Hurrikan „Laura“ fegt über USA: Mindestens vier Tote in Louisiana

„Laura“ gingen dramatische Warnungen voraus: Der extrem gefährliche Hurrikan traf das US-Festland mitten in der Nacht. Erst allmählich wird das Ausmaß der Schäden sichtbar. Und die Gefahr ist nicht vorbei.

In Louisiana ist das Ausmaß der Zerstörung gewaltig.
© AFP/Raedle

Cameron, St. Louis, New Orleans – Der gefährliche Hurrikan "Laura" hat mindestens vier Menschen im US-Bundesstaat Louisiana das Leben gekostet. Gouverneur John Bel Edwards sagte am Donnerstag, er sei besorgt, dass bei den nun anstehenden Such- und Rettungsarbeiten weitere Tote gefunden werden könnten. "Ich hoffe nicht, ich bete, aber das ist der Grund, warum wir rausgehen und diese Such- und Rettungsaktionen durchführen."

Der Gouverneur machte deutlich, dass die Schäden nach bisherigem Kenntnisstand weniger schlimm ausfielen als erwartet. "Es ist klar, dass wir keinen absolut katastrophalen Schaden erlitten haben, den wir auf Grundlage der Prognose, die wir letzte Nacht hatten, für möglich gehalten haben. Aber wir haben einen enormen Schaden erlitten", sagte Edwards. Vor allem das Stromnetz sei erheblich beschädigt worden.

📽️ Video | Hurrikan "Laura" trifft auf südliche US-Küste

Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 km/h

"Laura" war in der Nacht auf Donnerstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 Kilometern pro Stunde auf die Südküste Louisianas getroffen und war ein Hurrikan der Kategorie vier von fünf. Über Land schwächte sich "Laura" am Donnerstagnachmittag (Uhrzeit) zu einem Tropensturm ab.

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Meteorologen hatten vor bis zu sechs Meter hohen Sturmfluten gewarnt. Die maximale Höhe habe rund 4,5 Meter betragen, sagte Edwards. Dass die Sturmflut weniger dramatisch ausfiel als erwartet, habe daran gelegen, dass sich das Auge des Sturms weiter östlich als angenommen bewegt habe und somit nicht direkt einen Schiffskanal traf.

© APA

Ein Pfeifton sei zu hören gewesen, als der Hurrikan über Sulphur in Louisiana zog, schrieb der Hurrikan-Jäger Josh Morgerman in den frühen Morgenstunden auf Twitter. Auf einem seiner Videos ist zu sehen, wie der Sturm die Regenmassen vor sich her peitschte – im Licht einer Straßenlaterne sah das aus wie schnell ziehende Nebelschwaden. Menschen wie Morgerman begeben sich ungeachtet der Warnungen in die unmittelbare Gefahr der Stürme.

Die Behörden hatten Hunderttausende Menschen angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen. Je näher der Sturm mit zunehmender Stärke der US-Küste am Mittwoch gekommen war, desto eindringlicher wurden die Warnungen. „Gehen Sie jetzt in Deckung“, schrieb das Nationale Hurrikanzentrum schließlich. Es handele sich um eine „lebensbedrohliche Situation“.

Der Hurrikan klinge wie „ein dröhnendes Düsentriebwerk“, beschrieb ein Reporter des Fernsehsenders CNN die Situation in Lake Charles (Louisiana). Der Hurrikan habe selbst die stabilsten Gebäude erzittern lassen, Glasscherben seien durch die Luft geflogen. Fensterscheiben eines massiven Hochhauses in dem Ort hielten der Wucht des Sturms nicht Stand, wie bei Tageslicht sichtbar wurde.

Wieder Louisiana großflächig betroffen

Louisiana war großflächig von den Auswirkungen des Sturms betroffen. Und der Bundesstaat hat traumatische Erfahrungen mit Wirbelstürmen gemacht. Vor fast genau 15 Jahren – am 29. August – suchte „Katrina“ ihn heim: ein Wirbelsturm der höchsten Kategorie fünf mit Winden von einer Geschwindigkeit bis zu 280 Kilometer in der Stunde. „Katrina“ richtete Schäden historischen Ausmaßes an, ein Museum in New Orleans erinnert an die Katastrophe. Gut 80 Prozent der Großstadt wurden überflutet. „Katrina“ tötete insgesamt mehr als 1800 Menschen, Hunderte galten als vermisst. In den USA gab es nur zwei Stürme mit mehr Toten. Doch der „Okeechobee-Hurrikan“ mit etwa 4000 Opfern war 1928 und der „Galveston-Hurrikan“ mit bis zu 12.000 Toten schon im Jahr 1900.

Auf „Katrina“ war damals „Rita“ gefolgt – und „Laura“ nahm nun einen ähnlichen Weg wie der damalige Hurrikan. Angesichts einer Stärke von vier von fünf sprach das Hurrikanzentrum von einem „extrem gefährlichen Hurrikan“. Gewarnt wurde vor „verheerenden“ Schäden und Sturmfluten, „die man nicht überleben kann“. Es werde mehrere Tage oder Wochen keinen Strom und kein Wasser geben. Heftige Winde und Überflutungen drohten auch im Bundesstaat Arkansas.

Die Behörden hatten gewarnt, dass wegen der Überschwemmungen viele Orte womöglich bis Freitag oder Samstag nicht zugänglich sein könnten. Der Sheriff im Vermilion Parish unweit von Lake Charles hatte auf Facebook einen düsteren Hinweis an die Menschen gegeben, die entgegen der Warnungen in ihren Häusern blieben. „Wenn Sie sich dafür entscheiden, zu bleiben, und wir Sie nicht erreichen können, schreiben Sie ihren Namen, Ihre Adresse, Ihre Sozialversicherungsnummer und Ihre nächsten Angehörigen auf und stecken Sie sich (den Zettel) in einem Druckverschlussbeutel in die Tasche.“ Man erwarte das Schlimmste und bete für das Beste.

Wenn Sie sich dafür entscheiden, zu bleiben, und wir Sie nicht erreichen können, schreiben Sie ihren Namen, Ihre Adresse, Ihre Sozialversicherungsnummer und Ihre nächsten Angehörigen auf und stecken Sie sich (den Zettel) in einem Druckverschlussbeutel in die Tasche.
Sheriff im Vermilion Parish
Bereits seit Tagen bereiteten sich Bewohner auf den Wirbelsturm vor, sie verrammelten etwa wie hier ihre Fenster mit Spanplatten.
© Thomas B. Shea

„Laura“ schwächte sich über dem Festland am Donnerstag wie erwartet rasch ab, blieb aber weiterhin gefährlich. Der Wirbelsturm hatte über ungewöhnlich warmem Meerwasser rasch an Kraft gewonnen und war am Mittwoch innerhalb weniger Stunden von Kategorie zwei auf Kategorie vier hochgestuft worden. Damit war „Laura“ der erste sehr starke Hurrikan der Saison.

Die US-Klimabehörde NOAA rechnet damit, dass 2020 ein Rekordjahr für Wirbelstürme werden könnte. Erwartet werden 19 bis 25 Stürme, von denen sieben bis elf Hurrikans werden könnten, drei bis sechs sogar sehr starke mit Windgeschwindigkeiten von 178 Stundenkilometern und mehr. In durchschnittlichen Jahren gibt es an der Atlantikküste zwölf Stürme, von denen sich drei zu Hurrikans der Kategorie drei, vier oder fünf entwickeln. (dpa/APA)

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