Mattersburg in Konkurs und gibt Lizenz zurück, WSG bleibt erstklassig

Der SV Mattersburg gibt die Lizenz ab und meldet Insolvenz an. Damit ist der Weg frei für einen Verbleib der WSG Tirol in der Bundesliga. Mattersburg war ins Strudeln gekommen, nachdem der Hauptsponsor Commerzialbank Mattersburg Pleite anmelden musste.

Das Logo des SVM am Pappelstadion, dem Heimspielort des SV Mattersburg.
© ROLAND SCHLAGER

Mattersburg – Der SV Mattersburg verschwindet nach dem Bilanzskandal um die Commerzialbank Mattersburg von der Bildfläche. Wie der Fußball-Bundesligist am Mittwochabend nach seiner Mitgliederversammlung bekannt gab, wird ein Konkursantrag gestellt. Die Bundesliga-Lizenz gab der SVM freiwillig zurück. Die auf sportlichem Weg abgestiegene WSG Tirol bleibt damit weiter im Oberhaus.

"Der SV Mattersburg ist seit 14. Juli zahlungsunfähig, seit das mit der Bank passiert ist. Es hat Gespräche mit Investoren, Gönnern gegeben. Aber aufgrund der großen Unsicherheit dieses Kriminalfalls, man weiß nicht, was der Masseverwalter der Bank fordert, - wie will man die bedienen? Da springt jeder Investor ab", sagte Vizepräsident Hans-Georg Deischler nach der Entscheidung gegenüber Journalisten.

Der SV Mattersburg kam durch den Bilanzskandal um die Commerzialbank Mattersburg in wirtschaftliche Nöte. Der Verein war von der Bank jahrelang großzügig unterstützt worden. Deren Gründer und Vorstand Martin Pucher hat laut Medienberichten vor der Staatsanwaltschaft gestanden, Kredite erfunden und Bilanzen gefälscht zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Pucher war auch langjähriger Clubchef des SV Mattersburg, den er 1988 übernommen und von der 2. Liga Mitte in die Bundesliga geführt hatte.

Rettungsversuche schlussendlich vergeblich

Deischler versuchte mit den nach dem Rückzug von Pucher und weiteren Cluborganen übrig geblieben Funktionären, den Verein noch zu retten. Vergeblich. Zu unsicher waren die Verstrickungen des Clubs in den Bankenskandal. "Um uns auch selbst zu schützen haben wir den Konkursantrag gestellt", sagte der Langzeitfunktionär. Der Antrag werde demnächst eingebracht, der Konkurs dann über einen Masseverwalter abgewickelt.

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Die übrig gebliebenen Spieler können den Verein ablösefrei verlassen. Sie haben laut Berichten seit zwei Monaten keine Gehälter mehr ausgezahlt bekommen. Die Nachwuchsakademie Mattersburg soll vom Land unterstützt werden und somit erhalten bleiben. Auf die Anteile des SV Mattersburg, die bei 35 Prozent liegen, werde sich der Masseverwalter "draufhauen", wie Deischler anmerkte.

Nachfolgeverein nicht geplant, Lösung für Nachwuchs gesucht

Ein Nachfolgeverein ist derzeit nicht in Planung. Die Stadtgemeinde Mattersburg regte im Zuge der Sitzung an, dass sie den Nachwuchsbereich retten will. Es könnte ein Verein für die Jugendspieler gegründet werden. "Alles andere sind Zukunftsträume", so Deischler. Das Pappelstadion gehört der Stadt.

Schon vor der Mitgliederversammlung sah die Zukunft der Mattersburger düster aus. Laut einem der "Kronen-Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) vorliegenden Schreiben der Bundesliga an den Club sah sich der Aufsichtsrat der Liga "veranlasst, die Einleitung einen Verbandsausschlussverfahrens zu prüfen". Es bestehe der Verdacht, dass der Verein erheblich von strafrechtlich relevanten Vorgängen profitiert habe, hieß es in dem Schreiben.

Deischler bestätigte dies. "Bei der Sitzung (am Donnerstag, Anm.) stand der Ausschluss im Raum, dann verliert man automatisch die Lizenz", sagte er. In einem weiteren Schreiben des Lizenzausschusses der Liga habe dieser indes gefordert, die Lizenz für die kommende Saison komplett neu zu machen. Darin sollten auch Berechnungen angestellt werden, wie viele Forderungen durch die Liquidation der Commerzialbank für den SVM entstehen könnten. "Damit sind wir überfordert, das ist unerfüllbar", erklärte Deischler dazu.

Liga freut sich über Klarheit, WSG bleibt erstklassig

Vonseiten der Liga gab man sich zufrieden, dass nun Klarheit herrscht. "Sodass der Sport und vor allem die Vorbereitung für die Saison 2020/21 in den Mittelpunkt rücken können", sagte der Vorstandsvorsitzende Christian Ebenbauer. Die Bundesliga bestätigte, dass die WSG Tirol durch Mattersburgs Rückzug auch in der kommenden Saison erstklassig spielen wird. Um in der 2. Liga den vakanten 16. Teilnehmer stellen zu können, werde beim ÖFB-Präsidium der Aufstieg der Rapid Amateure beantragt, hieß es weiter. Die zweite Mannschaft der Wiener war der einzige Interessent.

