Grausamer Mord in Wilten: Lebenslang für 24-Jährigen, drei Monate Haft für Freundin

Die Hand abgehackt, stranguliert und erstochen – so wurde die Leiche eines 29-Jährigen im April vergangenen Jahres in einer Wiltener Wohnung gefunden. Ein 24-Jähriger wurde nun zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine 22-jährige Freundin, die die regelrechte Hinrichtung filmte, wurde vom Vorwurf der Beihilfe freigesprochen.

Die beiden Angeklagten vor dem Geschworenengericht. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, sie zu drei Monaten.
© BRIGITTE FORSTER

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der Todeskampf des Pakistani (29) – von seinen Freunden Jimmy genannt – dauerte etwa 17 Minuten lang. Doch beim Mordprozess am Innsbrucker Landesgericht war’s nicht nur der Gerichtsmediziner, der den Geschworenen den Ablauf des grausamen Gewaltverbrechens in trockenen Worten schilderte. Die insgesamt rund 80 Minuten dauernde Bluttat war auch auf mehreren Videos dokumentiert, die sich die drei Richter, die beiden Angeklagten, Staatsanwalt, Geschworene und Verteidiger anschauen mussten.

So wurden sie alle Augenzeugen des Gemetzels, das sich in den Morgenstunden des 10. April 2019 in einer kleinen Parterre-Wohnung im Innsbrucker Stadtteil Wilten abgespielt hatte. Und ein „Gemetzel“ war es tatsächlich, wie Gerichtsmediziner Walter Rabl ausführte: Der Erst­angeklagte, ein inzwischen 24-jähriger Inder, strangulierte seinen Freund Jimmy nicht nur mit einem Gürtel bis zur Bewusstlosigkeit. Er trennte dem noch röchelnden Opfer auch mit einem Messer die Hand ab, schnitt dessen Kehle durch und stach ihm mehrmals in den Hals.

„Ich wollte ihn auch töten“

Dann forderte der Inder seine damalige Freundin auf, sich an der Hinrichtung zu beteiligen. Als die zum Tatzeitpunkt 20-jährige, ebenfalls aus Indien stammende Italienerin mit dem Messer in den Hals des Pakistani schnitt, war der Mann vermutlich bereits tot. Rabl berichtete weiters von elf Stichwunden, die er im Oberbauch des Opfers festgestellt hatte. Außerdem wurden dem 20-Jährigen vom Erstangeklagten Unterlippe und ein Teil der Wange abgetrennt. Seine Freundin urinierte zuletzt auf die Leiche.

Im Gericht versuchte der Inder erst gar nicht, seine Verantwortung zu leugnen. Ja, er sei schuldig, er habe Jimmy umgebracht und „ich wollte ihn auch töten“. Als Vergeltung für das, was der Pakistani kurz vor dessen Ermordung seiner Freundin angetan habe.

Angeklagter vergewaltige Freundin seiner Partnerin

Die mittlerweile 21-jährige Mitangeklagte bestätigte vor Gericht, dass sie nach der kleinen Privatparty in der Wohnung ihres Freundes vom Pakistani missbraucht worden sei: „Er hat mir den BH ausgezogen, mich gegen meinen Willen am Körper berührt und geküsst.“ Ihr Freund hat davon nichts mitbekommen – er war zu dem Zeitpunkt im Nebenzimmer und hat angeblich die beste Freundin seiner Partnerin vergewaltigt.

Als der Inder zur Mitangeklagten zurückkehrte, erzählte diese ihm von den sexuellen Übergriffen seines Freundes. „Ich wollte von Anfang an nicht, dass Jimmy bei uns übernachtet“, schilderte sie vor Gericht. Mit den Anschuldigen habe sie nur erreichen wollen, dass ihr Freund den 29-Jährigen endlich rauswirft. Doch der damals 22-jährige Restaurantbesitzer hatte andere Absichten. Zunächst prügelte er seinen Freund mit einer Gürtelschnalle, bis dieser nach anfänglichem Abstreiten die sexuellen Übergriffe zugab. „Und das war ein verhängnisvoller Fehler“, sagte Rudolf Mayer, Wiener Starverteidiger des Mordangeklagten, bei seinem Eröffnungsplädoyer. „In mir war eine Explosion“, begründete der Inder dann das folgende Gewaltverbrechen.

„Aus Angst" mitgemacht

Seine frühere Freundin bestritt die Anschuldigung der Staatsanwaltschaft, Beihilfe zum Mord geleistet zu haben. Ja, sie habe das Messer geholt, mit dem der Pakistani letztendlich getötet wurde. Sie habe die grausamen Szenen zum Teil auch mit dem Handy gefilmt und dem Pakistani Schnitt- und Stichverletzungen zugefügt. „Aber ich dachte, das Opfer sei nach der minutenlangen Drosselung mit dem Gürtel bereits tot.“ Sie habe nur aus Angst vor ihrem „wahnsinnigen“ Freund mitgemacht. „Ich befürchtete, dass mir dasselbe passiert.“ Die ebenfalls angeklagte Störung der Totenruhe räumte die Italienerin hingegen ein.

Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner diagnostizierte beim Hauptangeklagten eine ebenso seltene wie schwere Persönlichkeitsstörung: Der 24-Jährige sei ein Psychopath, „empathielos, manipulativ und narzisstisch“. Ein Mensch, der zu allem fähig sei, nur die Angst vor Konsequenzen könne ihn aufhalten. „Er setzte die Handlungen (beim Mord; Anm.) völlig ruhig, entspannt, mit der Hand an der Hüfte und machte zynische Witze“, so Kastner. Da der Angeklagte jederzeit wieder zu derartigen Taten fähig sei, riet die Psychiaterin zur Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. Der Mitangeklagten bescheinigte Kastner Intelligenz, sie sei psychiatrisch unauffällig. Ihr Anwalt Martin Pancheri forderte einen Freispruch vom Vorwurf der Behilfe zum Mord: „Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort.“

Urteile noch nicht rechtskräftig

Das sahen offenbar auch die Geschworenen so: Die Italienerin wurde nur wegen Störung der Totenruhe schuldig gesprochen. Das Gericht verhängte dafür drei Monate Haft. Ihr Ex-Freund wurde hingegen zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem hat das Geschworenengericht ihn in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Weiters muss sich der 24-Jährige noch für die angebliche Vergewaltigung der Freundin seiner Ex-Partnerin vor Gericht verantworten. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.


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