Historische Einigung: Israel und Emirate nehmen diplomatische Beziehungen auf

US-Präsident Trump feiert: Unter Vermittlung Amerikas nähern sich Israel und die Arabischen Emirate an. Israels Ministerpräsident Netanjahu legt dafür umstrittene Annexionspläne im Westjordanland auf Eis – was die Siedler in den besetzten Gebieten erzürnt.

(Symbolbild)
© AFP

Abu Dhabi, Washington, Tel Aviv – In einem historischen Schritt haben sich Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate überraschend auf eine Normalisierung ihrer Beziehungen verständigt. In einer von US-Präsident Donald Trump veröffentlichten Erklärung der drei Länder hieß es, dieser „diplomatische Durchbruch“ werde den Friedensprozess im Nahen Osten voranbringen. Im Gegenzug setzt Israel demnach seine Annexionspläne im besetzten Westjordanland aus. Trump zufolge wird die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen in den kommenden Wochen im Weißen Haus in Washington schriftlich fixiert.

📽️ Video | Israel und Emirate treten in diplomatische Beziehung

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb am Donnerstag auf Twitter von einem „historischen Tag“. Der Kronprinz von Abu Dhabi, Mohammed bin Said Al Nahjan, bestätigte die Verständigung. Nach Ansicht des Golfstaats soll das Abkommen einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt dienen.

Die Emirate sind ein enger Verbündeter der USA. Sie pflegten bisher offiziell keine diplomatischen Verbindungen zu Israel, knüpften Berichten zufolge aber heimlich Kontakte. Ein hochrangiger Diplomat der Emirate hatte zuletzt davor gewarnt, dass Israels geplante Annektierung besetzter Gebiete im Westjordanland die Chance mindern könne, dass sich die Beziehungen zwischen Israel und arabischen Staaten normalisieren. Aus dem arabischen Raum unterhält Israel bislang nur Beziehungen zu seinen Nachbarn Jordanien und Ägypten.

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📽️ Video | Tim Cupal (ORF) über die „historische Beziehung"

Der Mitteilung der drei Staaten zufolge wird Israel sich nach dem Aussetzen seiner Annexionspläne nun darauf konzentrieren, seine Beziehungen zur muslimischen Welt auszubauen. Delegationen aus Israel und den Emiraten werden sich demnach bereits in den kommenden Wochen treffen, um bilaterale Abkommen etwa in den Bereichen Tourismus, Sicherheit, Technologie, Energie und Gesundheit zu unterzeichnen.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi begrüßte die Annäherung via Twitter. Er schätze die Bemühungen der Beteiligten, die für Frieden sorgen und „Wohlstand und Stabilität“ in die Region bringen wollten.

Umstrittener „Friedensplan" Trumps

Israels Regierung hätte nach einer Koalitionsvereinbarung seit Juli mit ersten Annexionsschritten beginnen können, bislang ist das aber nicht geschehen. Als Grundlage für eine Annexion nimmt die Regierung einen vor Monaten vorgestellten „Friedensplan“ Trumps. Dieser sieht vor, dass Israel sich rund 30 Prozent des 1967 im Sechstagekrieg eroberten Westjordanlands einverleiben kann. Die restlichen 70 Prozent sollen Teil eines Palästinenserstaates werden, allerdings unter strengen Auflagen. Die Palästinenser lehnen den Plan ab. Auch international ist der Plan höchst umstritten. Die Regierung in Jerusalem rechtfertigte eine Annexion mit einer Mischung aus biblischen, historischen und sicherheitspolitischen Gründen.

Israel hatte bereits 2015 angekündigt, erstmals eine offizielle Vertretung in den Emiraten zu eröffnen. Statt einer Botschaft oder einem Konsulat wurde diese Vertretung aber bei der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) mit Sitz in der emiratischen Hauptstadt Abu Dhabi akkreditiert.

In israelischen Siedlerkreisen stieß die Aussetzung der Annexionspläne dagegen auf Kritik. Die Souveränitätsbewegung teilte mit: „Der Regierungschef driftet nach links ab, vielleicht wegen seiner juristischen Probleme.“ Netanjahu habe die israelische „Souveränität in Judäa und Samaria“ (Westjordanland) in ein Druckmittel bei Verhandlungen verwandelt. Er könne nun nicht mehr als Anführer der Rechten in Israel angesehen werden und müsse ausgewechselt werden.

