voestalpine streicht in der Steiermark 500 bis 550 Arbeitsplätze

Betroffen sind etwa 250 Mitarbeiter in Kindberg und rund 250 bis 300 Arbeitnehmer in Kapfenberg.

Die voestalpine in Linz.
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voestalpine-Konzernchef Herbert Eibensteiner
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Wien, Linz – Der Stahl- und Technologiekonzern voestalpine will noch heuer Hunderte Jobs an den beiden steirischen Produktionsstandorten Kindberg und Kapfenberg einsparen. "Wir sind gerade dabei, in der Steiermark einen Sozialplan für rund 500 bis 550 Mitarbeiter auszuverhandeln", sagte Konzernchef Herbert Eibensteiner am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Betroffen sind etwa 250 Mitarbeiter in Kindberg und rund 250 bis 300 Arbeitnehmer in Kapfenberg.

Dort werden sich das Unternehme uns nachhaltig anpassen müssen, meinte Eibensteiner mit Blick auf die schwächelnde Nachfrage aus der Öl- und Gasindustrie und aus der Luftfahrtindustrie infolge der gedämpften Weltkonjunktur.

"Wir gehen davon aus, dass der Sozialplan ab September, Oktober zur Anwendung kommen wird.
Konzernchef Herbert Eibensteiner

Die voestalpine beschäftigt insgesamt 9100 Mitarbeiter in der Steiermark. Bei der voestalpine Tubulars in Kindberg waren es zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres (31. März 2020) den Angaben zufolge rund 1100 Arbeitnehmer, bei voestalpine Böhler Aerospace in Kapfenberg knapp 800.

Das neue Edelstahlwerk, das die voestalpine gerade in Kapfenberg um rund 350 Millionen Euro baut, soll aber trotz allem mit nur wenigen Wochen coronabedingter Verzögerung im kommenden Jahr in Betrieb gehen, mit einer jährlichen Produktionskapazität von bis zu 205.000 Tonnen Spezialstahl. "Wir gehen davon aus, dass wir dort im nächsten Jahr hochfahren werden", so der voestalpine-Chef. In Summe fließen in den Standort im steirischen Mürztal Investitionen in Höhe von rund 500 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Personalstand seit Jahresanfang um 7,3 Prozent verkleinert

Zusätzlich zu dem aktuellen Einschnitt in die Belegschaft in der Steiermark nimmt die Voest auch im deutschen Wetzlar einen deutlichen Personalabbau vor. "Bei Buderus werden gerade 230 Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft überstellt - das ist der Sozialplan, den ich im Jänner vorgestellt habe", berichtete Eibensteiner. Noch mehr als die genannten bis zu 780 Jobs sollen heuer nicht wegfallen - diese seien "unsere Zahlen, die wir bis Jahresende planen".

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 verkleinerte sich der Personalstand der Voest gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bereits um 7,3 Prozent auf weltweit 47.894 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente), "entsprechend der geringeren Produktionsauslastung", wie es heute hieß.

"Wir haben natürlich auch auf die Produktionskürzung reagiert und Hochöfen in Linz und Donawitz herausgenommen", erklärte der Konzernchef. Die Auslastung in Linz liege derzeit bei rund 75 Prozent. "Aufgrund der Buchungen im Juni sind wir ein bisschen optimistisch gestimmt und wenn wir über 80 Prozent kommen, werden wir den Hochofen wieder in Betrieb nehmen - es gibt noch keinen Termin und wir können die jetzigen Bedarfe abdecken", so Eibensteiner.

13.000 Arbeitnehmer in Kurzarbeit

Auch auf die Möglichkeit der Kurzarbeit griff die voestalpine bereits in großem Umfang zurück. Heuer im Juni seien in Österreich rund 10.400 und in Deutschland rund 2.600 Arbeitnehmer des Konzerns in Kurzarbeit gewesen. Hinzu kamen international weitere 2300 Mitarbeiter in kurzarbeitsähnlichen Modellen - so etwa in Großbritannien, Rumänien, Belgien, Frankreich und den USA.

"Wir gehen davon aus, dass wir die Kurzarbeit in Österreich bei einer weiteren Verbesserung nicht voll ausschöpfen werden", sagte der CEO mit Blick auf die dritte Periode, die hierzulande ab dem September möglich wäre. Im Mai sei die Arbeitsleistung bei rund 60 Prozent gelegen, also bei rund 40 Prozent weniger Arbeit. "Das ist im Juni etwas besser geworden", berichtete der Konzernchef.

"Wir gehen davon aus, dass wir mit dem Lockdown im April den Tiefpunkt gesehen haben", betonte Eibensteiner. "Und das bedeutet natürlich auch, dass wir im zweiten Halbjahr mit einer Verbesserung rechnen - die Frage ist, wie stark ist diese Verbesserung."

Ob die voestalpine im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 aus der Verlustzone kommt ist äußerst fraglich. 2019/20 hatte der Konzern erstmals seit Jahrzehnten unter dem Strich einen Verlust von 216 Millionen Euro erlitten - nach einem Gewinn von 459 Millionen Euro im Jahr davor.

Bestätigt wurde am Mittwoch, die Zielvorgabe für das gesamte Geschäftsjahr 2020/21, zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ein deutlich positives Ergebnis (EBITDA) zwischen 600 Millionen und eine Milliarde Euro zu erwirtschaften. Im ersten Quartal erreichte das EBITDA mit 158 Millionen Euro nicht einmal die Hälfte des Vorjahreswertes. (APA)


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