Ältester Uni-Absolvent Italiens: Giuseppe Paterno beendet Studium mit 96 Jahren

„Jetzt oder nie": Das denkt sich Giuseppe Paterno, als er 2017 sein Studium an der Universität in Palermo beginnt – mit über 90 Jahren. Er tippt seine Hausarbeiten auf der Schreibmaschine und freundet sich mit Videoschalten in Corona-Zeiten an. Nun hat er seinen Abschluss in der Tasche.

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Bei seiner Bachelorverleihung an der Uni erhielt der 96-Jährige freilich auch den in Italien traditionellen Lorbeerkranz.
© YouTube/Screenshot

Palermo – Dass es im Leben nie zu spät sein muss, sich seine Wünsche zu erfüllen, dafür ist Giuseppe Paterno ein rührendes Beispiel. Mit 96 Jahren hat der ehemalige Eisenbahner in Palermo seinen Bachelor-Abschluss in Geschichte und Philosophie abgelegt. Damit ist Paterno der älteste Universitäts-Absolvent Italiens.

Bei der feierlichen Abschlusszeremonie am 29. Juli bekam er von Rektor Fabrizio Micari persönlich sein Zeugnis überreich. Und natürlich auch den Lorbeerkranz, den italienische Uni-Absolventen traditionell am Tag ihrer Verabschiedung tragen.

Wissen ist sein „Schatz“

Familie, Dozenten und die zumeist 70 Jahre jüngeren Kommilitonen applaudierten Paterno herzlich. Das anschließende Medieninteresse an dem betagten Studenten war groß. Wie fühlt es sich an, mit 96 Jahren seinen Abschluss zu machen? „Ich bin ein normaler Mensch, wie viele andere“, erklärt Paterno. In Bezug auf sein Alter habe er zwar alle anderen übertroffen, aber das sei nicht der Grund für sein spätes Studium.

📽️ Video | Giuseppe Paterno im Porträt

Paterno wurde am 10. September 1923 in eine sizilianische Familie hineingeboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Als Kind besuchte er nur die Grundschule. Den Zweiten Weltkrieg erlebte er als Marinesoldat. Anschließend arbeitete er als Laufbursche, in einer Bierbrauerei und lernte Stefana Battaglia kennen. Sie heirateten und zogen zwei Kinder groß. Seit 2006 lebt seine Ehefrau nicht mehr.

Mit 31 Jahren erhielt Paterno sein Diplom als Vermessungstechniker und ließ sich bei der Bahn anstellen. Die Chance zu studieren hatte er zwar nie, aber der Wunsch nach Bildung blieb. „Wissen ist wie ein Koffer, den ich bei mir trage, es ist ein Schatz“, erklärt er.

Ließ sich von Corona nicht aus der Ruhe bringen

Mit Anfang 90 war ihm klar: „Jetzt oder nie“. 2017 schrieb er sich an der Uni seiner Heimatstadt Palermo ein. „Ich wusste, dass es etwas spät für ein dreijähriges Studium ist, aber ich habe mir gesagt: Mal sehen, ob ich es schaffe“, erinnert sich der 96-Jährige. Und er hat es geschafft – mit etwas anderen Mitteln, als es unter seinen Kommilitonen üblich ist: Seine Hausarbeiten tippte er auf einer Schreibmaschine, die ihm seine Mutter geschenkt hatte, als er 1984 in Pension ging. Und bei der Lektüre sind ihm gedruckte Bücher lieber als das Internet.

Seine Hausaufgaben erledigte der 96-Jährige an der Schreibmaschine.
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Dass die Seminare während des monatelangen Corona-Lockdowns per Videoschalte stattfanden, habe ihm ein wenig Unbehagen bereitet, gesteht Paterno. Von dem Virus aber ließ er sich nicht abschrecken. Immerhin habe er ja schon den Krieg und einiges mehr durchgemacht. „All das hat diejenigen, die noch leben, gestärkt“, meint Paterno dazu. Auch seine letzte mündliche Prüfung im Juni musste er digital ablegen. Das Ergebnis: ein Abschluss mit Auszeichnung.

Paterno denkt noch nicht ans Aufhören

Das feierte „Nonno Giuseppe“ mit Freunden und Familie. Und er denkt bereits darüber nach, wie es nach dem Studium weitergehen soll. Denn aufhören will der bald 97-Jährige auf keinen Fall. „Mein Projekt für die Zukunft ist es, mich dem Schreiben zu widmen“, erklärt Paterno und fügt hinzu: „Ich möchte alle Texte noch einmal durchgehen, mit denen ich mich nicht weiter beschäftigen konnte. Das ist mein Ziel.“ (TT.com)


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