Nur gut 20 Stunden: Schnellste Frau am Berliner Höhenweg

Die Zillertalerin Stephanie Kröll knackte die Bestzeit der Athletin Kristin Berglund und bewältigte die Strecke in gut 20 Stunden.

Stephanie Kröll hat alles gegeben und am Berliner Höhenweg einen neuen Rekord aufgestellt.
© Kröll

Von Eva-Maria Fankhauser

Mayrhofen – So richtig glauben kann sie es noch immer nicht. Insgesamt 90 Kilometer und rund 7000 Höhenmeter in unter 24 Stunden – das war das Ziel. Ein Ziel, das die 30-Jährige am legendären Berliner Höhenweg im Zillertal in neuer Rekordzeit erreicht hat.

„Mit so einer Zeit hat glaube ich keiner gerechnet, nicht einmal ich selbst“, sagt die Zillertalerin im TT-Gespräch. Während der normale Wanderer etwa sieben Tage für diese Strecke benötigt, hat Kröll den gesamten Berliner Höhenweg in 20 Stunden und 18 Minuten geschafft. „Ich bin einfach gelaufen, so gut es ging. Was dabei am Ende rausschaut, ist für mich sensationell“, sagt Kröll überglücklich.

Vergangenen Freitag um 22 Uhr startete Kröll beim Europahaus in Mayrhofen. Hitze, Dunkelheit und ein schmaler Weg in steilem Gelände machten es ihr am Anfang nicht gerade leicht. Über die Gamshütte zum Friesenberghaus und weiter zur Olpererhütte, bis sie beim Schlegeisspeicher zum ersten Mal ihre Schuhe wechselte. „Und mein Papa hat dort mit einer Suppe auf mich gewartet“, erzählt Kröll. Die Unterstützung ihrer Familie, Freunde und des Laufteams Mountainshop Hörhager waren für die Sportlerin Gold wert. „Sie haben mich motiviert, wenn ich das Gefühl hatte, nicht mehr weiterzukommen, das hat mich richtig angespornt“, sagt Kröll.

Höhen und Tiefen habe es auf der Strecke viele gegeben. „Nach dem wunderschönen Sonnenaufgang am Schönbichler Horn lief es richtig gut beim Abstieg“, erzählt sie. Doch nach 64 Kilometern, nicht mehr weit von der Kasslerhütte, stand das Projekt kurzzeitig vor dem Aus. „Ich habe gedacht, ich kann nicht mehr“, sagt Kröll. Sie sei auf die Knie gegangen und wollte abbrechen. Aber ihre Begleiter – die sich etappenweise abwechselten – spornten sie an. Mit einer Abkühlung im Gebirgsbach kehrte die Kraft zurück – und sie lief weiter. „Das ist schon viel Kopfsache. Ich bin willensstark und ehrgeizig und habe mich wieder hochgerungen“, erzählt die Sportlerin.

Auf der Kasseler Hütte gönnte sie sich eine „längere“ Pause. In 45 Minuten füllte sie ihre Batterien nicht nur mit vielen Kohlehydraten auf, sondern auch mit Motivation. „Danach ging es wieder richtig gut.“ Im Ziel angekommen, konnte sie ihre Gefühle nicht mehr in Worte fassen. „Ich war einfach fix und fertig“, sagt Kröll.

Erst vor wenigen Wochen schaffte es die Weltklasse-Athletin Kristin Berglund als erste Frau, den Berliner Höhenweg unter 24 Stunden zu laufen. Sie lag nur wenige Minuten darunter. Dass Kröll diese Zeit so deutlich unterbieten konnte, lässt sie noch immer ungläubig den Kopf schütteln: „Ich kann es noch immer nicht recht realisieren, dass ich das geschafft habe.“


Kommentieren


Schlagworte