initiative und versicherte, niemand werde dabei „herumkommandiert" oder bevormundet. Gesundheitsexperten begrüßten die Initiative. Die leitende Krebsforscherin Michelle Mitchell sprach von einem „Meilenstein für die Gesundheit der Nation".

Der gesundheitspolitische Sprecher der oppositionellen Labour-Partei, Alex Norris, kritisierte hingegen, die neue Kampagne liefere kaum mehr als „große Versprechungen". Eine wirksame Strategie gegen Fettleibigkeit aber „braucht Taten". (APA/AFP)


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