Auch heftiger Widerstand rettete Bäume bei Innsbrucker Viaduktbögen nicht

Bei den Innsbrucker Viaduktbögen fielen am Donnerstag zwölf Kastanienbäume. Der Unmut der Protestierenden, die sich schon in den frühen Morgenstunden versammelt hatten, traf vor allem die grüne Stadtführung.

Seit dem Morgen waren Demonstranten vor Ort.
© Thomas Böhm

Von Michael Domanig

Innsbruck – Trotz heftiger Proteste von Anrainern und Oppositionspolitikern haben die ÖBB am Donnerstag, im Rahmen der Bauarbeiten für die Haltestelle "Innsbruck Messe", zwölf Kastanien in der Ing.-Etzel-Straße entfernt. Schon in den frühen Morgenstunden hatten sich einige Dutzend Aktivisten versammelt, um gegen die Fällung zu protestieren.

Manche Aktivisten mussten von der Polizei weggetragen werden.
© Thomas Böhm

Dabei bekamen vor allem die grünen Stadtregierungsmitglieder, BM Georg Willi und Vize-BM Uschi Schwarzl, heftige Kritik ab – nicht zuletzt von Politikern der FPÖ und des "Gerechten Innsbruck", die zur (nicht angemeldeten) Kundgebung geladen hatten und sich unter die Protestierenden mischten.

Sie forderten eine Umplanung des Projekts und einen nochmaligen Beschluss im Gemeinderat – schließlich sei von den nunmehrigen Rodungen 2018 im Gemeinderat nicht die Rede gewesen und das Projekt habe sich dadurch substanziell verändert. Diese Position vertritt auch die Alternative Liste Innsbruck.

📽️ Video | Aufregung um Baumfällungen in Innsbruck

Demonstranten stiegen auf Bäume und Baumaschinen

Trotz großen Aufgebots an Polizei und Security schafften es einige Aktivisten, hinter die Absperrung zu gelangen. Dort stellten sie sich vor die Bäume und zum Teil auch auf Baumaschinen – konnten die Rodung damit letztlich aber nur um wenige Stunden hinauszögern. Nach einem Anruf des Tierschutzvereins erschien zwischenzeitlich auch die Innsbrucker Amtstierärztin vor Ort. Auf ihre Bitte hin untersuchte die Feuerwehr die Kastanien noch auf etwaige verbliebene Vogelnester – bevor die Bäume dann am späten Vormittag restlos entfernt wurden.

Heftige Proteste vor Baumfällungen im Saggen

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Laut ÖBB-Projektleiter Christoph Lindner führte an der Fällung "kein Weg vorbei". Im betreffenden Abschnitt entstehe der neue Bahnsteig in Hochlage, die zu montierenden Konsolen und Ankerpunkte lägen "genau im Bereich der Bäume". Der Bahnsteig wandere weiter Richtung Straße hinaus, der Abstand zwischen Bauwerk und Bäumen würde dadurch zu gering, ebenso jener zu den Oberleitungen. Man habe vorab ein eigenes Gutachten beauftragt, in dem alle möglichen Maßnahmen bewertet worden seien.

An der Fällung der Bäume führte aus technischer Sicht kein Weg vorbei.
Christoph Lindner 
(Projektleiter, ÖBB)

Baumschutzkonzept hätte "massive Mehrkosten" verursacht

Die Demonstranten taten ihren Standpunkt über Transparente kund.
© Thomas Böhm

Auch ein umfangreiches Baumschutzkonzept sei ausgearbeitet worden – dessen Umsetzung hätte laut ÖBB jedoch zu großen Verzögerungen beim Haltestellenbau geführt und wäre mit "massiven Mehrkosten" verbunden gewesen. Die Bäume weiter zurückzuschneiden oder umzusetzen, ohne sie massiv zu schädigen, sei nicht möglich.

Die ÖBB haben, wie berichtet, zugesichert, nach Abschluss des Projekts zwölf neue Bäume zu pflanzen - nach dem "Schwammstadt"-Prinzip, bei dem der Wurzelraum unter der Straße erweitert wird, wodurch eine bessere Ernährung und Versorgung der Bäume gewährleistet werden soll. Den Aktivisten war das heute freilich nicht einmal ein schwacher Trost.

📽️ Video | Handyvideo von der Baumfällung


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