Empörung nach Angriff auf Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz

Als Elie Rosen sein Auto verließ, sei er von einem Unbekannten mit einem Holzprügel, offenbar einem Baseballschläger, angegriffen worden. Der Präsident konnte sich in letzter Sekunde zurück ins Auto flüchten. Die Attacke löst Empörung aus.

Der Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, auf einem Archivbild vom 11. März 2020.
© APA/Jüdische Gemeinde Graz/Foto Fischer

Graz – Der tätliche Angriff auf den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, hat in Österreich große Empörung ausgelöst. Rosen war am Samstagabend vor dem Gemeindehaus von einem Unbekannten mit einem Holzprügel, offenbar ein Baseballschläger, attackiert worden. Das bestätigte der Sprecher des Landespolizeikommandos Steiermark, Fritz Grundnig, auf APA auf Anfrage.

Rosen blieb unverletzt, der Täter flüchtete. Eine Fahndung wurde eingeleitet. Rosen selbst sagte der APA, er sei mit dem Auto auf das Grundstück der Gemeinde eingebogen. Dabei müsse er einen Radweg queren. "Da habe ich gesehen, dass parallel zu mir ein Mann auf einem Fahrrad fährt, der einen Stein in der Hand hat." Er sei ausgestiegen, um den Mann zur Rede zu stellen: "Ich habe ihn gefragt, was er da macht. Und da ist er schon mit einem Prügel auf mich losgegangen." Er habe sich noch ins Auto gerettet und schnell die Türen verriegelt.

"Dann hat er mehrmals auf das Auto eingedroschen, danach ist er mit dem Rad davongefahren." Die Schäden am Fahrzeug seien überraschenderweise nicht besonders groß, "obwohl er ziemlich fest draufgehaut hat". Während der ganzen Aktion habe der Mann kein einziges Wort gesprochen, "er ist nur auf mich losgegangen".

Der Unbekannte gleicht nach Aussage von Rosen jener Person, die in dieser Woche bereits zweimal Anschläge auf die Synagoge verübt hatte. Laut Polizei wurden Objektschutz für die Synagoge und persönlicher Schutz für Rosen angeordnet.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Nehammer, Van der Bellen und Kurz verurteilen Attacke

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) erklärte, er habe eine verstärkte Überwachung aller jüdischen Einrichtungen in Österreich angeordnet. Auch das Einsatzkommando Cobra werde zur Unterstützung herangezogen werden. Nehammer: "Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wer jüdische Mitbürger angreift, greift die Grundpfeiler unseres demokratischen Zusammenlebens an."

Nehammer kündigte an, er werde am Montag Rosen und den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Oskar Deutsch, sowie weitere Vertreter der Israelitische Gemeinde zu einem Gespräch einladen. Dabei solle die aktuelle Lage besprochen werden.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen verurteilte den Angriff auf Rosen und die Vandalenakte auf die Synagoge auf das Schärfste. "Judenhass und Antisemitismus haben keinen Platz in unserer Gesellschaft. Meine Solidarität gilt allen in Österreich lebenden Jüdinnen und Juden", teilte Van der Bellen auf Twitter mit.

"Erschüttert" über den Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Graz zeigte sich auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). "Für Antisemitismus darf es in Österreich keinen Platz geben", sagte Kurz auf Twitter und versprach eine rasche Suche nach dem Täter. "Wir werden alles tun, um den Täter rasch zur Rechenschaft zu ziehen und die Sicherheit der jüdischen Gemeinde in Österreich weiterhin zu gewährleisten", so Kurz.

Sobotka: "Kampf gegen Antisemitismus aktueller denn je"

Bestürzt zeigte sich auch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP). "Die jüngsten Vandalenakte auf die Synagoge in Graz und der tätliche Angriff auf Elie Rosen sind absolut zu verurteilen und leider ein deutliches Zeichen dafür, dass unser Kampf gegen jede Form des Antisemitismus aktueller denn je ist. Die Sicherheit jüdischen Lebens muss in Österreich, in Europa und weltweit gewährleistet sein. Der Kampf gegen den Antisemitismus betrifft uns alle. Es ist ein Kampf für unsere demokratischen Werte", so der Nationalratspräsident.

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) betonte, der tätliche Angriff gegen Elie Rosen in seiner Heimatstadt Graz erschüttere ihn zutiefst. "Wir müssen uns Antisemitismus in jeglicher Ausprägung vehement entgegenstellen und uns mit aller Kraft für Zusammenhalt in unserer Gesellschaft einsetzen. Wer unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger angreift, greift uns und unsere Grundwerte an", so Kogler auf Twitter.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner nannte den Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Graz "zutiefst schockierend". Mehr Polizeischutz vor jüdischen Einrichtungen sei richtig. Der Kampf gegen Antisemitismus "darf kein Lippenbekenntnis sein, sondern braucht konsequentes politisches Handeln!"

NEOS-Mandatar Helmut Brandstätter erklärte, dass alle dazu beitragen müssten, dass es in Österreich kein gesellschaftliches Klima geben dürfe, wo Antisemitismus möglich sei. "Wir alle sind im Moment bei Elie Rosen. Niemals wieder!!!", so Brandstätter auf Twitter.

Auch katholische und evangelische Sprecher bestürzt

Kardinal Christoph Schönborn schrieb auf Twitter, dass ihn die Nachricht vom Angriff auf Elie Rosen und die wiederholten Angriffe auf die Grazer Synagoge "erschrecken". Der Kardinal appellierte: "Antisemitismus darf nie mehr Platz finden in Österreich!"

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka zeigte sich "bestürzt". Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst sagte Chalupka, der Angriff sei "schändlich und zu verurteilen", ebenso wie die Vandalenakte auf die Synagoge der steirischen Landeshauptstadt in den Tagen zuvor. " Es könne nicht sein, dass Jüdinnen und Juden Angst haben müssen, in Österreich auf die Straße zu gehen.

Es sei traurig, dass es in Graz zu solchen Vorfällen komme, sagte auch Rosen. "Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas passiert." Er werde sich aber davon nicht beirren lassen: "Ich werde mich in meiner Arbeit für die Gemeinde durch diese Anschläge in keinster Weise beeinträchtigen lassen." Er sei schon schockiert darüber, die Stimmung sei aber schon vorher aufgrund der Anschläge auf die Synagoge gedämpft gewesen. "Es ist aber schon noch einmal etwas anderes, wenn man persönlich angegriffen wird", meinte Rosen.

Am Mittwoch hatten Unbekannte die Außenmauer der Synagoge in Graz mit propalästinensischen Parolen beschmiert. Auch das Gemeindehaus war zum Ziel geworden. In der Nacht auf Samstag warf ein unbekannter Täter mehrere Betonstücke gegen die Fenster an der Nordseite. Eine Scheibe ging dabei zu Bruch, mehrere Fenster wurden beschädigt.

Dass die Polizei bereits eine verstärkte Überwachung angeordnet hat, begrüßte Rosen. Er wolle die angekündigte Einladung von Innenminister Nehammer zum Gespräch annehmen. (APA)


Schlagworte