Digitale Transformation: Frankreich top, Österreich rutscht zurück

Laut einer Studie ist Frankreich der digitaler Aufsteiger, China gewinnt deutlich hinzu, Deutschland und USA verlieren. Auch Österreich rutschte im "Digital Riser Report 2020" deutlich nach hinten.

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Wien – Bei der digitalen Transformation läuft Frankreich Deutschland den Rang ab - einer Studie zufolge verliert Deutschland enorm an digitaler Wettbewerbsfähigkeit. Frankreich ist der Aufsteiger unter den sieben wichtigsten Industrienationen (G7). Das sei das Ergebnis einer Erhebung des European Center for Digital Competitiveness der ESCP Business School Berlin, berichtet das Handelsblatt.

Österreich gehört dem "Digital Riser Report 2020" zufolge ebenfalls zu den Verlierern. In der Ländergruppe Europa und Nordamerika wurden bei zehn untersuchten Kriterien zur digitalen Transformation in Summe 30 Ränge eingebüßt. Damit war die Entwicklung aber immer noch besser als in den G7-Staaten USA (minus 33 Ränge), Deutschland (minus 52) und Italien (minus 77) und auch besser als in Ländern wie Finnland (minus 41), Schweden (minus 83) und Norwegen (minus 100).

Frankreich konnte sich in den Jahren von 2017 bis 2019 um 95 Ränge verbessern und ist im Vergleich mit den anderen G7-Staaten der führende Aufsteiger. Deutschland fiel im "Digital Riser Report" dagegen um 52 Ränge zurück. Innerhalb der G7 rutschte nur Italien noch stärker nach unten. "Vor allem die politischen Einstellungen zu Unternehmensgründungen und Innovation haben sich in Deutschland deutlich verschlechtert", sagt der Ökonom Philipp Meissner, der die Untersuchung für die ESCP Business School geleitet hat.

Zu den sieben weltweit führenden Industrienationen zählen die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Italien.

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Digital Riser Report 2020

📗 Download: Digital Riser Report

Supermächte nicht unbedingt auf den Spitzenplätzen

Gemessen wurden die Veränderungen der digitalen Wettbewerbsfähigkeit in den beiden Kernbereichen "Ecosystem" und "Mindset", die jeweils fünf Merkmale umfassen wie zum Beispiel die Möglichkeit, Talente aus dem Ausland zu gewinnen, oder die Einstellung zu unternehmerischen Risiken. Dabei haben die Forscher auch auf Daten des jährlich erscheinenden "Global Competitiveness Report" des Weltwirtschaftsforums zurückgegriffen.

Das Ranking konzentriert sich auf die dynamischen Verschiebungen von technologisch konkurrierenden Ländern. Supermächte wie die USA landen nicht unbedingt auf den Spitzenplätzen. Tatsächlich hat Amerika 33 Ränge eingebüßt, während China um 52 zulegen konnte. G7-Länder, die sich ebenfalls verbesserten, waren Japan (plus 30) und Kanada (plus 13). Das Vereinigte Königreich hingegen verlor 6 Ränge.

📽| Video: Interview mit Philip Meissner

"Dschungel" an Fördermaßnahmen

Besonders enttäuschend ist das Ergebnis aber für Deutschland, wo seit Jahren intensiv in Politik und Wirtschaft über die digitale Transformation diskutiert wird. "Anders als in Frankreich gibt es in Deutschland keinen strategischen Plan für die Digitalisierung", kritisiert Meissner. Statt wirkungsvoller Leuchtturmprojekte gebe es einen Dschungel von Fördermaßnahmen. Selbst der Ende 2019 angekündigte Zukunftsfonds mit einem Volumen von zehn Mrd. Euro sei in der Schublade verschwunden.

Die größte Schwäche sieht der Wissenschaftler jedoch im fehlenden "digitalen Mindset": "In Berlin liegt der Fokus auf Industriepolitik und deren Großprojekte wie Industrie 4.0." Ein digitaler Wandel finde nur innerhalb schon bestehender Industrien statt, es entstünde zu wenig Neues. "Kanzlerin Angela Merkel hat sich 2019 nicht einmal mit Start-ups beschäftigt", moniert Meissner. In den USA seien Tesla und Google ja auch nicht dadurch entstanden, dass sich alte Unternehmen wie Ford und General Electric digital gewandelt hätten. "Das waren völlig neue Unternehmen, die es so in Deutschland nicht gibt." Zudem sei es in Deutschland immer noch viel zu teuer, ein neues Unternehmen zu gründen. (APA)


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