Ermittlungen wegen Korruption: Ex-König Juan Carlos in Karibik ausgereist

Der von einem Korruptionsskandal und von Justizermittlungen bedrängte spanische Ex-König Juan Carlos hat sein Land nach Medienberichten schon vor der amtlichen Ankündigung seiner Auswanderung heimlich verlassen. Der 82 Jahre alte Vater von König Felipe VI. ist offenbar in der Dominikanischen Republik.

Der ehemalige spanische König Juan Carlos (Archivaufnahme, 2009).
© PIERRE-PHILIPPE MARCOU

Madrid – Der frühere spanische König Juan Carlos hat sich inmitten von Korruptionsermittlungen Medienberichten zufolge in die Dominikanische Republik zurückgezogen. Der 82-Jährige sei am Montagmorgen mit dem Auto nach Portugal gefahren und von dort in die Dominikanische Republik geflogen, berichtete die Zeitung La Vanguardia am Dienstag.

Dort wolle er einige Wochen bei einer Familie bleiben, die ihr Vermögen mit Zuckerrohr-Plantagen gemacht habe. Danach wolle er sich nach einem neuen Ziel umschauen.

Die Einwanderungsbehörde des Karibikstaates teilte am Dienstag hingegen mit, der 82-Jährige sei "nicht in das Staatsgebiet eingereist". Das Außenministerium der Dominikanischen Republik erklärte, es habe "keine Informationen", dass sich der Exkönig dort aufhalten könnte.

📽️ Video | Manola (ORF) über den Abgang des spanischen Ex-Königs

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Juan Carlos hatte nach dem Tod des Diktators Francisco Franco 1975 eine wichtige Rolle bei der Demokratisierung Spaniens gespielt und sich damit große Sympathien in der Bevölkerung erworben. Zuletzt machte er jedoch vor allem mit Affären von sich reden. 2014 dankte er zugunsten seines Sohnes Felipe ab. Der Druck auf Juan Carlos wuchs, seit Staatsanwälte in Spanien und der Schweiz gegen ihn wegen Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit einem Vertrag über den Bau einer Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke in Saudi-Arabien ermitteln.

Der Palast erklärte am Montag, Juan Carlos habe das Land verlassen, um seinem Sohn Felipe die ungestörte Arbeit zu ermöglichen. Mehrere Medien hatten spekuliert, der ehemalige König könnte sich im portugiesischen Ferienort Cascais aufhalten, wo er einen Teil seiner Kindheit verbracht hatte. (APA, Reuters)

Mitglieder der Familie, Rang in der Thronfolge.
© APA

Pressestimmen zum Exil des spanischen Ex-Königs

Zur Entscheidung von Spaniens Ex-König Juan Carlos, wegen einer Korruptionsaffäre das Land zu verlassen und ins Ausland zu ziehen, schreiben die Zeitung am Dienstag:

The Times (London):

"Der frühere König beugte sich öffentlicher Verärgerung indem er einwilligte, das Land zu verlassen, während ein grassierender Skandal um seine finanziellen Geschäfte seinen Sohn, König Felipe VI., mit in den Abgrund zu reißen droht. Mit seiner Zustimmung, im Ausland zu leben, tritt er in die Fußspuren seines Großvaters Alfons XIII., der nach seiner Abdankung 1931 ins Exil ging. Zugleich ist das ein Eingeständnis, dass die Monarchie so beschädigt ist, dass ihr langfristiges Überleben ungewiss ist. (...)

In solch unruhigen Zeiten kann eine konstitutionelle Monarchie eine Quelle der Stabilität und ein Brennpunkt der nationalen Einheit sein. Doch wie die britische Königin so oft gezeigt hat, beruht diese Stabilität nicht nur auf konstitutionellen Regelungen, sondern hängt auch vom Charakter der Person ab, die auf dem Thron sitzt. Das ist eine Lektion, die die spanische Monarchie auf eigene Gefahr hin vergisst."

El Mundo (Madrid):

"Machen wir uns nichts vor. Nicht einmal eine so dramatische Geste wie die von Juan Carlos wird den Kreuzzug jener stoppen, die die Abschaffung der Monarchie als Ziel haben. Das Schlimme ist, dass es darunter auch welche gibt, die im Kabinett sitzen. Und natürlich gehören dazu auch alle separatistischen Unterstützer der Regierung. (Der sozialistische Ministerpräsident) Pedro Sánchez hatte vom Königshaus überzeugende Gesten verlangt. Jetzt hat er sie. Er hat nun die Pflicht, mit dem Schutz der Krone zu beginnen."


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