Netanjahus Likud-Partei betonte, Netanjahu sei „der Souveräntität und dem Land Israel weiter verpflichtet“. Es gebe viele „Fake News“ im Zusammenhang mit der Vereinbarung. Erstmals in Israels Geschichte habe Netanjahu „Frieden im Gegenzug für Frieden“ gebracht.

Palästinenserführung kritisiert Einigung

Die palästinensische Politikerin Hanan Aschrawi kritisierte die Einigung ebenfalls. „Israel ist dafür belohnt worden, dass es nicht offen erklärt, was es seit Beginn der Besatzung ständig illegal tut.“ Die Emirate hätten ihre geheimen Beziehungen zu Israel jetzt nur offengelegt. „Bitte tut uns keine Gefallen – wir werden niemandem als Feigenblatt dienen!“ Auch die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas kritisierte die Einigung. Sie diene nicht den Rechten der Palästinenser und ermutige die israelische Besatzungsmacht.

Trump bezeichnete die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und den Emiraten als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Sicherheit, Wohlstand und Frieden im Nahen Osten. „Jetzt, wo das Eis gebrochen ist“, hoffe er, dass weitere arabische und mehrheitlich muslimische Staaten bald dem Beispiel der Emirate folgen.

Trump sagte im Weißen Haus im Beisein von Vertretern der beteiligten Staaten, das Abkommen solle nach „Abraham“ benannt werden, da dieser für die Verbindung der Weltreligionen stehe. Die Verhandlungen hätten zuletzt in guter Atmosphäre stattgefunden. „Es fühlte sich an, wie verliebt sein“, sagte Trump. „Dies ist ein wahrhaft historischer Moment.“

Für Trump kommt das Abkommen zu einem günstigen Zeitpunkt: Der Republikaner bewirbt sich in gut zwei Monaten um eine Wiederwahl als US-Präsident, und die Sicherheit Israels ist bei US-Wahlen immer ein wichtiges Thema. Jüngsten Umfragen zufolge liegt Trump deutlich hinter Joe Biden, dem designierten demokratischen Präsidentschaftskandidaten.

Trumps bisherige außenpolitische Initiativen – von der nuklearen Entwaffnung Nordkoreas, seinem harten Kurs gegenüber dem Iran bis hin zu einem erhofften Regimewechsel in Venezuela – haben eher wenig Erfolg gehabt. Umso mehr dürfte er sich mit Hilfe des Abkommens nun als großer Staatsmann darstellen. Trump sagte am Donnerstag im Weißen Haus im Scherz, er habe vorgeschlagen, den Deal das „Donald J. Trump-Abkommen“ zu nennen. Das sei aber nicht so gut angekommen, weswegen man es nun als Zeichen der Verbundenheit der Weltreligionen das „Abraham-Abkommen“ nenne.

Politische Kommentatoren in Israel sahen das Abkommen nüchterner und sprachen von einem Vertrag zur "Normalisierung der Beziehungen". Israel hat Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien unterzeichnet, aber von einer Normalisierung der Beziehungen sind diese Länder noch weit entfernt. Zwischen Israel und den Emiraten haben sich die Beziehungen schon seit Jahren verbessert. Netanyahu besuchte die Emirate und es bestehen "Interessenbüros" in beiden Ländern. Künftig sollen auch Botschaften ausgetauscht werden, sagte Trump. In den beiden Emiraten Abu Dhabi und Dubai leben schätzungsweise 3.000 Menschen jüdischen Glaubens.

Nach Jahrzehnten des Konflikts mit den Palästinensern ist der Staat Israel in vielen Ländern des arabischen Raums weiterhin unbeliebt oder verhasst. Vor allem die Golf-Monarchien, darunter Saudi-Arabien, sehen den Iran inzwischen aber als größte Bedrohung für die Region an. Israel wird in Abu Dhabi und Riad deshalb auch als möglicher Partner beim Versuch gesehen, den Einfluss des Irans im Nahen Osten zurückzudrängen. (APA/dpa)


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