Wieder Polizeischüsse auf Afroamerikaner: Proteste in den USA

In den USA ist es nach einem neuen mutmaßlichen Fall von Polizeigewalt erneut zu Protesten gekommen. Ein im Netz kursierendes Video zeigt, wie ein Polizist auf einen Afroamerikaner schießt, als dieser in ein Auto steigt.

In sozialen Medien verbreitete Videoaufnahmen sollen den Vorfall in der Stadt Kenosha zeigen.
© Screenshot Facebook

Kenosha – In den USA sorgt ein neuer Fall von mutmaßlicher Polizeigewalt für Aufruhr. Ein Afroamerikaner ist im US-Bundesstaat Wisconsin Medienberichten zufolge durch Schüsse schwer verletzt worden, die von einem Polizisten abgefeuert worden sein sollen. Wie örtliche Medien übereinstimmend unter Berufung auf Videoaufnahmen berichteten, sollen die Schüsse am Sonntag (Ortszeit) in der Stadt Kenosha gefallen sein, während der Mann in seinen Wagen stieg. Laut Polizei befindet sich eine Person in ernstem Zustand im Krankenhaus. Die genauen Hintergründe des Vorfalls waren zunächst unklar.

Polizeiangaben zufolge hatten die Beamten auf einen häuslichen Zwischenfall reagiert, später kam es demnach zu Schüssen. Weitere Angaben machte die Behörde zunächst nicht. Örtliche Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, der angeschossene Mann habe einen Streit schlichten wollen.

Videoaufnahmen im Netz

In sozialen Medien verbreitete Videoaufnahmen zeigen, wie ein Afroamerikaner um einen Wagen herumgeht, während mehrere Polizisten ihm mit gezogener Waffe folgen. Als er die Wagentür öffnet und einsteigen will, scheint ein Polizist auf ihn zu schießen. Auf den Aufnahmen sind mehrere Schüsse zu hören.

Als Reaktion auf die Handyaufnahmen des Vorfalls kam es laut Medienberichten vor der Polizeistation zu Protesten durch Anwohner, dabei wurden Molotowcocktails und Steine auf die Polizisten geworfen und mehrere Brände gelegt. Die Polizei kündigte eine Ausgangssperre bis zum Montagmorgen an.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Wisconsins Gouverneur Tony Evers reagierte bei Twitter auf den Vorfall: „Wir sind gegen den übermäßigen Einsatz von Gewalt und sofortige Eskalation im Umgang mit schwarzen Bewohnern Wisconsins.“ Polizeiangaben zufolge soll das Justizministerium des Bundesstaats den Vorfall untersuchen.

In den USA war es seit Ende Mai vielerorts zu Massenprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt gekommen. Der Auslöser war der Tod des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz in der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota. (dpa/Reuters, TT.com)


Kommentieren


Schlagworte