„Freitag ist Ampeltag“: Kommission soll "Wellenbrecher" entwerfen

Gesundheitsminister Rudolf Anschober will die Entscheidungen der Corona-Kommission auf einer Webseite veröffentlichen. Und er geht derzeit von einem normalen Schulbetrieb – also ohne Maskenpflicht – aus.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei der Pressekonferenz "Start des Probelaufs der Corona-Kommission".
© HERBERT PFARRHOFER

Wien – Wann sollte die Farbe der Corona-Ampel geändert werden, warum und was passiert bei Grün, Gelb, Orange und schließlich bei Rot? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Corona-Kommission, die nun ihre Arbeit aufgenommen hat – der interne Testbetrieb läuft. Auf regionale Covid-19-Ausbrüche soll damit präziser reagiert werden können – zudem sollen bundesweit einheitliche Regeln gelten. Die Kommission macht Vorschläge, die Letzt­entscheidung, welche Farbe nun tatsächlich gilt, trifft aber die Politik – entweder auf Bundes-, auf Landes- oder auf Bezirksebene.

Die Ampel sei ein „zentrales Steuerungselement“, erläuterte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Anfang September – also noch vor Schulbeginn – soll der Regelbetrieb starten. Mit dem Herbst beginne die Phase vier im Kampf gegen die Pandemie – diese Phase dürfte dauern, bis es einen Corona-Impfstoff gibt, so Anschober.

📽️ Video | Kommission für Corona-Ampel startet Arbeit

Nach dem Sommer werde es mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Fälle geben und das Risiko einer Infektion größer sein, weil „wir uns mehr indoor aufhalten“, sagte der Minister. Deshalb will er das Risikobewusstsein wieder herstellen, „wie es im Frühjahr war“. Denn „einige sind müde geworden“ – das verstehe er, doch „die Sache ist nicht erledigt“, sagte Anschober.

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„Wir wollen mit aller Kraft eine zweite Welle vermeiden.“ Die Corona-Kommission sei nicht der „Wellenbrecher, aber der Ort, wo die Wellenbrecher entworfen werden“. In den Bildungseinrichtungen sei das Ziel der „normale Betrieb ab September“. Normalbetrieb heiße „keine Masken“. Bei einer Verschärfung der Situation zu Gelb, Orange oder Rot könne es aber auch Einschränkungen im Bildungsbereich geben. Das Gleiche gelte für Veranstaltungen in Kultur und Sport.

Die Empfehlungen der Kommission will Anschober auf einer Webseite veröffentlichen. Die Experten sollen mindestens einmal in der Woche zusammenkommen – „in der Anfangsphase sicher öfter“. Vor dem Wochenende soll die Öffentlichkeit über die Veränderung der Ampel bzw. die Maßnahmen informiert werden. „Freitag ist Ampeltag“, kündigte Anschober an.

Die neue Sprecherin der Corona-Kommission Daniela Schmid – sie ist Epidemiologin bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) – erklärte gestern die vier Leitlinien für die Corona-Ampel. Die Epidemie breite sich nicht gleichmäßig aus, es gebe so genannte Superspreading-Events, erklärte Schmid.

Als Beispiel könnte hier der Cluster in St. Wolfgang dienen, wo sich laut AGES Hotel-Praktikanten in Nachtlokalen angesteckt haben dürften und schließlich Dutzende weitere infizierten. Aber auch eine private Promiparty in Villach könnte wohl als Superspreading-Event klassifiziert werden. Medienberichten zufolge befanden sich unter den Gästen Ärzte, Anwälte, Unternehmer, ehemalige Politiker und der amtierende Gesundheitsstadtrat Christian Pober (ÖVP). Alle 80 Personen befinden sich seit Mittwoch in Quarantäne, bisher wurden acht positiv auf das Coronavirus getestet. Weitere Testergebnisse sind noch ausständig.

