Grausamen Mord in Wilten mit Handy gefilmt: „Der Tote sollte entehrt werden“

Im Mordfall von Wilten überrascht die Verteidigung mit einer Neubewertung des Tatgeschehens. So soll das Pärchen den Tod des Opfers vorschnell vermutet haben.

Symbolfoto
© zeitungsfoto.at

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Am 10. April letzten Jahres war mitten in Wilten ein Tötungsritual zu einer der wohl grausamsten Bluttaten, die sich in Tirol in den letzten Jahren ereignet hatten, geworden. So wird einem indischstämmigen Pärchen (22, 21) am 2. September vor dem Schwurgericht nicht nur wegen Mordes, sondern auch wegen Leichenschändung der Prozess gemacht. Der 22-jährige Gastronom hat sich zudem wegen Vergewaltigung eines weiblichen Partygastes zu verantworten.

Das Besondere des Tatgeschehens: Die Mitangeklagte hatte dem Freund nicht nur ein Messer gereicht, sondern die ganze Tat – erstmalig in Tirol – auch mit dem Handy mitgefilmt – erst beim Auspeitschen und der ­Strangulation mit einem Gürtel, später, wie dem Opfer die rechte Hand abgetrennt und in den Hals gestochen worden war.

Keine leichte Aufgabe für die Verteidigung: Der Wiener Strafverteidiger Rudolf Mayer („Schwarze Witwe“ Elfriede B., Fall Josef F., spanische Eislady) und der Innsbrucker Strafverteidiger Martin Pancheri wurden engagiert.

Gestern kam es wieder zu einem Treffen mit den Mandanten in der Justizanstalt und darauf zu einem Gespräch mit der TT. RA Pancheri: „Beide können die eigene Tat nicht fassen und sind erschüttert. Meiner Mandantin ist es zudem unmöglich, sich das Video anzusehen.“ RA Mayer: „Ich habe ihn gezwungen, sich das anzusehen, um seine Reaktion zu sehen. Ihm und jedem, der ihn kennt, ist die Tat unerklärlich.“

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Mayer sieht die Tat jedenfalls im geschilderten sexuellen Übergriff durch das Opfer (einst wegen mehrfacher Vergewaltigung zu fünf Jahren Haft verurteilt) auf die 21-Jährige und im Kulturkreis der Angeklagten begründet: „Durch die Schilderungen der Freundin entfesselte sich eine Spirale der Gewalt. Der Gürtel meines Mandanten wurde dabei Instrument der Bestrafung mit tödlichem Ausgang.“ Laut Verteidiger Pancheri hatte die 21-Jährige den Freund so noch nie erlebt und war derart in Angst, dass sie allen Anweisungen des Rasenden – bis hin zum Reichen des Messers – gefolgt war. „Dabei hatte meine Mandantin, gleichwie ihr Freund, aber schon geglaubt, dass das Opfer tot sei. Nach der Strangulation mit dem Gürtel war der Pakistani mit blau angelaufenem Gesicht völlig regungslos in einer Ecke gelegen.“

Damit würde auch der weitere Tatverlauf zusammenhängen. Mayer: „Danach sollte es zur Entehrung des vermeintlich Toten kommen. Das Paar wollte den Sexualtäter durch das Abschneiden der Hand nicht quälen, sondern entehren. Beide konnten nicht mehr davon ausgehen, dass er noch am Leben ist.“ So ist sich die 21-Jährige laut Pancheri keiner Schuld am Tod des Pakistani bewusst. Die Rage des Freunds habe zur Eskalation geführt.


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