Netanyahu teilt Morddrohung von Fake-Account, Gegner wollen Klärung

Netanyahu hatte am Mittwoch einen Screenshot der Drohung auf Facebook veröffentlicht. Wie sich nun herausgestellt hat, kam diese von einem Fake-Konto.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu steht derzeit stark unter Druck.
© APA/AFP

Tel Aviv – Eine vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu bei Twitter geteilte Morddrohung gegen sich selbst geht auf ein Fake-Konto bei Facebook zurück. Eine Sprecherin des sozialen Netzwerks teilte am Donnerstag mit, der gefälschte Account sei umgehend gelöscht worden. Netanyahu reichte Anzeige bei der Polizei ein. Ein Sprecher des 70-Jährigen wollte sich nicht weitergehend äußern.

Gegner des Regierungschefs kritisierten, dass das Teilen der Drohung zusammenfiel mit der Aufarbeitung der Angriffe von mutmaßlichen Rechten auf Anti-Netanyahu-Demonstranten in Tel Aviv. Die Aktivistin Orly Barlev forderte, der Inlandsgeheimdienst Shin Bet müsse untersuchen, wer hinter dem Account stecke. Mit einem solchen Versuch, das öffentliche Bewusstsein zu beeinflussen, werde Aufstachelung und Gewalt gefördert.

Netanyahu hatte am Mittwoch einen Screenshot der Drohung veröffentlicht. Dazu schrieb er: "Gestern hat die Polizei nahe meiner Büros einen Mann festgenommen, der damit drohte, mich umzubringen und Messer bei sich trug. Heute werde ich bei der Polizei Anzeige einreichen wegen der beigefügten hetzerischen Drohung, die dazu aufruft, mich durch eine Kugel in den Kopf zu töten."

Seit Wochen immer wieder Proteste

Der Account, auf dem die Drohung veröffentlicht wurde, wurde von mehreren Aktivisten in Zweifel gezogen. Der Journalist Yossi Dorfman deckte Ungereimtheiten auf.

Der Ministerpräsident steht derzeit stark unter Druck: Wurde er zu Beginn der Corona-Pandemie noch für sein Krisenmanagement gelobt, sieht er sich nun starker Kritik gegenüber. Zudem läuft ein Prozess gegen ihn. Netanyahu ist wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Seit Wochen gibt es immer wieder Proteste nahe seiner Residenz in Jerusalem. Mehrere Männer wurden in den vergangenen Wochen nach Drohungen gegen Netanyahu und Familienmitglieder verhört. (APA)


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