August 2020 nassester seit zehn Jahren, am wärmsten und kältesten in Tirol

Der heurige August war der regenreichste seit zehn Jahren, aber auch ungewöhnlich warm. In Tirol wurde österreichweit sowohl der Temperatur-Höchstwert als auch der Tiefstwert gemessen.

Augustwetter in Weer: Warme Temperaturen, aber auch einige Wolken mit viel Niederschlag gab es diesen Monat.
© Leserin Irina Haid

Innsbruck – Der August 2020 ist in Österreich ungewöhnlich warm und nass gewesen. „In der österreichweiten Auswertung gab es um 45 Prozent mehr Regen als in einem durchschnittlichen August", sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Es war der regenreichste August seit dem Jahr 2010 und einer der 15 nassesten August-Monate der Messgeschichte."

Gleichzeitig schließt der Monat mit einer Temperaturabweichung von rund +2 Grad aber auch deutlich zu warm ab und reiht sich auf Platz 7 der wärmsten Augustmonate seit Messbeginn ein. „Selbst in Tirol und Kärnten betragen die positiven Abweichungen 1 bis 1,5 Grad. Hauptursache für den zu warmen August war weniger eine ausgeprägte Hitzewelle als viel mehr das nahezu durchgehend hohe Temperaturniveau ohne markante kältere Phasen", so Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Unwetterzentrale.

Zu Monatsbeginn und Monatsende am meisten Regen

Vor allem am Anfang und am Ende des Augusts regnete es großflächig stark. Die Niederschlagsabweichungen näher betrachtet, stechen zwei Regionen deutlich hervor: Rund doppelt so viel Regen wie üblich kam vom Brenner bis zum Dobratsch zusammen, das Gleiche gilt für das Most- und Waldviertel.

Von vergangenem Freitag bis zum heutigen Montag regnete es etwa in nur 72 Stunden am Brenner, in Dornbirn und in Kötschach-Mauthen in Kärnten rund 150 Millimeter. Zum Vergleich: In einem durchschnittlichen August regnet es im gesamten Monat am Brenner 151 Millimeter, in Kötschach 144 Millimeter und in Dornbirn 192 Millimeter.

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Herausragend bei den absoluten Mengen ist aber Oberkärnten, wo am Weißensee im August mehr als 390 Liter und somit zweieinhalb mal so viel Regen pro Quadratmeter wie üblich fielen.

© ubimet

Durchgehend überdurchschnittliche hohe Temperaturen

Der August brachte zwar keine langen Hitzewellen, aber dafür nahezu durchgehend überdurchschnittlich hohe Temperaturen ohne markant kältere Phasen. „Der August 2020 reiht sich in der Liste der wärmsten August-Monate der Messgeschichte im Tiefland auf Platz acht und auf den Bergen auf Platz elf ein", sagt ZAMG-Klimatologe Orlik.

© ubimet

Gut zu erkennen sei das gleichbleibend hohe Temperaturniveau an der Anzahl der heißen Tage, so Ubimet-Meteorologe Spatzierer. „Von Rekorden sind wir zwar weit entfernt, zehn Tage mit 30 Grad oder mehr in Wien sind dennoch doppelt so viele wie im langjährigen Schnitt üblich.“ Auch die Nachttemperaturen waren meist über dem Mittel – paradoxerweise gab es auf der Hohen Warte in Wien aber erstmals seit rund 25 Jahren im gesamten August keine Tropennacht.

📊 Tirol-Bilanz

Niederschlagsabweichung: Nordtirol +36%, Osttirol +124%

Temperaturabweichung: +1.3 °C

Abweichung der Sonnenscheindauer: -3%

Temperaturhöchstwert: 35.6 °C am 21.8. (Innsbruck-Uni, 578 m)

Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): -5.0 °C am 4.8. (Brunnenkogel)

Temperaturtiefstwert unter 1000 Meter: 4.5 °C am 31.8. (Ehrwald)

Höchste Sonnenscheindauer: 214 Stunden (Innsbruck-Flughafen, 578 m)

Die größten positiven Abweichungen finden sich im Südosten wieder, so verzeichnete etwa Bad Radkersburg sogar einen knapp 3 Grad zu warmen August. Die relativ gesehen kühlste Region war dagegen der Westen und Südwesten Österreichs.

Neun Sonnenstunden pro Tag

Der Sonne gelang im August laut den Meteorologen praktisch im gesamten Land eine Punktlandung: Sie schien in etwa so lange wie im langjährigen Schnitt. Ein paar Überstunden machte sie unter anderem in Teilen Oberösterreichs, so verzeichnete Aspach 250 statt der üblichen 232 Sonnenstunden. Ähnliches gilt für Zell am See, wo mit 200 Sonnenstunden ein Überschuss von 17 Stunden gemessen wurde. Der absolut sonnigste Ort des Landes war jedoch Mörbisch, hier am Neusiedler See schien die Sonne in Summe 276 Stunden lang. Pro Tag bedeutet dies rund neun Sonnenstunden, die man genießen konnte. (TT.com/APA)

🌡️ Extremwerte im August

HÖCHSTE TEMPERATUREN:

35,6 Grad Innsbruck-Universität (21.8.)

35,3 Grad Innsbruck-Kranebitten (21.8.)

34,9 Grad Andau im Burgenland (8.8.)

TIEFSTE TEMPERATUREN (unter 1000 Metern Seehöhe):

+4,5 Grad Ehrwald, Achenkirch (31.8.)

+5,3 Grad Zwettl in Niederösterreich (28.8.)

+5,4 Grad Schoppernau in Vorarlberg (5.8.)

TIEFSTE TEMPERATUREN (Hochtäler):

+2,2 Grad Seefeld (31.8.)

+2,5 Grad Obergurgl (31.8.)

+2,9 Grad Galtür (25.8.)

NASSESTE BEWOHNTE ORTE:

392 Liter pro Quadratmeter Weißensee (Kärnten)

371 Liter pro Quadratmeter Kornat (Kärnten)

348 Liter pro Quadratmeter Kötschach-Mauthen (Kärnten)


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