AKA Tirol vs. Red-Bull-Akademie Salzburg: Zwei Standorte, zwei Philosophien

Am Wochenende kreuzten zwei Mannschaften (U15/U16) der Tiroler Fußball-Akademie mit ihren Red-Bull-Ablegern aus Salzburg die Klingen. Dabei trafen nicht nur Teams, sondern auch Philosophien aufeinander.

Neu an der AKA-Outlinie: Tirols U16-Coach Michi Baur.
© Jakob Gruber

Von Florian Madl

Schwaz – Von vier Millionen Euro, die sich Land, Stadt, Österreichischer und Tiroler Fußballverband teilten, sprach man beim Spatenstich der Tiroler Fußball-Akademie am Innsbrucker Flughafen (2009). Ein Kunstrasenplatz samt Flutlichtanlage, ein Gebäude mit Kabinen, Besprechungsraum und Fitnessanlagen entstanden nach über zehn Jahren Planung.

Nicht so in Salzburg, wo 2013 für den zumindest zehnfachen Betrag der Bau eines Areals für Eishockey-Spieler (zwei Hallen) und Fußballer (sieben Plätze/einer indoor) errichtet wurde. Eine europaweit führende Einrichtung mit Vorreiterrolle auf allen Ebenen, mit Schlafplätzen, medizinischem Umfeld und technischem Schnickschnack. Spätestens seit den Europacup-Erfolgen der Bullen ein richtungsweisendes Projekt, ein Geschäftsmodell.

Kaum freie Ressourcen für auswärtige Spieler in Tirol

Tirol kann da nicht mit, Akademieleiter Roland Kirchler weiß: „Unser Standort soll vor allem den besten Talenten des Landes offenstehen.“ Für auswärtige Spieler habe man kaum Ressourcen frei, „da würde es einen Rattenschwanz von Fragen wie Schule oder Heimplatz nach sich ziehen. Salzburg kann sich das leisten.“ Die Tiroler sind zum Improvisieren gezwungen: einmal Athletik-Training, dann wieder Halle oder Gruppeneinheiten und zeitweise auf die Plätze der benachbarten Universitätssportanlagen.

Aber Kirchler stellt dem vermeintlichen Infrastruktur-Nachteil eine Statistik gegenüber: „Ich will nichts schlechtreden, aber bislang sind die meisten Tiroler wieder zurückgekommen.“ Geschafft hätten es die wenigsten, möglicherweise sei auch der Druck ein zu hoher. Ab dem Alter von 16 Jahren seien internationale Wechsel möglich, da könne RB Salzburg aus dem Vollen schöpfen. „Dann ist ein Talent verletzt und schon wartet der Nächste.“ In Tirol habe man wohl mehr Nestwärme.

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Stürmt für die WSG Tirol in der Bundesliga – Tobias Anselm.
© GEPA pictures/ Amir Beganovic

Das bestätigt Tobias Anselm (20), der sich über die WSG im Profifußball durchsetzen will. Der Kirchbichler dockte bereits mit 14 in der Red-Bull-Akademie an, zwei Knöchelbrüche warfen ihn zwischenzeitlich zurück. Was es braucht, um sich in Salzburgs Talenteschmiede durchzusetzen? „Viel Geduld und eine Top-Fitness. Jedes Jahr kommen viele internationale Talente, der Konkurrenzkampf gehört dazu.“ Die positiven Seiten würden jedoch die negativen überwiegen, bestätigt Anselm, der seine Berufsausbildung (Bürokaufmann) neben dem Sport abschloss. Wie viele seiner Kollegen aus den Zeiten des Akademie-Starts noch Profi-Ambitionen hätten? Fünf bis sechs, meint der Unterländer.

Sein aktueller WSG-Kollege Kilian Bauernfeind (18) durchlief indes die Tiroler Talenteschiene. Das Credo des Hippachers: „Am Ende zählt die Leistung. Ich bin mit meinem Weg sehr zufrieden.“ In Tirol sei es womöglich familiärer, aber die Entscheidung habe sich für ihn auch nicht gestellt. „Schwer zu sagen, was passiert wäre, wenn Salzburg mit 15 bei mir angeklopft hätte.“ Wie viele seiner Kollegen aus den Zeiten des Akademie-Starts noch Profi-Ambitionen hätten? Mit ihm wären es derzeit fünf – im Kader des FC Wacker und der WSG. Interessant wird da diese Woche am Freitag auch das Regionalliga-Duell der beiden zweiten Teams.

TFV-Boss rechnet mit eigener Wacker-Akademie

Zurück zur Akademie: In Mattersburg und Ried wurden die jährlichen Kosten der Akademie mit einer Million Euro angegeben, in Tirol spricht Präsident Josef Geisler von 700.000 Euro. Doch die Zeiten ändern sich für Tirols Talente, wie der Zillertaler meint: „Ich gehe davon aus, dass der FC Wacker irgendwann eine eigene Akademie führt. Nur die ÖFB-Lizenz können sie uns aufgrund der Bestimmungen nicht nehmen.“ Ob eine Parallelstruktur sinnstiftend wäre? „Wenn beim FC Wacker der Fokus auf Tiroler Talente gelegt würde, muss man das System hinterfragen. Wenn es dort aber eine Art Red Bull B für Nicht-Tiroler wird, muss man diskutieren: Braucht das eine Unterstützung?“

Am Personal liege es jedenfalls nicht, dass manche Tiroler Talente abwandern. „Mit Roland Kirchler, Michael Baur und Andreas Spielmann haben wir bei uns Nationalspieler im Trainerteam, auch Bernhard Lampl atmet Fußball förmlich. Die Expertise ist also vorhanden.“ Und auch Akademieleiter Kirchler appelliert bei allen Vorzügen der Salzburger Akademie an die Eltern heimischer Talente, nicht in einer Traumwelt zu leben: „Man kann es auch über Tirol schaffen!“

Hatte gegen die starken Alterskollegen von Red Bull Salzburg jede Menge zu tun – Tirols AKA-U15-Goalie Maximilian Hechenblaikner musste sich oft mächtig strecken.
© Jakob Gruber

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