Mattersburg-Bank: Detaillierte Anzeige bereits im Februar

Ein anonymer Hinweisgeber lieferte laut einem Bericht schon im Februar Daten zu mehr als 50 gefälschten Krediten.

Ein Kreditnehmer der in einer Gesellschaft des Fußballvereins SVM aktiv war, habe habe es auf einen Kredit von 23 Millionen Euro gebracht - ohne Sicherheiten.
© ROBERT JAEGER

Mattersburg – Im Skandal um die Commerzialbank Mattersburg soll die bereits Anfang Februar an Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, Finanzmarktaufsicht und Nationalbank ergangene anonyme Anzeige sehr detailliert gewesen sein, berichtete der ORF Burgenland am Montag. So detailliert, dass sich die Frage stelle, warum der Betrug im großen Stil nicht früher aufgefallen sei.

Seit Anfang Februar habe es detaillierte Hinweise gegeben, wonach Geld von Ex-Bankchef Martin Pucher aus der Bank genommen und an notleidende Firmen - darunter auch die Firma eines Aufsichtsrates - übergeben werde. Zum Teil fließe das Geld als Sponsoring an den Fußballverein SV Mattersburg (SVM).

Tilgung per Erlagschein

Ausgeglichen würden die Abgänge mittels Hunderter gefälschter Kreditkonten im Volumen von insgesamt bis zu 150 Millionen Euro. Dem Schreiben eines Hinweisgebers beigefügt waren laut ORF Daten zu mehr als 50 Krediten. Viele Kreditnehmer seien demnach Ärzte oder Unternehmer aus dem Großraum Wien. Kreditsummen bis zu zwei Millionen Euro seien bar ausbezahlt worden, die Tilgung sei per Erlagschein erfolgt, was "absolut unüblich" sei.

Der Hinweisgeber bat in dem Schreiben auch zu untersuchen, ob die in der Beilage angeführten Kundenaktivposten real seien, "da nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Commerzialbank künstlich Kreditgeschäfte eröffnet, wobei die betreffenden Kreditnehmer keine Kenntnis über diese Positionen haben". Das sei allerdings nicht passiert.

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Kopf in den Sand gesteckt

Gegenüber dem "Standard" (Montagsausgabe) schilderte ein Ex-Mitarbeiter des Geldinstituts die Eindrücke aus seiner Zeit bei der Commerzialbank.

▶️ "So wenig Wissen wie in der Kreditabteilung der Commerzialbank habe ich noch nie gesehen."

Laut dem Mann, der im Bereich Risikomanagement in der Bank tätig gewesen sei, sei die IT darniedergelegen. "Jeder hat sich geduckt, bloß nicht auffallen", sei die Devise gewesen. Er selbst habe mit seinen Verbesserungsvorschlägen auf Granit gebissen.

▶️ "Fast alle Mitarbeiter haben ihren Kopf in den Sand gesteckt"

Ein Angehöriger eines Sponsors des SVM, dessen Präsident Pucher war, habe 650.000 Euro für den Hausbau bekommen. Auf die Eintragung ins Grundbuch habe die Bank verzichtet. Auch bei frei erfundenen Krediten für Ärzte habe es keine Absicherung im Grundbuch gegeben, berichtete der Zeitung.

▶️ "Wenn man etwas hätte finden wollen, wäre es leicht gewesen."

Auffallen müssen hätte Mitarbeitern nach Ansicht des Informanten, dass Saldenverläufe nicht passten, Kunden beste Bonität bescheinigt war, die Einkommensnachweise dafür aber fehlten und dass Unterschriften unter Verträgen fehlten oder immer gleich aussahen.

Recht leger soll auch jenes Bargeld, das Pucher abzuheben bzw. einzuzahlen pflegte, gelagert worden sein: Hunderttausende Euro seien in Schuhschachteln im Tresor gelegen.

▶️ Bis auf eine Handvoll Mitarbeiter haben alle zumindest geahnt, dass in der Bank nicht alles mit rechten Dingen zuging.

Ein Kreditnehmer - Unternehmer aus der Gegend und in einer Gesellschaft des Fußballvereins SVM aktiv -, der über ein Vermögen von rund zwei Mio. Euro verfügte, habe es auf einen Kredit von 23 Mio. Euro gebracht - ohne Sicherheiten.

"Chancen in diesem Zusammenhang sehr, sehr gut"

"Es wäre mit relativ einfachen Mitteln und relativ wenig Aufwand möglich gewesen, schon zum damaligen Zeitpunkt einzuschreiten und diese Schäden, die danach entstanden sind, einfach zu verhindern", zitierte der ORF Burgenland den Rechtsanwalt Johannes Wutzlhofer. Die angeblichen Kreditnehmer seien von Februar bis Juli von keiner Behörde kontaktiert oder befragt worden. Erst nach der Schließung der Bank habe das Landeskriminalamt festgestellt, dass alle angeführten Kredite gefälscht seien.

Anwalt Wutzlhofer zeigte sich gegenüber dem ORF zuversichtlich, dass zumindest für Schäden ab Mitte Februar die Republik aufkommen müsse: "Das ist eine Kategorie, wo die Geschädigten einfach auch darauf bestehen werden, die Schäden auch von den Behörden zu bekommen für die Teile, die sie nicht von den Tatsachenverursachern, den Organen der Bank, bekommen können. Und die Chancen sehen wir auch in diesem Zusammenhang sehr, sehr gut." (APA)


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