Tech-Talente werden in Tirol zu Gründern

Gute Ideen in Unternehmen umsetzen – dabei hilft die Summer School des Tiroler Investors Hermann Hauser. Heuer erstmals völlig digital.

-(Quelle: IECT / Erstellt am: 06.09.2020 / Originaldatei: mentoring.jpg)
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Von Cornelia Ritzer

Innsbruck – Die Tiroler Wissenschafterin Theresa Hautz-Neunteufel forscht an einer revolutionären Technik, wie Organe außerhalb des Körpers behandelt, ihre Funktion repariert und dadurch für Transplantationen optimiert werden können. Mit diesem Projekt nahm Hautz-Neunteufel, die an der Medizinischen Universität Innsbruck im Bereich Life Sciences arbeitet, an der diesjährigen Summer School des „Institute for Entrepreneurship Cambridge–Tirol“ (I.E.C.T.) von Investor Hermann Hauser teil. Und mit diesem Projekt konnte die Forscherin beim Ideenwettbewerb Falling Walls im Rahmen des Forums Alpbach überzeugen, im Publikumsvoting gewann sie den ersten Preis.

„Dieser Erfolg freut uns sehr“, sagt Josef Hauser, Mitbegründer und CEO des I.E.C.T. – und Cousin von Summer-School-Gründer Hermann Hauser – im TT-Gespräch. Der Erfolg von Hautz-Neunteufel zeige, wofür die Summer School steht: innovative Ideen von der Universität in die Öffentlichkeit zu bringen. „Unsere Talente in Tirol und Österreich sind genauso gut, wie jene in Cambridge und im Silicon Valley“, ist Hauser überzeugt. Nur gebe es hierzulande „schlechtere Rahmenbedingungen, das Ökosystem für Gründer ist nicht so gut aufgebaut“. Die Summer School mit ihrem Netzwerk von privaten Kapitalgebern, großen Unternehmen, der Universität, Wirtschaftskammer und Standortagentur Tirol will dem entgegenarbeiten und „höchste Exzellenz forcieren“, so Hauser.

Und zwar mit Erfolg. Forscherin Hautz-Neunteufel ist eine der heuer 24 Teilnehmer aus insgesamt zehn Nationen, die im August am zehntägigen Programm teilgenommen hat. „Deep-Tech-Forscher, die an fundamentalen neuen Technologien arbeiten, lernen dabei, Ideen und Forschungen marktreif aufzubereiten“, erklärt Hauser. Das Ziel sei dabei nicht, aus Wissenschaftern Unternehmer zu machen, sondern: „Wir bieten einen roten Faden für die Entwicklung eines Start-ups, das Chancen hat, erfolgreich zu sein. Ob es klappt, zeigt letztlich der Markt.“ Und Hauser betont die Wichtigkeit des Wirtschaftsraums Tirol: „Wir wollen ein innovativer Standort sein und zeigen, dass es sich lohnt, Talente nach Österreich zu bringen. Das Bewusstsein dafür ist in den letzten Jahren besser geworden.“

Die sechste Auflage des Gründer-Events wurde gänzlich im Internet abgehalten. Corona-bedingt habe man „relativ schnell entschieden, die Summer School online abzuhalten“, erzählt Geschäftsführerin Klara Brandstätter. Und rasch war klar: „Wir wollen nicht nur Links für Online-Meetings verschicken, wir brauchen eine neue Plattform.“ Dank eines Tiroler Teams wurde eine Plattform entwickelt, die Mentoring-Sessions zwischen zwei Teilnehmern genauso wie größere Keynotes möglich macht. Der Plan sei, die Summer School nächstes Jahr wieder offline zu veranstalten, betont Brandstätter. Die digitale Plattform werde man jedoch behalten, sagt CEO Hauser, denn: „Durch die Plattform verlieren wir keine Talente und Potenziale.“

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Investment in heimische Start-up-Szene

Der in Wörgl aufgewachsene Physiker und Investor Hermann Hauser holt seit der Gründung der Summer School im Jahr 2015 Wissen aus dem britischen Silicon Valley nahe der Cambridge University nach Tirol. Bisher sind 93 Forscher aus über 50 Nationen nach Tirol gekommen, um mit einem Netzwerk aus Mentoren zu lernen, eine Business-Idee zu präsentieren, einen Businessplan zu entwickeln und damit mögliche Investoren zu überzeugen. Über die Bühne geht die Summer School üblicherweise in der Werkstätte Wattens.

Hauser hat mit IT-Unternehmen ein Millionenvermögen aufgebaut. Er gründete 1978 mit Chris Curry die Firma Acorn, welche Computer und Prozessoren, die in der Produktion von Handys genutzt wurden, entwickelte. Seither investierte Hauser mit seinem Risikokapitalfonds Amadeus Capital in mehr als 120 Unternehmen und unterstützt Start-ups.

Durch die Summer School entstanden 30 Start-ups mit 204 Jobs, seit 2017 wurden 7 Millionen Euro in Projekte investiert. (TT)


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