Opfer von "Golden State Killer" schilderten brutale Taten vor Gericht

Jahrzehnte lang trieb der sogenannte "Golden State Killer" in Kalifornien sein Unwesen, vergewaltigte und mordete. Nun steht er vor Gericht. Vor der Urteilsverkündung kamen Opfer und deren Angehörige zu Wort.

Der Angeklagte im Gerichtssaal.
© SANTIAGO MEJIA

Los Angeles – Vor der Urteilsverkündung gegen den geständigen US-Serienmörder und Vergewaltiger Joseph D. sind Opfer des "Golden State Killers" zu Wort gekommen. Bei einer Gerichtsanhörung in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento schilderten am Dienstag mehrere Frauen auf erschütternde Weise, wie der frühere Polizist sie brutal vergewaltigt hatte und wie die Taten ihr Leben für immer veränderten.

Der 74-jährige D. zeigte keinerlei Bedauern. Ihm steht lebenslange Haft bevor.

Opfer und Angehörige schilderten brutales Vorgehen

Kris Pedretti schilderte, wie D. sie 1976 als damals 15-Jährige vergewaltigte und ihr den Tod androhte. "An drei Zeitpunkten in dieser Nacht habe ich gedacht, dass ich sterben werde", sagte Pedretti. "Ich habe innerlich 'Jesus liebt mich' gesungen, als ich auf meinen Tod gewartet habe."

"Am nächsten Morgen, dem 19. Dezember, bin ich aufgewacht und wusste, dass ich nie wieder ein Kind sein würde", führte das Vergewaltigungsopfer aus. "Und obwohl ich dankbar war, am Leben zu sein, hatte ich auch das Gefühl, gestorben zu sein."

Die an Krebs erkrankte Phyllis Henneman, deren Vergewaltigung im Juni 1976 der heute 74-Jährige als erstes gestand, ließ ihre Aussage von ihrer Schwester verlesen. "Er verdient es, den Rest seines elenden Lebens im Gefängnis zu verbringen", hieß es darin. Bis D. 2018 endlich gefasst worden sei, habe sie jahrelang in Angst gelebt.

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Patricia Murphy, die als 29-jährige zweifache Mutter von D. mehrfach vergewaltigt wurde, bezeichnete ihn als "seelenloses, böses Monster". Er müsse für seine "entsetzlichen Verbrechen" mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden.

Ihre Aussage wurde von ihrer Tochter Patti Cosper verlesen, die D. zwischendurch den Mittelfinger zeigte. "Mögest Du im Gefängnis verrotten", sagte sie zu dem Peiniger ihrer Mutter. Auch Pete Schultze sagte aus, wie er im Alter von elf Jahren an den Bettpfosten gefesselt dabei zusehen musste, wie der Mann seine Mutter mehrfach vergewaltigte.

Keine Reue

Der mutmaßliche Täter verfolgte die Aussagen seiner Opfer, ohne eine Regung zu zeigen. Der als "Golden State Killer" bekannt gewordene Ex-Polizist hatte in den 70er- und 80er-Jahren Angst und Schrecken in Kalifornien verbreitet. Er hat 13 Morde und 50 Vergewaltigungen in den Jahren 1975 bis 1986 gestanden. Im Gegenzug für seine Geständnisse verzichtet die Staatsanwaltschaft auf eine Forderung nach der Todesstrafe. Er soll am Freitag zu elf Mal lebenslanger Haft verurteilt werden.

Die Verbrechensserie hatte 1975 mit Taten in der Gegend von seinem Wohnort Sacramento begonnen, später attackierte der Täter in ganz Kalifornien Frauen. D. drang häufig nachts maskiert in die Häuser seiner Opfer ein und vergewaltigte sie. Die Taten endeten offenbar 1986 mit der Vergewaltigung und Ermordung einer 18-Jährigen.

Erst 2018 konnte der Mann gefasst werden. Die Ermittler waren ihm auf die Spur gekommen, indem sie eine an einem Tatort gefundene DNA-Spur mit Daten einer Internetseite für Ahnenforschung abglichen. Sie stießen so auf einen Verwandten des Täters und konnten den Kreis der Verdächtigen immer weiter eingrenzen.

Der "Golden State Killer" – "Goldener Staat" ist der Beiname Kaliforniens – wurde schließlich im April 2018 in einem Vorort von Sacramento festgenommen. Ein Jahr zuvor hatte er seinen Job als Lkw-Mechaniker aufgegeben und war in Pension gegangen. Im Laufe der Jahre hatte es gleich mehrere Spitznamen für den mysteriösen Täter gegeben, unter anderem "East Area Rapist", "Diamond-Knot Killer" und "Original Nightstalker". (APA, AFP)


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