Milliardenverluste bei Lufthansa, 99 Millionen Euro Minus bei AUA

Die Lufthansa verschärft angesichts stockender Verhandlungen mit den Gewerkschaften in der Corona-Krise ihre Gangart beim Abbau tausender Arbeitsplätze.

Der Konzern will seine Kosten bis zum Jahr 2023 um 15 Prozent senken.
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Frankfurt – Der Zusammenbruch des Flugverkehrs in der Corona-Krise hat der AUA-Mutter Lufthansa im zweiten Quartal einen weiteren Milliardenverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von rund 1,5 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 226 Millionen ein Jahr zuvor, wie der inzwischen vom Staat gestützte Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

Der operative Verlust (bereinigtes Ebit) lag mit knapp 1,7 Milliarden Euro noch höher. Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankte das Unternehmen einem Rekordergebnis seiner Frachttochter Lufthansa Cargo, die von der stark gestiegenen Nachfrage nach Frachtflügen profitierte. Bei nur noch vier Prozent der Fluggäste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum brach der Umsatz um 80 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro ein.

📽| Video: AUA verzeichnet Verlust von 99 Millionen Euro

Betriebsbedingte Kündigungen nicht zu vermeiden

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erwartet, dass der Flugverkehr frühestens im Jahr 2024 wieder das Niveau aus der Zeit vor der Krise erreicht. Der Konzern will deshalb seine Kosten bis zum Jahr 2023 um 15 Prozent senken, die Flotte um mindestens 100 Flugzeuge verkleinern und 22.000 Vollzeitstellen abbauen. Bis Ende Juni hat die Lufthansa die Zahl ihrer Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr bereits um knapp 8300 gesenkt.

AUA - Staatshilfe soll in den nächsten Wochen fließen

➤ Die Staatshilfe für die Austrian Airlines (AUA) soll in den nächsten Wochen fließen, sagte AUA-Finanzchef Wolfgang Jani am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Ausständig sei noch das Okay des deutschen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF). Es geht um 450 Mio. Euro, davon sind 300 Mio. Euro ein staatlich garantierter Kredit und 150 Mio. Euro ein Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss.

➤ Die 150 Millionen Euro des Eigentümers Lufthansa des in Summe 600 Mio. Euro schweren AUA-Rettungspakets sind, wie Jani sagte, im Juli geflossen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte am Donnerstag in Frankfurt, die Lufthansa habe informelle Signale, dass der WSF den Staatshilfen von Österreich, der Schweiz und Belgien für AUA, Swiss und Brussels Airlines zustimmen wird.

➤ Als schweren Schlag bezeichnete Hoensbroech die Landeverbote für 31 Länder im Juli. 38.000 Passagiere, davon zwei Drittel Umsteiger, seien betroffen gewesen. Diese seien Gott sei Dank ausgelaufen, hätten die Passagiere aber wieder sehr verunsichert.

➤ Kritik übte der AUA-Chef an den kaum zu durchschauenden Reiseregeln. Allein in Österreich gebe es zu Coronatest-Vorlage, Heimquarantäne und Einreiserlaubnis unterschiedliche Regelungen für Umsteiger, Drittstaatenangehörige und Staatsbürger sowie etliche Ausnahmen. "Dazu kommen noch die wechselnden Regeln der 60 Ziele, die wir anfliegen", so Hoensbroech.

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Tarifverhandlungen im Zeichen von Corona

➤ Lufthansa verhandelt derzeit mit den Piloten über Personaleinsparungen. Unmittelbar vor Präsentation der Halbjahreszahlen am heutigen Donnerstag gab es aber keine belastbaren Vereinbarungen mit den einzelnen Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC), UFO und Verdi vorzuweisen.

➤ Der Konzern mit weltweit rund 138.000 Beschäftigten hat nach dem Corona-Einbruch seinen weltweiten Personalüberhang auf rund 22.000 Vollzeitstellen beziffert, von denen rund 11.000 auf Deutschland entfallen.

➤ Am Donnerstag legt Lufthansa Zahlen für das zweite Quartal 2020 vor, in dem kaum Flugverkehr stattgefunden hat. Der Konzern rechnet mittelfristig mit einer um 100 Jets verkleinerten Flotte. Neben dem bereits eingeleiteten Verkauf der Catering-Sparte LSG Sky Chefs gilt ein Verkauf der Wartungstochter Lufthansa Technik als zentrales Mittel, um die milliardenschwere Staatshilfe möglichst schnell wieder zurückzuzahlen.

➤ Für die Flugbegleiter hatte deren Gewerkschaft UFO zwar Eckpunkte einer Spar-Vereinbarung unterschrieben, deren Volumen rund 2600 Stellen entsprechen solle. Inzwischen verlangt die Gewerkschaft aber Nachverhandlungen, weil das Unternehmen noch keine Konzepte zur Arbeitszeitverkürzung und Abfindungen vorgelegt habe.

➤ Bei den rund 35.000 Beschäftigten des Lufthansa-Bodenpersonals hatte Verdi einen verlässlichen Kündigungsschutz als Gegenleistung für die Einsparungen verlangt. Auch hier gab es am Mittwoch noch keine Einigung.

Die Lufthansa verschärft angesichts stockender Verhandlungen mit den Gewerkschaften in der Corona-Krise ihre Gangart beim Abbau tausender Arbeitsplätze. Der Plan, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, sei angesichts der Entwicklungen im weltweiten Luftverkehr und der Verhandlungen mit den Gewerkschaften auch für Deutschland nicht mehr realistisch, teilte der inzwischen teilverstaatlichte Konzern bei der Vorlage seiner Quartalsbilanz am Donnerstag in Frankfurt mit.

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Auch Swiss mit enormen Verlusten

➤ Die Coronavirus-Pandemie hat auch die AUA-Schwester Swiss im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerissen. Operativ flog die Schweizer Lufthansa-Tochter einen Verlust von 266,4 Mio. Franken (247,4 Mio. Euro) ein, nach einem Gewinn von 245,3 Millionen im Vorjahreszeitraum.

➤ Der Umsatz stürzte um rund 55 Prozent auf 1,17 Mrd. Franken ab, wie die Swiss am Donnerstag bekannt gab. Wegen der Pandemie standen zeitweise 95 Prozent der Flugzeuge am Boden.

➤ In der Schweiz hat der Bund für die Swiss und ihre Schwestergesellschaft Edelweiss eine Garantie von 1,275 Mrd. Franken beschlossen. Damit können sich die beiden Airlines Kredite bei den Banken in Höhe von 1,5 Mrd. Franken besorgen.

"Wir erleben eine Zäsur des globalen Luftverkehrs", sagte Vorstandschef Carsten Spohr. "Vor 2024 rechnen wir nicht mehr mit einer anhaltenden Rückkehr der Nachfrage auf das Vorkrisenniveau." Vor allem auf den Langstreckenverbindungen werde es keine schnelle Erholung geben. (APA, TT.com)

📽| Video: Pressekonferenz der Austrian Airlines: Halbjahresergebnis (46 Min.)


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