Pool-Pinkler, Sex-Lust, Alkohol und Co.: 15 Sommermythen im Faktencheck

Nicht in den Pool pinkeln, das sieht man. Eine kalte Dusche und eiskalte Getränke helfen gegen Schwitzen. Und: Nach dem Kirschenessen kein Wasser trinken, davon bekommt man Bauchschmerzen. Sommermythen gibt es viele. Doch welche sind wahr?

Ist teure Sonnencreme besser? Auch um diese Frage ranken sich Mythen.
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Berlin – Mit der Hitze tauchen sie wieder auf – die Sommermythen: Verfärbt sich das Wasser bei Pool-Pinklern? Wirkt Alkohol bei Hitze stärker? Steigert warmes Wetter die Lust auf Sex? Stimmt es, dass es mittags am heißesten ist? Und: Sind teure Sonnencremes wirklich besser? Zeit für einen Faktencheck.

🚽💧 BEHAUPTUNG

Becken-Pinkler können überführt werden, weil Urin das Wasser verfärbt.

🔹 BEWERTUNG: Technisch mittlerweile möglich.

🔹 FAKTEN: Selbst Hollywood hat sich des Themas schon angenommen: Im Film „Grown Ups“ (Kindsköpfe, 2010) wird ein Pool-Pinkler im Freibad durch sich dunkelblau verfärbendes Wasser entlarvt. Ist das wirklich so einfach möglich? Nein, sagen die Experten des US-„Water Quality & Health Council“. Sie bezeichnen das Entlarven von pieselnden Schwimmern mittels farbiger Pipi-Wolke im Wasser als „häufigsten Pool-Mythos aller Zeiten“.

Doch Wissenschaftler der Texas A&M University haben mittlerweile ein System entwickelt, das nach ihren Angaben Pool-Pinkler überführen kann. Zink-Ionen reagieren dabei mit einem Nebenprodukt des Urins und es leuchtet grün. Das Problem: Sichtbar wird das Ergebnis nur dann, wenn Schwarzlichter im Schwimmbad installiert sind.

🍹🍺 BEHAUPTUNG

Alkohol wirkt bei Hitze stärker.

🔹 BEWERTUNG: Stimmt.

🔹 FAKTEN: Hitze und Alkohol sind keine guten Partner, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erläutert. „Wenn die Sonne brennt, wirkt Alkohol im Körper schneller und intensiver“, erklären die Experten. Der Blutdruck sinkt und man fühlt sich müde und schlapp. Das kann zu Kreislaufproblemen oder sogar zur Bewusstlosigkeit führen. Wer Alkohol trinkt und badet, begibt sich zusätzlich in Gefahr. Weil Alkohol die Gefäße weitet, könne man selbst bei einer Wassertemperatur von 20 bis 22 Grad einen Kälteschock erleiden, warnt die BZgA.

👩‍❤️‍👨 BEHAUPTUNG

Warmes Wetter steigert die Lust auf Sex.

🔹 BEWERTUNG: Stimmt.

🔹 FAKTEN: Hitze wirkt sich tatsächlich auf das Sexleben aus. „Denn mit den Temperaturen steigt auch unsere Libido“, sagt Frauenärztin Sheila de Liz. Sonnenlicht und Wärme sind laut der Expertin unglaublich wichtig für unser Lustempfinden, denn so produziere der Körper mehr Vitamin D. Das erhöhe die Stimmung und sorge für Entspannung. Weniger Kleidung und mehr nackte Haut sind laut de Liz natürlich zusätzliche optische Reize, die die Hormone in Wallung bringen.

☀️ BEHAUPTUNG

Teure Sonnencreme schützt besser.

🔹 BEWERTUNG: Falsch.

🔹 FAKTEN: Fast jede Sonnencreme im Handel schützt zuverlässig vor UV-Strahlung. Das hat die Stiftung Warentest in einer Untersuchung herausgefunden. Auch die günstigeren Varianten halten die schädlichen UV-Strahlen ab und versorgen die Haut genauso gut mit Feuchtigkeit. Wichtig seien ein hoher Lichtschutzfaktor und gute Hautverträglichkeit, sagt der Dermatologe Reinhard Mrotzek. Voraussetzung für den Schutz ist, dass man genug Sonnencreme verwendet. Ein 1,80 Meter großer Erwachsener braucht nach Angaben des Haut-Experten rund 30 Milliliter Sonnencreme - also zwei Esslöffel, um seinen ganzen Körper richtig einzucremen.

