14-Jähriger gestorben: Mordanklage nach tödlichem Raserunfall in München

Der Unfall hat im vergangenen Herbst München erschüttert: Ein 14-Jähriger muss sterben, weil ein Autofahrer vor der Polizei flieht und dabei keine Rücksicht auf Verluste nimmt. Nun will die Staatsanwaltschaft ihm den Prozess machen.

Über die Eröffnung des Hauptverfahrens muss nun das Landgericht München entscheiden. (Symbolbild)
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München – Nach einem tödlichen Unfall auf der Flucht vor der Polizei hat die Staatsanwaltschaft München Anklage gegen einen 35-Jährigen erhoben. Sie wirft ihm nach Angaben vom Freitag unter anderem Mord an einem 14-Jährigen sowie versuchten Mord an einer 16-Jährigen und drei weiteren Verkehrsteilnehmern vor.

Die Anklage geht davon aus, dass der Mann am 15. November vergangenen Jahres um 23.20 Uhr unter Kokain- und Alkoholeinfluss mit rund Tempo 120 statt der erlaubten 50km/h im Gegenverkehr durch die bayerische Landeshauptstadt gerast sei, weil er eigentlich im Zuge von Bewährungsauflagen keine Drogen nehmen durfte – die Polizei ihn aber entdeckt hatte. Weil der Mann auf einer Straße trotz durchgezogener Mittellinie gewendet haben soll, folgte ihm ein Streifenwagen, um ihn zu kontrollieren.

Schüler nach Zusammenstoß 43 Meter weit geschleudert

Auf seiner Flucht seien ihm auf der Gegenfahrbahn mindestens sechs Fahrzeuge entgegengekommen. An einer Bushaltestelle stieß der flüchtende 35-Jährige schließlich mit vier Jugendlichen zusammen, die gerade die Straße überqueren wollten. Der 14 Jahre alte Schüler wurde den Angaben nach mindestens 43 Meter weit geschleudert. Er erlitt zahlreiche Brüche und eine tödliche Verletzung der Hauptschlagader. Die 16-Jährige brach sich ein Bein.

Obwohl der Airbag auslöste, fuhr der Mann den Angaben nach zunächst mit hoher Geschwindigkeit weiter. Dann setzte er seine Flucht zu Fuß fort, bis Polizisten ihn festnehmen konnten. Er saß zunächst in Untersuchungshaft und muss seit Anfang Mai seine widerrufene Bewährungsstrafe absitzen. Bisher hat er zu den Vorwürfen geschwiegen.

35-Jähriger äußerte sich bisher nicht

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nahm er in extremer Eigensucht den Tod anderer Menschen billigend in Kauf. Es seien die Mordmerkmale der niedrigen Beweggründe, des gemeingefährlichen Mittels und der Heimtücke erfüllt – sowie der Verdeckungsabsicht, weil er seinen Drogenkonsum habe verheimlichen wollen. Das Landgericht München I muss nun entscheiden, ob es zum Prozess kommt.

Tödliche Unfälle, bei denen Autofahrer viel zu schnell unterwegs sind, gibt es immer wieder. Verurteilungen wegen Mordes sind bislang aber selten. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kommt es dabei auf die Umstände des Einzelfalls an. (dpa)


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