"Das Wunder von Schwaz": Wanderer nach drei Tagen im Karwendel gefunden

Dass ein 40-jähriger Bayer am Montag erschöpft aber unverletzt im Karwendel gefunden wurde, grenzt auch für erfahrene Bergretter an ein Wunder. Ein blauer Rucksack, den der Wanderer platziert hatte, führte die Einsatzkräfte zu ihm.

Mit dem Polizeihubschrauber wurde der Bergsteiger ins Tal geflogen.
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Scharnitz, Schwaz – Völlig erschöpft, dehydriert, unterkühlt – aber nach erster Einschätzung der Retter unverletzt: Ein 40-jähriger deutscher Bergsteiger, der seit Samstag als vermisst galt, konnte am Montag im Karwendel zwischen Huderbankspitze und Kaiserkopf geborgen werden.

Dabei schwanden am Montag mit jeder Stunde die Hoffnungen der Einsatzkräfte, den Mann lebend zu finden. Beim ersten Hubschrauberflug des Tages entdeckten sie jedoch im Bereich einer Steilrinne einen auffällig blauen Rucksack. Wie sich herausstellen sollte, hatte der Mann diesen bewusst dort platziert, um die Retter auf sich aufmerksam zu machen. Danach war er weiter in Richtung Tal abgestiegen. Zwei Bergretter entdeckten den Mann gegen 13.30 Uhr schließlich in einem Latschenfeld im Bereich des Ödkarlbaches. Der Bergsteiger wurde mit dem Polizeihubschrauber ins Tal geflogen und anschließend ins Krankenhaus gebracht.

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„Wir nennen es das Wunder von Schwaz“, sagt Alpinpolizist Markus Trenner. „Wir hatten schon mit dem Schlimmsten gerechnet.“ Erschwert wurde der seit Sonntag laufende Rettungseinsatz durch die ständig wechselnden Wetterbedingungen. So konnte etwa der Hubschrauber nur bedingt eingesetzt werden.

Der 40-Jährige war am Samstag gegen 23 Uhr von seiner Ehefrau bei der Polizei in München als abgängig gemeldet worden, nachdem er sich nach einer zweitägigen Bergtour nicht wie vereinbart bis 20 Uhr gemeldet hatte.

Der blaue Rucksack des Mannes in einer Steilrinne brachte die Retter auf die Spur des vermissten Deutschen.
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Hinter dem Münchner lag eine Odyssee: Er war am Freitag vergangene Woche mit seinem Auto von München nach Hinterriß zur Eng Alm gefahren, um von dort seine Karwendel-Tour zu starten. Den Gipfel des Hochglück erreichte er. Dann ging er weiter in Richtung Kaiserkopf. "Dort oben hat er sich am Weg vertan, ist dann herumgeirrt und hat dort biwakiert", sagt der Alpinpolizist. Am nächsten Tag – so schilderte es der Gerettete den Einsatzkräften – sei er dann zurück zum Gipfel und habe auf der Westseite den Abstieg probiert. Dort platzierte er dann besagten blauen Rucksack.

Als die Bergretter diesen entdeckten, war für sie schnell klar: Der Rucksack lag dem Anschein nach nicht so da, als sei er hinuntergefallen, "sondern eher so ein bisserl hingelegt", wie Paul Gürtler von der Bergrettung Schwaz sagte. Vom Hubschrauber wurden dann zwei Mann abgesetzt, die die Bergseite absuchten – und den Vermissten schließlich fanden.

48-Jähriger unverletzt aufgefunden

Auch ein 48-jähriger Deutscher, der im gleichen Gebiet als vermisst galt, wurde – bereits am Sonntag – gefunden. Der Mann, der am Freitag mit dem Zug von München nach Scharnitz gefahren war, startete von dort aus eine Tour durchs Karwendelgebirge. Am Samstag wollte er mit dem Zug wieder nach München zurückkehren. Samstagnachmittag gegen 14 Uhr rief er seine Ehefrau an und sagte, er werde über einen markierten Steig durch das Vomperloch bis nach Vomp absteigen und mit dem nächsten Zug nach München fahren. Dort werde er um 23 Uhr ankommen. Dann benötigte der Mann jedoch für den Abstieg länger als gedacht und übernachtete nochmal in einer Jagdhütte im Bereich "In der Au". Dort hatte der Mann keinen Handyempfang.

Die Ehefrau meldete den Mann als vermisst, als er nicht auftauchte und auch nicht zu erreichen war. Am Sonntagvormittag startete die Suchaktion. Der Mann wurde schließlich im Bereich Vomperloch gegen 10.50 Uhr angetroffen, schreibt die Polizei. Er war unverletzt. Der 48-Jährige wurde von der Bergrettung aus dem Vomperloch begleitet und nach Schwaz gebracht. Dort nahm er den Zug nach München.

An beiden Suchaktionen, welche das gleiche Suchgebiet umfassten, nahmen der Polizeihubschrauber, die Alpinpolizei und insgesamt 30 Einsatzkräfte der Bergrettungen Schwaz, Hall in Tirol und Achenkirch teil. (TT.com, np)


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