💻📱 BEHAUPTUNG

Hitze schadet Laptop und Smartphone.

🔹 BEWERTUNG: Richtig.

🔹 FAKTEN: Etwas für Uni oder Arbeit im Park auf dem Laptop schreiben oder mit dem Handy lustige Videos drehen? Ja, aber bitte im Schatten! Denn Elektronik sollte kühl gehalten werden, rät Alexander Spier vom Magazin für Computertechnik „c‘t“. Hitze und Sonne können mitunter zu Beeinträchtigungen führen: Die Geräte arbeiten dann langsamer, es kommt zu Darstellungsstörungen auf dem Display, oder die Lebensdauer wird verkürzt. Nicht umsonst schalten sich moderne Smartphones bei zu großer Hitze mittlerweile von alleine aus, um Schäden zu verhindern.

🥵 BEHAUPTUNG

Warmes Wetter sorgt für Hitzepickel.

🔹 BEHAUPTUNG: Stimmt.

🔹 FAKTEN: Ein paar ruhige Momente in der Sonne genießen, und schon können sich kleine Bläschen am Körper bilden – sogenannte Hitzepickel. „Sie entstehen wegen verstopfter Schweißdrüsen, hervorgerufen durch einen Hitzestau“, sagt Dermatologin Uta Schlossberger. Schuld ist meist zu enge, undurchlässige Kleidung im Sommer. Aber auch an stark schwitzenden Stellen wie am Rücken, unter den Achseln oder am Dekolleté treten sie oft auf. Sobald der Körper abkühlt, verschwinden die Hitzepickel laut der Ärztin meist wieder.

🍦🍒 BEHAUPTUNG

Nach Eis und Kirschen nichts trinken.

🔹 BEWERTUNG: Falsch.

🔹 FAKTEN: „Es spricht nichts dagegen, danach etwas zu trinken“, sagt Bernhard Watzl, Ernährungswissenschaftler vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe. Der Mythos „hängt möglicherweise mit der Hygiene in früheren Zeiten zusammen, lässt sich heute aber nicht wirklich begründen“, erklärt der Experte.

Grund für den Irrglauben könnte das in früheren Zeiten hygienisch nicht einwandfreie Trinkwasser sein. Keime sorgten für Bauchschmerzen. Wird bei Herstellung und Verkauf von Speiseeis die Kühlkette nicht eingehalten, können Bakterien Probleme bereiten.

🌤️ BEHAUPTUNG

Im Schatten wird man auch braun.

🔹 BEWERTUNG: Stimmt.

🔹 FAKTEN: Farbe gibt es für den Körper auch im Schatten – allerdings langsamer und schonender. Nach Worten des Dermatologen Mrotzek bekommt man dort „noch 50 Prozent der UV-Dosis ab“. Der Experte: „Ob Sie dabei unter einem Zeltdach oder einem Baum sitzen, ist egal“. Doch Vorsicht: „Sonnenbrand gibt es auch im Schatten oder unter bewölktem Himmel“, warnt Mrotzek.

🦟🩸 BEHAUPTUNG

Mücken lieben „süßes“ Blut.

🔹 BEWERTUNG: Falsch.

🔹 FAKTEN: Für den Insektenexperten Julian Heiermann ist das ein „Mythos“. Der Zoologe vom Naturschutzbund Nabu erklärt: „Manche Menschen werden aber öfter gestochen als andere“. Das habe vor allem mit dem Duft zu tun: „Im Schweiß ist ein bestimmter Stoff enthalten, der Mücken lockt. Manche produzieren davon mehr.“ Ein Forscherteam der London School of Hygiene and Tropical Medicine will unterdessen herausgefunden haben, dass etwa Schwangere und korpulente Menschen mit höherer Körpertemperatur häufiger geplagt sind.

👙 BEHAUPTUNG

Nasse Badesachen führen zu einer Blasenentzündung.

🔹 BEWERTUNG: Stimmt.

