„Harry Potter"-Autorin wird 55: J.K. Rowling spaltet derzeit die Gemüter

Zwölf Verlage sollen das erste „Harry Potter"-Manuskript damals abgelehnt haben. Darüber werden sie sich heute mächtig ärgern, gehört die Buchreihe doch zu den erfolgreichsten aller Zeiten. Nun feiert die millionenschwere Autorin J.K. Rowling ihren 55. Geburtstag – doch viel zu feiern gibt es gerade nicht.

Star-Autorin J.K. Rowling schaffte es in fünf Jahren von einer Sozialhilfeempfängerin zur Multimillionärin. Ihren Geburtstag teilt sie sich mit ihrem Titelhelden – Harry Potter wird heute 40 Jahre alt.
© ANGELA WEISS

Berlin – Joanne K. Rowling wird am heutigen Freitag 55 Jahre alt. Fühlen dürfte sie sich gerade wie Voldemort, der Bösewicht aus ihren Harry-Potter-Romanen. Wenn die Helden in den beliebten Bücher über Voldemort sprechen, wird er meist nur als „der, dessen Name nicht genannt wird“, bezeichnet. So ähnlich geht es nun auch Rowling. Die Betreiber zweier Harry-Potter-Fanseiten kündigten an, Fotos der Autorin und ihre Zitate von der Website zu entfernen und nur noch in Ausnahmefällen über Rowlings private Projekte zu berichten. Ihre Tweets können mit Hilfe eines Hashtags ausgeblendet werden. Rowling wird quasi „die, deren Name nicht genannt wird“.

Fans und Schauspieler stellen sich gegen Rowling

Der Grund: Die „Harry Potter"-Autorin steht nach ihren umstrittenen Aussagen über transsexuelle Menschen in der Kritik. Teile der Harry-Potter-Fangemeinde reagierten verärgert. Auch zahlreiche Stars bezogen öffentlich Stellung. Daniel Radcliffe, der in der berühmten Filmreihe Harry Potter verkörperte, Rupert Grint (Ron Weasley), Emma Watson (Hermine Granger) und weitere Prominente hatten die Autorin kritisiert. „Ich möchte, dass meine transsexuellen Follower wissen, dass ich und viele andere Menschen rund um den Globus euch für das, was ihr seid, anerkennen, respektieren und lieben", hatte Watson jüngst getwittert.

In mehreren aufeinanderfolgenden Tweets schrieb die Schauspielerin: „Transsexuelle [...] verdienen es, ein Leben führen zu können, ohne andauernd hinterfragt zu werden oder dass ihnen gesagt wird, sie seien nicht, was sie sagen zu sein." Genau das hatte Rowling mit ihren kritisierten Aussagen indirekt hinterfragt, als sie unter anderem sagte, dass das biologische Geschlecht eine unausweichliche Realität sei.

Auch der Hauptdarsteller aus den „Phantastische Tierwesen"-Filmen, die Rowling schreibt und produziert, distanzierte sich von der Autorin. In einem Interview mit dem US-Portal Variety erklärte Eddie Redmayne: „Als jemand, der mit J.K. Rowling und Mitgliedern der Trans-Community zusammengearbeitet hat, will ich deutlich machen, wo ich stehe: Ich widerspreche Jos Kommentaren."

Auch Harry Potter hat heute Geburtstag

Zur Kritik nahm Rowling auf ihrer Website ausführlich Stellung. Sie sprach sich für eine offene Debatte und freie Meinungsäußerung aus. Zudem berichtete sie von häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch in ihrer ersten Ehe.

Dafür gab es in britischen Medien und im Internet sowohl Zuspruch als auch weitere Kritik. Enttäuschte Fans ihrer Bücher würden das Werk nun am liebsten von der Autorin lösen. Doch das ist nicht so leicht, denn die Namen Harry Potter und J.K. Rowling sind nahezu untrennbar miteinander verbunden. Sogar ihren Geburtstag haben sie gemeinsam.

Wurden 2007 am „Walk of Fame" geehrt: Rupert Grint, Daniel Radcliffe und Emma Watson.
© AFP

In den Romanen kam Harry am 31. Juli 1980 zur Welt, feiert also heute seinen 40. Geburtstag. Joanne Kathleen Rowling wurde am 31. Juli 1965 in Winterbourne geboren, einem kleinen Ort nahe Bristol im Südwesten Englands. Als Joanne neun Jahre alt war, zog sie mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester nicht weit von Winterbourne entfernt in das verschlafene Nest Tutshill.

Depressionen diagnostiziert

Die Umgebung von Tutshill und das urige Familienheim fanden sich später in Rowlings Büchern wieder. Einen Verschlag unter der Treppe - ähnlich dem, in dem der kleine Harry bei den Dursleys schlafen muss – gab es auch in Rowlings Elternhaus, das nun ihr gehört und gerade renoviert wird.

