Tirol-Cycling-Team-Boss Pupp kritisiert UCI: „Kein Respekt für U23-Fahrer“

Weil bislang alle U23-Rennen in dieser Saison abgesagt wurden, lässt Thomas Pupp Dampf ab. Sein Ärger richtet sich vor allem gegen den Weltverband.

Markus Wildauer bestreitet seine letzte Saison als U23-Fahrer, ist von der Coronakrise besonders betroffen.
© GEPA pictures/ Harald Steiner

Von Roman Stelzl

Innsbruck – Wenige Kilometer entfernt von Paris, im Herzen Frankreichs, hätte am Freitag der Startschuss für die Tour de l’Avenir, die größte U23-Radrundfahrt des Jahres, fallen sollen. Doch daraus wurde nichts – und nun heißt die Realität für das Tirol Cycling Team statt Auftaktsort Château-Thierry wieder Team-Standort Hauptbahnhof Innsbruck.

Ganz sauer stößt das Team-Manager Thomas Pupp auf. „Wie kann man so eine renommierte Rundfahrt absagen, und das nicht einmal zwei Wochen vorher? Ich ärgere mich sehr über die Absage und fast mehr noch darüber, dass sich nicht mehr ärgern“, erklärte der Chef des größten U23-Rennstalls Österreichs (Continental-­Lizenz). „Dies­e Rundfahrt muss möglich sein, vor allem wo es so eine enge Verbindung zur Tour de France gibt (bis vor wenigen Jahren selbst Veranstalter, Anm.). Da sehe ich keinen Respekt gegenüber dem Nachwuchs und speziell gegenüber der U23-Kategorie.“

Fehlende Vermarktung nicht das einzige Problem

Gerade in der Zeit des Corona­virus leide die Übergangsstufe zwischen Junioren und Erwachsenen, der sich das Tirol Team vor drei Jahren komplett verschrieben hat. „Es ist eine extrem schwierige Saison, heuer sieht es ganz schlecht aus für uns. Bis jetzt wurden ja alle U23-Rennen abgesagt“, ergänzte Pupp, dessen Tirol Team fünf der sechs Fahrer für die Tour de l’Avenir gestellt hätte.

Besonders betroffen von der Situation sind jene Fahrer, die ihr letztes Jahr als U23-Fahrer bestreiten. So wie Markus Wildauer: Der 22-jährige Schlitterer stand 2018 bereits vor dem Sprung zu einem französischen World-Tour-Team, es fehlte nur noch die Unterschrift. Nun gehen dem EM-Dritten von 2018 die Optionen zur Selbstwerbung aus, de facto stehen nur noch der „Baby“-Giro-d’Italia sowie EM und WM im Plan, auch wenn vor allem Letzteres wackelt.

Und fehlende Vermarktung ist nicht das einzige Problem. „Bei den großen Teams wissen einige nicht, wie es weitergeht“, sagt Pupp. „World-Tour-Team CCC muss wohl zusperren, da stehen dann 20 gute Radfahrer, die den Druck auf die Jungen erhöhen. Wieso soll ich einen Unerfahrenen nehmen, wenn ich einen mit so viel Erfahrung habe?“

Weltverband fördert Ungleichgewicht

Der Weltverband (UCI) fördere das Ungleichgewicht noch mehr, kritisiert Pupp. Riesentalente wie Remco Evenepoel (BEL) oder Egan Bernal (COL) würden das Bild verzerren und den Druck enorm erhöhen. „Viele Junge denken sich, sie sind weg, wenn sie mit 22 Jahren noch keine Ergebnisse haben. Aber das ist nicht so, wie man etwa aktuell bei Felix Großschartner sieht.“

Und genau aus diesem Grund wird das „Corona-Jahr 2020“ quasi gestrichen. Die Fahrer im letzten U23-Bereich werden auch kommendes Jahr beschäftigt, sofern sie nicht bei einem Profi-Team unterkommen. Mit dieser „U24-Initiative“ wandten sich viele Nationen an die UCI, „vergebens“, wie Pupp anmerkt. „Jetzt ist es unsere Aufgabe, den Jungen zu helfen. Und ihnen zu zeigen, dass ihr Traum vom Profi noch nicht zerstört ist.“


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