🔹 FAKTEN: Es ist schon verlockend, sich einfach in der Sonne zu trocknen. Dennoch sollte man nach dem Schwimmen Bikini und Badehose schnell ausziehen. Dadurch wird das Risiko einer Blasenentzündung minimiert, wie die Landesapothekerkammer in Niedersachsen erklärt. Kälte und Nässe verringern demnach die Durchblutung und begünstigen so die Ausbreitung von Bakterien, die in die Blase gelangen können. Frauen sind wegen ihres kürzeren Harnwegs stärker davon betroffen.

💦🌼 BEHAUPTUNG

Beim Blumengießen im Sommer kein Wasser auf die Blätter.

🔹 BEWERTUNG: Stimmt.

🔹 FAKTEN: Wassertropfen auf Pflanzen sollen im Sommer wie Brenngläser wirken. Pflanzen also nicht von oben gießen? „Es ist tatsächlich besser, es nicht zu tun“, rät Isabelle van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie Berlin. Grund sei allerdings nicht, dass die Blätter verbrennen könnten. „Sondern die Feuchtigkeit fördert die Bildung von Pilzschädlingen“, erklärt die Garten-Fachfrau.

🕛☀️ BEHAUPTUNG

Mittags ist es am heißesten.

🔹 BEWERTUNG: Falsch.

🔹 FAKTEN: „Feierabendhitze“ wäre wohl treffender. „Denn die Temperatur ist an einem Hochsommertag erst zwischen 16 und 17 Uhr am höchsten“, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Der Wärmegrad erreicht seinen Höhepunkt also nicht zeitgleich mit dem Höchststand der Sonne, sondern erst verzögert. Dann, wenn der Boden maximal erwärmt ist und auch Straßen oder Dächer Hitze abgeben. Zudem ist der Sonnenhöchststand in Deutschland aufgrund der Sommerzeit nicht um 12 Uhr mittags, sondern am frühen Nachmittag.

🚿🥵 BEHAUPTUNG

Eine kalte Dusche hilft gegen Schwitzen.

🔹 BEWERTUNG: Besser nicht.

🔹 FAKTEN: Es ist verlockend, den überhitzten Körper eiskalt abzubrausen - letztendlich ist es jedoch kontraproduktiv. Durch das kalte Wasser gehe die Körpertemperatur zwar erst einmal runter. Anschließend schwitze man aber durchaus mehr. „Weil der Körper die Temperatur wieder hochschraubt“, erklärt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. Vor allem nach einer intensiven Trainingseinheit sei eine kalte Abkühlung nur Stress für den Körper. Er rät dazu, es ruhig mit der Temperatur angehen zu lassen und zunächst mit handwarmem Wasser zu duschen. Das kann man dann Schritt für Schritt kälter drehen.

🧊🥤 BEHAUPTUNG

Ein eiskaltes Getränk ist die beste Erfrischung.

🔹 BEWERTUNG: Falsch.

🔹 FAKTEN: Ähnlich wie bei der frischen Dusche verhält es sich auch bei Wasser, Limo und Co. „Kalte und eiskalte Getränke belasten den Körper deutlich mehr als wohltemperierte oder warme, denn er muss viel Energie aufbringen, um die Temperatur zu regulieren“, erklärt Jan-Christoph Lewejohann von der Asklepios Klinik Wandsbek. Kühle Drinks können außerdem zu Magenproblemen und Unwohlsein führen. Deshalb ruhig mal zum warmen Pfefferminztee greifen. Auch der kann erfrischen.

👚 BEHAUPTUNG

Beduinen schützen sich mit dunkler Kleidung gegen Hitze.

🔹 BEWERTUNG: Stimmt, wobei eher der Schnitt entscheidend ist.

🔹 FAKTEN: Die Wüstenbewohner Nordafrikas und im Nahen Osten tragen häufig dunkle Gewänder. Und das, obwohl diese im Gegensatz zu weißer Kleidung Sonnenlicht aufsaugt – warum? Israelische Forscher haben sich 1980 mit der Frage beschäftigt. Ihr Ergebnis: Die Farbe der Gewänder machte kaum einen Unterschied, wohl aber der Schnitt. Denn die Beduinen tragen ihre Roben locker um den Körper – so kann zwischen den Lagen Luft hindurchströmen, die die Wärme abtransportiert und die Haut so kühlt.


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