Studie: Homo- und Transphobie im Job für viele an der Tagesordnung

Im Arbeitsleben müssten homo- und bisexuelle Menschen sowie transidente Personen häufig neben Mobbing auch sexuelle Belästigung erfahren und halten deshalb ihre geschlechtliche Identität geheim.

Ein Regenbogen aus Luftballons wird in Berlin vor dem Brandenburger Tor in die Luft gehalten (Archivfoto aus dem Jahr 2017 vom Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie).
© Britta Pedersen

Berlin – Rund 30 Prozent der homo- und bisexuellen Menschen in Deutschland werden einer Umfrage zufolge am Arbeitsplatz diskriminiert. Fast ein Drittel verschweigt demnach die eigene sexuelle Orientierung gegenüber Kollegen. Die am Mittwoch veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergab, dass die rund 4300 Befragten vor allem dann offen mit ihrer Geschlechteridentität umgehen, wenn sie sich in ihrer Branche vergleichsweise stark vertreten fühlen.

So sind dem DIW zufolge im produzierenden Gewerbe und in der Forst- und Landwirtschaft homo- und bisexuelle sowie trans-, queer und intersexuelle Menschen (LGBTIQ) unterrepräsentiert. Anteilig häufiger vertreten sind sie dagegen im Gesundheits- und Sozialwesen. Auffällig sei, dass im produzierenden Gewerbe nur 57 Prozent offen mit ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität umgehen, während dies im Gesundheits- und Sozialwesen knapp drei Viertel der Befragten tun, erklärte das Forschungsinstitut. Dies lege den Schluss nahe, "dass LGBTIQ-Menschen bestimmte Branchen meiden, weil sie dort mehr Diskriminierung befürchten".

Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sagte der Funke Mediengruppe, dass sich die Zahlen des DIW mit Erhebungen seiner Behörde deckten. Im Arbeitsleben müssten homo- und bisexuelle Menschen häufig neben Mobbing auch sexuelle Belästigung erfahren und hielten deshalb ihre geschlechtliche Identität geheim, sagte er.

Transphobie weit verbreitet

Seinen Angaben zufolge haben insbesondere Trans*-Personen mit Diskriminierung am Arbeitsplatz zu kämpfen. Oft würden Namensänderungen nicht akzeptiert, Dokumente nicht geändert, noch würden Namensschilder angepasst. Dem entsprachen die Ergebnisse der DIW-Studie. Mit 40 Prozent gaben Transidente an, besonders stark von Diskriminierung betroffen zu sein.

Katja Mast, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, forderte eine Kultur des Hinschauens, nicht des Wegschauens. "Diskriminierung am Arbeitsplatz geht überhaupt nicht. Es darf eigentlich nicht sein, dass wir das immer wieder klarstellen müssen", sagte sie. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg forderte Politik und Wirtschaft auf, zu reagieren. Gerade kleinere Unternehmen bräuchten Unterstützung, sagte er. "Für seine sexuelle oder geschlechtliche Identität soll sich niemand verstecken müssen." Der Staat müsse mit gutem Beispiel vorangehen. Ein nationaler Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie mit einer frühen Schulaufklärung könne helfen, Vorurteile abzubauen. (APA/AFP)


Kommentieren


Schlagworte