Neuer Antikörper soll Eisenstoffwechsel bei Dialyse-Patienten verbessern

Ein Team der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin hat einen innovativen Antikörper für die Therapie der chronischen Blutarmut bei Dialyse-Patienten mitentwickelt.

Die chronische Blutarmut (ACD) stellt ein häufiges Begleitproblem von Dialyse-PatientInnen dar.
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Innsbruck – Ein Team der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin an der Medizin Uni Innsbruck hat, in Zusammenarbeit mit der Pharmafirma Kymab in Cambridge, einen Antikörper für die Therapie der chronischen Blutarmut bei Dialyse-Patienten mitentwickelt.

Der Mehrwert des neuen Ansatzes liegt in der geringer benötigten EPO-Dosis und der damit einhergehenden Minimierung des kardiovaskulären Risikos, dem Nierenpatienten besonders ausgesetzt sind.

Dr.med.univ.Igor Theurl
© MUI/Heidegger

Menschen, die auf Grund einer Niereninsuffizienz eine Dialyse benötigen, leiden, neben einem funktionellen Eisenmangel, häufig an einer chronischen Blutarmut (ACD). Bei einer solchen Anämie kommt es zu einem Sauerstoff-Mangel im Körper, weil das Blut nicht mehr genügend Sauerstoff transportieren kann.

In der Therapie bekommen daher Dialyse-Patienten Erythropoetin (EPO) verabreicht. Dieses Hormon spielt bei der Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) eine entscheidende Rolle. Diese enthalten den eisenhaltigen roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der für den Sauerstofftransport im Blut zu den Organen verantwortlich ist.

Anämieforschung in Innsbruck

Die Innsbrucker Universitätsprofessoren Günter Weiss und Igor Theurl konnten in den letzten Jahren bereits wichtige pathophysiologische Mechanismen, die zur Ausbildung der ACD führen, aufklären. Die Arbeiten trugen maßgeblich zum Verständnis dieser häufigen Erkrankung und zur Entwicklung neuer Therapieformen bei.

Als wesentlicher pathophysiologischer Mechanismus liegt der ACD eine vermehrte Speicherung von Eisen in den Fresszellen des Immunsystems (Monozyten, Makrophagen) zugrunde. Dies führt zu einer verminderten Verfügbarkeit des Eisens für die Blutbildung, wo das Eisen für die Herstellung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin benötigt wird. Die Folge ist die Entwicklung einer Anämie.

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➤ Zur Forschungsarbeit

Erstautorin Verena Petzer
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Das Problem dabei: Die Patienten entwickeln im Laufe der Zeit eine Resistenz gegen EPO und dadurch ist auch bei maximaler Dosierung die Bildung von Hämoglobin eingeschränkt. Zudem kann EPO auch Nebenwirkungen im kardiovaskulären Bereich (Herz-Kreislauf-System) auslösen.

Ein Team der Medizin Uni Innsbruck rund um Univ. Prof. Igor Theurl, der an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin gemeinsam mit Direktor Günter Weiss seit vielen Jahren zur Anämie chronischer Erkrankungen forscht, testete den neuen humanen monoklonalen Antikörper KY1070.

Was sind Monoklonaler Antikörper

➤ Monoklonale Antikörper sind Antikörper, also immunologisch aktive Proteine, die von einer Zelllinie produziert werden, die auf einen einzigen B-Lymphozyten zurückgehen und die sich gegen ein einzelnes Epitop richten.

➤ Eine natürlich vorkommende Immunantwort gegen ein in den Körper eingedrungenes Antigen ist dagegen stets polyklonal und richtet sich z. B. gegen viele verschiedene Epitope auf einem Bakterium.

➤ In der Diagnostik und Forschung spielen monoklonale Antikörper eine große Rolle, da sie mit hoher Spezifität eine Anzahl von Molekülen binden können.

Und die Ergebnisse im Tiermodell sind vielversprechend. „In Tieren, die nur unzureichend auf EPO angesprochen haben, war es durch Kombination mit dem Antikörper möglich, einen ausreichenden Hämoglobin-Anstieg zu erreichen“, erklärt Erstautorin Verena Petzer von der Univ.-Klinik für Innere Medizin. Außerdem reiche eine geringere EPO-Dosis aus, um die Anämie zu bekämpfen, was in Anbetracht der Nebenwirkungen von EPO eine wichtige Grundlage zum Einsatz bei Dialyse-Patienten darstelle.

Nach den vielversprechenden Ergebnissen im Maus- und Rattenmodell, soll der Antikörper schon bald in die klinische Erprobung gehen. Die Studie wurde im Fachjournal BLOOD veröffentlicht. (TT.com)


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