Aus Tirol meldete sich WSG-Sportdirektor Stefan Köck zu Wort. "Es gehören zu dieser Bundesliga-Geschichte zwei Faktoren, der sportliche und der wirtschaftliche. Wir haben wirtschaftlich sehr ordentlich gearbeitet, Mattersburg anscheinend nicht. Deshalb nützen wir und freuen uns auf die zweite Chance", sagte Köck im ORF-Interview. (APA)

Überblick über Insolvenzen und ihre Folgen in der Bundesliga

Der SV Mattersburg ist nicht der erste Club, der sich wegen finanzieller Turbulenzen aus der Fußball-Bundesliga verabschieden muss. Auch Ex-Meister wie FC Tirol und GAK waren bereits betroffen. Nicht alle Konkursverfahren endeten mit einem Lizenzentzug. Ein Überblick über die wichtigsten Insolvenzen von Clubs der höchsten österreichischen Spielklasse seit Bundesliga-Gründung 1974 und deren Folgen:

Union Wels: Die Oberösterreicher mussten Konkurs anmelden und zogen sich noch während der Saison 1983/84 aus der damals mit 16 Vereinen gespielten höchsten Spielklasse zurück.

Kremser SC: Eröffnung eines Ausgleichsverfahrens im Juli 1990. Eine 40-prozentige Quote wurde zwischenzeitlich bezahlt. Der Club hielt sich daraufhin bis 1992 in der Bundesliga, ging nach einer Talfahrt in die Landesliga aber 1996 in Konkurs.

Wiener Sport-Club: Während der Saison 1993/94 wurde ein Ausgleichsverfahren mit 40-Prozent-Quote eröffnet. Der Traditionsclub stieg als Tabellenletzter ab und ging in der zweithöchsten Liga für eine Saison eine Spielgemeinschaft mit dem SV Gerasdorf ein. 1997 folgte für den Sport-Club ein weiterer Konkurs.

SK Rapid Wien: Der Spitzenclub stellte nach einem verunglückten Börsengang im April 1994 einen Antrag auf Ausgleich mit 40-prozentiger Quote, der zwei Monate später angenommen wurde. Abgewickelt wurde der Ausgleich bis Juni 1996 mithilfe einer Bankgarantie der Bank Austria. 1996 wurde Rapid Meister und stand im Finale des Europacups der Cupsieger.

Linzer ASK: Über den Linzern schwebte 1995 das Konkurs-Gespenst. Nach Verfahrenseröffnung im März einigte sich der Club im Mai mit seinen Gläubigern auf eine 20-Prozent-Quote. Nach Rang sechs folgten 1996 die offizielle Umbenennung in LASK Linz und 1997 eine Fusion mit dem Stadtrivalen FC Linz.

Vorwärts Steyr: Der Aufsteiger hatte die Bundesliga-Lizenz für 1998/99 erst nach einem Vergleich vor dem Schiedsgericht unter Auflagen erhalten. Es folgte nach weiteren finanziellen Problemen der sofortige Wiederabstieg und im Jahr darauf in der zweithöchsten Spielklasse der Lizenzentzug. Im Jänner 2000 wurde der Spielbetrieb eingestellt.

FC Tirol Innsbruck: Dem regierenden Meister wurde im Sommer 2002 wegen grober finanzieller Verfehlungen die Spielgenehmigung für die folgende Saison entzogen. Der Club wurde aufgelöst und unter dem alten Namen Wacker Innsbruck neu gegründet. Als Spielgemeinschaft mit der WSG Wattens startete man vorerst in der Regionalliga.

SW Bregenz: Die Bundesliga verwehrte dem Absteiger der Saison 2004/05 die Lizenz für die zweithöchste Spielklasse. Die Vorarlberger stellten im Juni 2005 einen Konkursantrag. Der Club wurde aufgelöst und einen Monat später als SC Bregenz neu gegründet.

SK Sturm Graz: Die Finanzprokuratur stellte im Herbst 2006 einen Konkursantrag. Ein 20-prozentiger Zwangsausgleich wurde im Jänner 2007 angenommen. Sturm wurden wegen verschiedener Verstöße gegen die Lizenzbestimmungen insgesamt 13 Punkte abgezogen (drei bereits zu Saisonstart), der Club hielt als Liga-Siebenter dennoch die Klasse.

GAK: Den Stadtrivalen traf es im selben Jahr noch härter. Nach Konkursanträgen wurden dem GAK im März 2007 insgesamt 28 Punkte abgezogen. Eine einstweilige Verfügung gegen den Abzug hatte nur drei Wochen Bestand, der Meister von 2004 musste absteigen und erhielt auch für die zweithöchste Spielklasse keine Lizenz. Am Ende waren es vier Insolvenzen in fünf Jahren, ehe der Spielbetrieb im Oktober 2012 auch in der Regionalliga eingestellt und der Club 2013 in der untersten steirischen Liga als GAC neu gegründet wurde.

SK Austria Kärnten: Der mit Unterstützung des damaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider 2007 von Pasching nach Klagenfurt geholte Bundesliga-Club erhielt nach dem Abstieg 2010 keine Lizenz für die beiden höchsten Spielklassen. Der Verein ging in Konkurs und wurde aufgelöst.

SV Mattersburg: Durch Bekanntwerden eines Bilanzskandals bei der Commerzialbank Mattersburg verliert der SV Mattersburg nicht nur seinen Langzeitpräsidenten Martin Pucher, sondern muss am 5. August auch einen Konkursantrag stellen. Die Bundesliga-Lizenz wird vom Verein zurückgegeben. Die auf sportlichem Weg abgestiegene WSG Tirol bleibt damit weiter im Oberhaus.


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