Strache wollte Rolle wie Orban: Neue Passagen aus Ibiza-Video veröffentlicht

Bisher unveröffentlichte Aussagen aus dem Ibiza-Video sind aufgetaucht. Darin erklärt Strache unter anderem, dass er eine Rolle wie Orban für sich haben wolle. Die neuen Passagen hat der "Kurier" veröffentlicht.

Am Dienstag wurde der Inhalt weiterer Passagen des "Ibiza"-Videos veröffentlicht.
© APA/Spiegel Online

Wien – Die ehemaligen freiheitlichen Spitzenpolitiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus haben auf Ibiza drei Stunden lang den Krone-Deal mit der vermeintlichen Oligarchin verhandelt. Das berichtet der Kurier, der nun ebenfalls Einblick in das aufgenommene Material bekommen hat. Einig wurde man sich mit dem Lockvogel nicht. "Jetzt gemma, des bringt nix", sagte Strache am Ende des Treffens.

Große Überraschungen oder Neuigkeiten dürfte auch die erneute Sichtung des Ibiza-Videos nicht zutage gefördert haben. Der Kurier berichtet unter anderem darüber, dass etwa viel über die Rolle der Juden und die Islamisierung Europas gesprochen wurde. Der serbische Homosexuellen-Hasser und Leugner des Völkermords in Srebrenica, Dragan Markovic, ist für den ehemaligen FPÖ-Chef "ein geiler Typ".

Strache sprach auch darüber, wie er Österreich verändern wolle. "Ich will so eine Rolle wie Orban", sagte er.

📽️ Video | Ibiza-Video: Weitere Passagen veröffentlicht

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SPÖ will Sonderpräsidiale zu Ibiza-Video

"Gut, dass ganzes Ibiza-Video jetzt öffentlich wird", befand der SPÖ-Fraktionsführer im Ibiza-Untersuchungsausschuss, Jan Krainer auf Twitter. Dass der Ausschuss immer noch nicht das Material habe, "bleibt ein Skandal".

Die SPÖ verlangt nun eine Sonderpräsidiale des Nationalrats. Dem Untersuchungsausschuss werde "wesentliches Beweismaterial nachweislich vorenthalten", begründete Vize-Klubchef Jörg Leichtfried die Forderung am Mittwoch in einem Brief an Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) die Forderung. Er will nun die weitere Vorgangsweise besprechen.

"Mit der türkisen Sabotage der Aufklärungsarbeit muss Schluss sein", wirft Leichtfried der ÖVP "andauernde Behinderung der Arbeit des Ibiza-Untersuchungsausschusses" vor. Dem Gremium würden wesentliche Akten und Unterlagen vorenthalten. "Dabei geht es einerseits um das Ibiza-Video, von dem man zwar weiß, dass der Großteil des Transkripts geschwärzt wurde, das dem Ausschuss aber nicht einmal in der skandalöserweise zensurierten Form übermittelt wurde."

Der SPÖ geht es auch um Akten und Unterlagen aus dem Bundeskanzleramt von Sebastian Kurz und Gernot Blümel (beide ÖVP). Für den gesamten Regierungszeitraum von Dezember 2017 bis Mai 2019 hätten beide kein einziges E-Mail sowie keinen einzigen Eintrag von Terminen mit Banken und Vertretern der Glücksspielindustrie geliefert. "Kurz und Blümel haben die gesetzliche Pflicht, diese Unterlagen dem Parlament zu übergeben", so Leichtfried.

Auch FPÖ und NEOS verärgert

Auch die FPÖ zeigte sich verärgert, dass auch der Kurier, nicht aber der Untersuchungsausschuss das Ibiza-Video zur Gänze gesehen hat. Deren Fraktionsführer im Ausschuss, Christian Hafenecker, äußerte in einer Aussendung die Vermutung, dass Behörden den Medien wichtige Beweismittel zusteckten - unter "wohlwollender Beobachtung" des Ausschuss-Vorsitzenden Wolfgang Sobotka (ÖVP).

"Sobotka hat jetzt sofort alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das gesamte Material in den U-Ausschuss zu holen", richtete Hafenecker den Ausschuss-Vorsitzenden aus. Dieser könne sich nicht mehr auf dessen "dubioses Gutachten" berufen, mit dem er die Übermittlung des Videos durch einen Berliner Anwalt verhindert habe. Gleichzeitig sei zu überlegen, auch "Kurier"-Verantwortliche im U-Ausschuss zu befragen, zumal auch "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk Auskunftsperson gewesen sei.

Empört zeigte sich auch NEOS-Fraktionsführerin Stephanie Krisper über den "neusten Akt der leidigen Posse". Es sei eine "Verhöhnung des Parlaments", dass Medien zum wiederholten Male Videomaterial vor dem Untersuchungsausschuss erhielten und einsehen könnten. "Es kann nicht sein, dass wir als Parlament in unserer Arbeit auf die 'Auswertung' durch Medien angewiesen sind", meinte Krisper. Sie will – wie auch die FPÖ – "unser Recht beim Verfassungsgerichtshof einklagen". (APA)


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