Motorrad-Kontrollen: Eine „spürbare Entlastung“ mit Vorbildcharakter

Die Motorrad-Lärmverordnung im Außerfern wirkt. Nur 89 von 5000 im Juni und Juli kontrollierten Maschinen waren zu laut. Die Bevölkerung freut’s.

Auch in Stanzach wird an der Abzweigung nach Namlos auf die Lärmbeschränkung von 95 Dezibel für Motorräder hingewiesen.
© ZOOM.TIROL

Reutte, Imst – Viel Lärm um nichts? Von wegen. Das Fahrverbot für besonders laute Motorräder wirkt. Seit zwei Monaten wird kontrolliert, von 5000 überprüften Maschinen überschritten nur 89 die festgelegte Obergrenze von 95 Dezibel. Während es die Bevölkerung freut, stimmen Kritiker einen Abgesang auf die Biker-Romantik in Tirol an. Und die Landespolitik denkt laut über eine Ausweitung der Regelung auch auf andere Strecken nach.

„Ich habe viele positive Rückmeldungen erhalten, die Maßnahme hat sich bewährt“, sagt Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe. „In der Bevölkerung wird eine spürbare Entlastung vernommen.“ Auch das Signal, das für eine geräuschärmere Nutzung von Straßen aus Tirol in Nachbarregionen und -länder gesandt worden sei, zeige Wirkung. „Die Industrie und die Hersteller fangen an zu verstehen, dass sie ihren Kunden lärmärmere Motorräder zur Verfügung stellen müssen.“ Und hierzulande? Blickten laut Felipe einige Gemeinden neidig auf das Außerfern. „Es gibt den Wunsch, das Verbot auch anderswo in Geltung zu setzen.“

Im Wipptal, dem Ötztal, in Walchsee oder am Achensee weckten die Erfolgsmeldungen aus dem Bezirk Reutte Begehrlichkeiten. „Heuer werden wir keine solche Maßnahme mehr erlassen“, meint die Landesrätin. Auch, weil Verbote gut argumentiert werden müssten, etwa anhand von Lärmstudien, damit die Verordnungen rechtlich auch halten. Allerdings könne sich Felipe vorstellen, das Außerferner Verbot auch in anderen Regionen anzuwenden.

Für die Exekutive wäre das kein Problem, sagt der Leiter der Verkehrspolizei, Markus Widmann. „Das lässt sich ganz einfach bei den planmäßigen Verkehrskontrollen mit überprüfen.“ Den Erfolg des Außerferner Verbots führt er zum einen darauf zurück, dass die Motorradfahrer, auch aus dem Ausland, sehr gut über die Maßnahme informiert gewesen seien. „Auch, weil das Medienecho so enorm war. Und zusätzlich tut die Strafe von 220 Euro schon weh.“

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Kai Uwe Bürskens aus Bach, Sprecher der IG Moto, der Interessengemeinschaft für Motorradfahrer, zeigt sich angesichts der geringen Zahl an Übertretungen nicht wirklich überrascht. „Es fährt sowieso niemand mehr. Die Zahl der Motorradfahrer, die noch hierherkommen, hat extrem abgenommen.“ Sogar bei schönstem Wetter würden die Bikes am Hahntennjoch fehlen. Der Hotelier versteht nicht, dass ein ganzer Wirtschaftszweig so niedergemacht werde, als ob er nichts wert wäre. Seine Aussage gelte für ganz Tirol, das viele Motorradfahrer inzwischen meiden würden.

Sein Quasi-Widerpart Reinhard Oberlohr aus Häselgehr, Sprecher der IG Xund’s Lechtl, möchte sich nicht festlegen, was eine Reduktion der Lärm­emissionen betrifft. „Das ist alles noch viel zu früh und nicht faktenbasiert. Einige erklären, es sei wirklich leiser geworden. Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, dass sich nichts getan hat.“ Das Wetter, Corona – es gebe viele zusätzliche Einflüsse. Der Lechtaler will mit einem klaren Statemen­t abwarten, bis offizielle Verkehrszählungen vorliegen.

„Es gab viel Kritik zu dieser Maßnahme“, resümiert Elmens Bürgermeister Heinrich Ginther. „Aber ich glaube, dass es keine schlechte war.“ Die Anwohner an den betroffenen Strecken hätten Ginther zufolge das Gefühl, dass es ruhiger geworden ist. „Es sind gefühlt deutlich weniger Motorräder unterwegs, und das bringt mit sich, dass es ruhiger ist“, sagt Ginther. Der Stanz­acher Ortschef Hanspeter Außer­hofer war „anfangs sehr pessimistisch, was die Verordnung anging. Aber ich denke, es geht nun ins Positive. Es ist nämlich extrem viel ruhiger geworden. Die Motorradfahrer sind außerdem viel entspannter unterwegs und genießen auch die Natur.“ (bfk, emf, hm)


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