Mattersburg-Bank: Hinweise wohl schon 2015, Landesrat tritt zurück

Entsprechende Informationen lagen laut dem Nachrichtenmagazin profil der Bankenaufsicht vor. Indessen gab der burgenländische Gesundheits- und Soziallandesrat Christian Illedits seinen Rücktritt bekannt. Der Grund: Ein "Geschenk" SV Mattersburg zu seinem 60. Geburtstag.

Die entsprechenden Kredite sollen sich von anderen unterschieden haben.
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Im Fall um die Commerzialbank Mattersburg sollen der Bankenaufsicht bereits 2015 konkrete Hinweises auf dubiose Kredite vorgelegen sein. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins profil zufolge war die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) jedoch nicht in der Lage, den Sachverhalt bei einer Vor-Ort-Prüfung mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln aufzuklären.

Laut dem Medienbericht wurden Finanzmarktaufsicht und Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft im Juni 2015 darüber informiert, dass die Commerzialbank Mattersburg Kredite im Volumen von insgesamt 50 Millionen Euro führte, die nur vom nunmehrigen Ex-Vorstandschef Martin Pucher und von zwei weiteren Kollegen betreut wurden. Die entsprechenden Kredite sollen sich von anderen unterschieden haben. Einerseits soll im System entweder Vor- oder Nachnahme der Kunden in Großbuchstaben geschrieben worden sein, andererseits sollen die Kreditnummern nicht wie üblich mit der jeweiligen Filialkennung begonnen haben, sondern mit der Kombination 58.

Geschenkannahme : Burgenlands Landesrat Illedits tritt zurück

Der burgenländische Gesundheits- und Soziallandesrat Christian Illedits (SPÖ) hat am Samstag überraschend seinen Rücktritt bekannt gegeben. Illedits begründete den Schritt mit einer Geschenkannahme vor zwei Jahren. Der Landesrat war zuletzt in der Causa um die Commerzialbank Mattersburg von der ÖVP kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert worden.

"Heute muss ich mir aber eingestehen, dass mir ein persönlicher Fehler unterlaufen ist", der nach seinem Verständnis von Anstand der Politik "nach politischen Konsequenzen verlangt."

Der Fußballverein SV Mattersburg habe ihm als Aufsichtsratsvorsitzendem der Fußballakademie Burgenland zu seinem 60. Geburtstag vor zwei Jahren "ein persönliches Geschenk gemacht, das ich nicht annehmen hätte dürfen." Er habe ein 100-Gramm-Goldblatt mit einer Vereinswidmung im Wert von heute etwa 5.400 Euro erhalten und bei ihm zu Hause "als Souvenir und Erinnerungsstück abgelegt", erläuterte Illedits.

Er habe Freitagabend Landeshauptmann Hans Peter Doskotil (SPÖ) mitgeteilt, dass er seine Funktion als Landesrat und alle damit zusammenhängenden öffentlichen Funktionen zurücklege.

Wie das profil außerdem berichtete, war der Jahresabschluss der Commerzialbank zum 31. Dezember 2019 kurz vor der Fertigstellung, bevor die Malversationen aufgedeckt wurden. Ausgewählte Bankkunden sollen von Pucher im Juni eine sogenannte vorläufige Fassung der 2019er Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung erhalten haben.

Puchers Anwalt Norbert Wess zerstreute unterdessen im Kurier Gerüchte, dass der 64-jährige Ex-Bankchef aus gesundheitlichen Gründen vernehmungs- sowie im Fall einer Anklageerhebung auch verhandlungsunfähig sein könnte. "Herrn Pucher ist es jedenfalls ein Anliegen, dass sein - zugegebenermaßen: äußerst schlechter - Gesundheitszustand ihn in keiner Weise von seinen Verantwortlichkeiten exkulpiert, die er weiterhin vollinhaltlich übernimmt", wurde der Jurist zitiert. Ärztliche Gutachten in diesem Zusammenhang seien nicht geplant. (APA, TT.com)

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