Inspiration für die siebenteilige Buchreihe bezog die ehemalige Lehrerin, die lange in Edinburgh lebte, auch aus einem dunklen Kapitel ihres Privatlebens. Nach der gescheiterten Ehe litt die alleinerziehende Mutter unter Depressionen – „die unangenehmste Sache, die ich je erlebt habe“, sagte Rowling der Times. In ihren Büchern wurden die Depressionen zu den gruseligen Dementoren. Die in schwarze Kapuzenmäntel gehüllten, fliegenden Wesen saugen alle glücklichen Gedanken aus ihren Opfern.

Kinder und Jugendliche, aber auch viele Erwachsene haben die sieben Romane in mehr als 80 Sprachen verschlungen. Dazu zählen neben weit verbreiteten Idiomen wie Englisch oder Deutsch auch Albanisch und Zulu sowie Latein und Alt-Griechisch.
© Daniel Reinhardt

Einnahmen von 80 Millionen Euro

Trotz anhaltender Fan-Kritik: Sorgen um ihre Finanzen muss sich Rowling wohl nicht machen. Im vergangenen Jahr nannte das Wirtschaftsmagazin Forbes sie die Autorin mit den weltweit größten Einnahmen: Umgerechnet 80 Millionen Euro soll sie gemacht haben. Unter dem Pseudonym Robert Galbraith verfasst Rowling auch die erfolgreichen Krimis um Cormoran Strike. Die Bücher über die Fälle des Privatdetektivs, der zusammen mit seiner Assistentin Robin ermittelt, wurden auch schon für das Fernsehen verfilmt. Teil fünf soll im Herbst erscheinen. Vor kurzem veröffentlichte sie auch ein neues Kinderbuch: „The Ickabog“

Der Aufstieg Rowlings zu einer der weltweit berühmtesten Persönlichkeiten ist bekanntlich selbst eine märchenhafte Geschichte: Von der alleinerziehenden Mutter, die auf Sozialhilfe angewiesen war, zur Multimillionärin – dafür benötigte Rowling nur fünf Jahre.

Idee entstand auf Zugfahrt

In einem verspäteten Zug von Manchester nach London schrieb Rowling 1990 der Legende nach die ersten „Potter"-Ideen auf einer Serviette nieder. Heute ist der Londoner Bahnhof King's Cross dank Harry Potter eine beliebte Touristenattraktion. Vom geheimen Gleis neundreiviertel machen sich Harry und seine Freunde auf den Weg zur Zauberschule Hogwarts. In der Wandelhalle des Bahnhofs hängt heute ein Schild mit der Aufschrift „Gleis 9 3/4“ über einem Gepäckwagen, der in der Wand zu verschwinden scheint. Für ein zauberhaftes Foto stehen dort täglich viele Touristen und Potter-Fans Schlange.

Für ein solch „zauberhaftes" Foto stehen am Londoner Bahnhof King's Cross täglich viele Touristen und Potter-Fans Schlange.
© AFP

An dem Konzept für ihre siebenteilige Buchreihe arbeitete Rowling fünf Jahre. Sie fertigte Tabellen mit Charakteren, Figuren, Orten und Ereignissen an, um verschiedene Handlungsstränge mit fortschreitendem Verlauf der Geschichte Stück für Stück zusammenzufügen. Rowlings erstes Buch, „Harry Potter und der Stein der Weisen" (1997), verfasste sie auf einer Schreibmaschine. Eine Erstausgabe davon soll inzwischen bis zu 34.000 Euro wert sein, der Roman gilt heute als eines der meistverkauften Bücher der Welt.

Zwölf Verlage wollten „Harry Potter" nicht

Jenseits der abgeschlossenen Buchreihe lebt Harry inzwischen auf der Bühne weiter: Das Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ erschien auch als Buch.
© NEIL HALL

Zwölf Verlage sollen das erste Manuskript von „Harry Potter" abgelehnt haben, Bloomsbury gab Rowling schließlich eine Chance, ohne zu wissen, dass damit eine Mega-Bestseller-Reihe ihren Anfang nahm. Mit mehr als 500 Millionen verkauften Exemplaren zählt die Harry-Potter-Serie zu den erfolgreichsten Büchern der Welt. Acht Harry-Potter-Kinofilme, ein Theaterstück und zwei Filme über „Phantastische Tierwesen“ ließen die Kassen klingeln. In Florida gibt es sogar einen Harry-Potter-Themenpark. Über 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung ist die weltweite Pottermania ungebrochen.

Daran wird die öffentliche Diskussion zwischen J.K. Rowling und ihren Kritikern nichts ändern. Durch sie gerät aber in den Hintergrund, dass die Autorin, die sich permanent für Gleichberechtigung und soziale Belange einsetzt, sich gegen Rassismus und Diskriminierung engagiert und eine Stiftung gegen Kinderarmut ins Leben gerufen hat (Lumos) und mehrfach große Summen zur Erforschung und Heilung von Multipler Sklerose stiftete. Ihre Mutter starb 1990 im Alter von 45 Jahren an der Krankheit. Seit 2001 ist Rowling mit dem Anästhesisten Neil Murray verheiratet, mit dem sie zwei weitere Kinder bekam. (dpa, spot)


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