Fast 100 Menschen in Indien an wohl vergiftetem Alkohol gestorben

Die gepanschten Getränke enthielten ersten Ermittlungen zufolge die Chemikalie Methanol. Die Polizei hat bei Razzien Hunderte Liter illegal gebrauten Alkohols beschlagnahmt und zahlreiche Menschen festgenommen.

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© PantherStock

Neu-Delhi/Amritsar – Die Zahl der Toten nach dem Genuss von vermutlich vergiftetem Alkohol ist im Norden Indiens binnen weniger Tage auf fast 100 gestiegen. Bis Sonntag seien 98 Tote gemeldet worden, teilte die Polizei im Bundesstaat Punjab mit. Die Opfer, hauptsächlich arme Bauern und Arbeiter in drei Bezirken von Punjab, hatten am Mittwoch den Alkohol getrunken.

Die gepanschten Getränke enthielten ersten Ermittlungen zufolge die Chemikalie Methanol, wie ein Polizeisprecher sagte. Die ersten Toten wurden am selben Tag gemeldet. Die Polizei beschlagnahmte daraufhin bei Razzien in verschiedenen Dörfern Hunderte Liter illegal gebrauten Alkohols und nahm zahlreiche Menschen fest.

Geschäft mit illegal gebrautem Alkohol floriert

In Indien floriert das Geschäft mit illegal gebrautem Alkohol, weil er deutlich günstiger ist als der kommerziell produzierte. Er enthält aber oft Methanol, das beispielsweise in Frostschutzmittel verwendet wird. Die Chemikalie kann Blindheit verursachen und zum Tode führen. Jährlich sterben im 1,3-Milliarden-Einwohner-Land laut Regierungsangaben rund tausend Menschen nach dem Genuss solchen Alkohols. Dieser jüngste Vorfall ist der bisher folgenschwerste in diesem Jahr.

Die meisten Toten gab es mit 75 im Bezirk Tarn Taran, wie die Polizei weiter mitteilte. In den Städten Amritsar und Batala starben bisher 23 Menschen. Mitglieder der Oppositionspartei Aam Aadmi hielten Proteste in verschiedenen Orten von Punjab ab und warfen der Regierung „Fahrlässigkeit" vor, die zum Tode der meist armen Menschen geführt habe. Die Regierung von Punjab setzte bisher einige Verbrauchssteuern aus und suspendierte sechs Polizisten vom Dienst. Zudem ordnete sie Ermittlungen an und kündigte an, die Hersteller hart zu bestrafen. (APA/dpa)


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