Mordanklagen gegen Teenager: Achtjährige starb bei mutmaßlichem Rennen

Bei einem Verkehrsunfall stirbt ein achtjähriges Mädchen. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Zwei 19-Jährige hatten sich ein Rennen geliefert, das mit dem Tod des unbeteiligten Kindes endete. Die Teenager werden wegen Mordes angeklagt.

(Symbolbild)
© dpa/Schulze

Aachen – Nach einem mutmaßlichen Autorennen mit einem unbeteiligten getöteten Mädchen in Aachen sind zwei 19 Jahre alte Fahrer wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft gekommen. Die jungen Männer sollen Anfang August einen Unfall verursacht haben, bei dem in einem Auto ein acht Jahre altes Mädchen tödlich und zwei weitere Insassen schwer verletzt worden waren.

Die beiden 19-Jährigen hätten sich mittags entschlossen, ein Autorennen zu fahren, schilderte die Staatsanwaltschaft. In der Linkskurve einer Landstraße hätten die hintereinander Fahrenden einen Wagen überholt. Während der erste rechts einscheren konnte, prallte der zweite auf der Gegenspur frontal gegen ein Auto.

Dessen Fahrer habe nicht mehr ausweichen können, erklärten die Ermittler. Er und seine Beifahrerin wurden schwer verletzt. Die Tochter der Frau starb im Krankenhaus. Den 19-Jährigen wird unter anderem Mord, versuchter Mord in zwei Fällen und Teilnahme an einem verbotenen Autorennen vorgeworfen.

Mordurteil gegen Raser hat Bestand vor dem BGH

Im Juni hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe ein Mordurteil für zwei Berliner Autoraser zum Teil aufgehoben. Das Landgericht muss den Fall des jüngeren Angeklagten zum dritten Mal verhandeln. Gegen den Hauptangeklagten ist das Urteil rechtskräftig. Das Landgericht habe dabei den bedingten Vorsatz rechtsfehlerfrei begründet, hieß es vom BGH.

Im Februar 2017 hatte das Berliner Landgericht beide Männer als Mörder verurteilt. Es war das erste Mordurteil gegen Autoraser in Deutschland. Der BGH hob es ein Jahr später wegen Rechtsfehlern auf, der Prozess begann von vorn. Das Berliner Landgericht verhängte im März 2019 wieder lebenslange Haft wegen Mordes. Die Berliner Richter sahen drei Mordmerkmale erfüllt: Das Opfer sei völlig arg- und wehrlos gewesen. Bei der enormen Geschwindigkeit und unüberschaubaren Situation seien die Autos zum gemeingefährlichen Mittel geworden. Die Rücksichtslosigkeit und Selbstsucht der Männer spreche für niedrige Beweggründe.

Die Männer hatten sich nachts auf dem Kurfürstendamm in der Berliner Innenstadt ein illegales Autorennen geliefert. Sie rasten bei der Gedächtniskirche bei Rot über eine Kreuzung, einer von ihnen rammte mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde ein Auto, das aus einer Seitenstraße kam. Der 69 Jahre alte Fahrer dieses Wagens starb.

Die beiden Männer, die in Untersuchungshaft sitzen, legten erneut Revision ein. In der BGH-Verhandlung im April waren vor allem bei dem zweiten Angeklagten Bedenken deutlich geworden, der den Wagen nicht selbst gerammt hatte. Das Berliner Landgericht hatte den zum Unfallzeitpunkt 24-Jährigen zweimal als Mittäter verurteilt. Neben dem Verteidiger beantragte auch die Bundesanwaltschaft, das Mordurteil aufzuheben. Dass beide Männer sich ein illegales Rennen geliefert hatten, reiche für eine Verurteilung wegen Mordes nicht aus. Außerdem sei ungeklärt, ob der Unfall zu vermeiden gewesen wäre, wenn er das Rennen auf den letzten Metern abgebrochen hätte.


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