Mord an Rafik Hariri: Mutmaßliches Hisbollah-Mitglied schuldig gesprochen

Der Mord am ehemaligen libanesischen Regierungschef Rafik Hariri schockte 2005 die Welt. Sechs Jahre verhandelte ein UN-Sondertribunal gegen vier Männer. Am Dienstag ist ein Urteil gefallen.

Bei dem Sprengstoffattentat im Jahr 2005 waren außer Hariri weitere 21 Menschen getötet und 226 verletzt worden.
© MAHMOUD ZAYYAT

Den Haag – 15 Jahre nach der Ermordung des früheren libanesischen Premiers Rafik Hariri hat das Sondertribunal zum Libanon nur einen der vier Angeklagten schuldig gesprochen. Die Beteiligung der drei übrigen Libanesen an dem Terroranschlag könne "nicht zweifelsfrei bewiesen" werden, urteilten die Richter am Dienstag in Leidschendam bei Den Haag. Über das Strafmaß wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Alle vier Angeklagten sollten der pro-syrischen Hisbollah-Miliz angehören. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 56-jährige Libanese Salim Jamil Ayyasch (Ajjasch) unter anderem des Mordes schuldig ist. Er sei an dem Terroranschlag am 14. Februar 2005 in Beirut beteiligt gewesen. Das auf Initiative der Vereinten Nationen eingerichtete Tribunal hatte sechs Jahre lang in Abwesenheit der Angeklagten verhandelt.

Vier mutmaßliche Hisbollah-Mitglieder waren wegen des Terroranschlags von 2005 angeklagt.
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Die Richter sahen auch keine direkten Beweise für eine Beteiligung der Führung der Hisbollah oder Syriens. In dem Verfahren habe es fast ausschließlich indirekte Beweise gegeben, erklärte das Gericht.

Das 2007 vom UN-Sicherheitsrat eingesetzte Sondertribunal zur Aufklärung des Mordes an Hariri hatte seit 2009 in Leidschendam bei Den Haag den vier Angeklagten in Abwesenheit den Prozess gemacht.

Bei ihnen handelte es sich um mutmaßliche Mitglieder der mächtigen schiitischen Hisbollah-Miliz. Der mutmaßliche Drahtzieher des Anschlags, der Hisbollah-Kommandant Mustafa Badreddine, soll im Mai 2016 in Syrien getötet worden sein und stand deshalb nicht vor Gericht. Der nun verurteilte Ayyasch soll die Ausführung des Attentats koordiniert haben. Ihm wurden ein terroristischer Anschlag, Mord in 22 Fällen und versuchter Mord in 226 Fällen zur Last gelegt.

Bei dem Sprengstoff-Attentat waren außer Hariri weitere 21 Menschen getötet und 226 verletzt worden. Ein Selbstmordattentäter hatte einen Kleinlaster mit zwei Tonnen Sprengstoff zur Explosion gebracht und eine gewaltige Explosion ausgelöst, deren Wucht in ganz Beirut zu spüren war.

Viele Libanesen geben Syrien die Schuld an dem Anschlag. Das Land hatte zu dem Zeitpunkt Truppen im Libanon stationiert. Der Terroranschlag war einer der schwersten in der Geschichte des Libanon. Das Entsetzen und die internationale Empörung waren seinerzeit groß. (APA/AFP/dpa)


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