Doch zurück zur Ampel und zu den vier Indikatoren der Kommission: Erster Punkt ist die Übertragbarkeit – hier werden die Fallzahlen der vergangenen sieben Tage und Clusteraktivitäten eruiert. Die Quellensuche würde sich aus der Clusteranalyse ergeben. Je mehr Infektionsfälle erklärbar seien, desto besser habe man die Epidemie im Griff, konstatierte die Expertin. Anschober kündigte hier mehr Personal im Gesundheitsbereich an. Im Schnitt werden demnach pro Bundesland 30 bis 40 Personen zusätzlich aktiv sein, um das Kontaktpersonenmanagement „schnell und professionell durchzuführen“. Weiters würden die Ressourcen im Gesundheitswesen analysiert. Dabei geht es etwa um die Frage, wie ausgelastet die Bettenkapazität in den Spitälern ist. Schließlich sei die Anzahl der Testungen ein Indikator.

Die Corona-Kommission besteht aus 19 stimmberechtigten Mitgliedern – darunter fünf Vertreter des Bundes, fünf Fachexperten aus Public Health

Epidemiologie, Virologie, den medizinisch-klinischen Bereich sowie von AGES und Gesundheit Österreich (GÖG) sowie je einer aus den neun Bundesländern, die von den jeweiligen Landeshauptleuten bestellt worden sind. Leiter der Kommission sind Ulrich Herzog und Clemens Auer vom Gesundheitsministerium, die Sprecherin Schmid.

Die genauen Leitlinien und Maßnahmen für die jeweiligen Ampelfarben sind noch in Ausarbeitung. Ziel sei jedenfalls, nicht in die rote Farbe wechseln zu müssen und Orange auch selten zu benötigen, erläuterte Herwig Ostermann von GÖG. Bei Grün ist weiterhin Achtsamkeit geboten – es handle sich dann um die „neue Normalität“, erklärte der Tiroler. „Wir arbeiten in Echtzeit“, betonte er, das helfe, „dass wir Fälle gut auflösen können“. Nur bei den Tests wünscht sich Ostermann einen „noch zeitnaheren Anschluss“. (sas)

Noch keine konkreten Ampel-Vorgaben für Schulen

Für die Schulen gibt es noch keine konkreten Vorgaben zur Corona-Ampel – also etwa ab wann welche Maßnahmen wie etwa Maskenpflicht, Schichtbetrieb oder Ähnliches gesetzt werden sollen. Dies werde erst in den nächsten Wochen erarbeitet, hieß es bei einer Pressekonferenz von Gesundheitsminister Rudolf Anschober zur neuen Corona-Kommission am Freitag.

Unterstützt wird von Anschober der derzeitige Plan von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP). Dieser hat bereits mehrfach angekündigt, den Unterricht ab 7. September nach aktuellem Stand zunächst normal starten zu lassen.

➡️ Sehr konkrete Vorgaben hat dagegen etwa bereits Bayern mit einem Vier-Stufen-Plan beschlossen, wo der Unterricht fast zeitgleich wie in Ostösterreich am 8. September wieder startet. Dort gilt grundsätzlich eine Maskenpflicht in der Schule – ausgenommen am eigenen Sitzplatz. Das entspricht der Regelung in Österreich zwischen der Schulöffnung und der Aufhebung der Maskenpflicht am 3. Juni.

➡️ Stufe eins des Vier-Stufen-Plans tritt dann in Kraft, wenn es in einer Schule in einer Klasse vereinzelte Coronafälle gibt. Dann wird die gesamte Klasse für 14 Tage vom Präsenzunterricht ausgeschlossen (Stufe 1).

➡️ Ab Stufe 2 richten sich die Maßnahmen dann nicht mehr nur an einzelne Schulen: Ab 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in einem Landkreis bzw. einer kreisfreien Stadt innerhalb von sieben Tagen gilt dann eine Maskenpflicht auch am eigenen Sitzplatz oder alternativ ein Mindestabstand von 1,5 Metern (falls räumlich umsetzbar).

➡️ Stufe 3 wird gezündet, wenn innerhalb von sieben Tagen 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern im Landkreis bzw. in der kreisfreien Stadt registriert werden. Dann müssen jedenfalls die 1,5 Meter Mindestabstand eingehalten werden - wo dies nicht möglich ist, müssen die Klassen auf mehrere Räume aufgeteilt oder auf Schichtbetrieb umgestellt werden.

➡️ Stufe 4 greift dann ab 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen und bedeutet Home Schooling im betroffenen Landkreis bzw. der kreisfreien Stadt.


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