Brand im Flüchtlingslager Moria: Athen errichtet Übergangslager auf Lesbos

Bis auf Weiteres soll ein Großteil der fast 13.000 obdachlos gewordenen Migranten in einem Zeltlager untergebracht werden. Angesichts wachsender Spannungen nach dem Großbrand im Registrierlager Moria hat die griechische Regierung zudem die Polizeikräfte auf Lesbos verstärkt.

Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos auf einem Satellitenbild nach dem Großbrand.
© APA/AFP/Maxar Technologies

Lesbos – Die griechischen Behörden haben auf Lesbos mit der Errichtung eines provisorischen Zeltlagers begonnen. Darin soll bis auf Weiteres ein Großteil der fast 13.000 Migranten untergebracht werden, die durch der Zerstörung des Lagers Moria vor drei Tagen obdachlos geworden sind.

Nach dpa-Informationen soll das Lager auf einem Schießübungsfeld der griechischen Armee errichtet werden. Das Gelände liegt nur wenige Kilometer nördlich der Inselhauptstadt Mytilini an der Küste. In der Nähe befindet sich bereits ein kleineres Lager namens Kara Tepe, das vom UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) und der Gemeinde Mytilini betrieben wird.

Polizeieinheiten verstärkt

Aus Angst vor der Reaktion der Inselbewohner, die die Schließung des Lagers Moria und die Abreise aller Migranten fordern und sich auch gegen den Aufbau neuer Lager stemmen, hatte Athen die Polizeieinheiten auf Lesbos Freitagfrüh mit Wasserwerfern und Personal verstärkt.

Wie das griechische Fernsehen zeigte, kamen mehrere Busse mit zusätzlichen Bereitschaftspolizisten sowie zwei Wasserwerfern an Bord einer Fähre in der Inselhauptstadt Mytilini an.

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Nach dem Brand herrschen auf der Insel chaotische Zustände. Mehr als 12.000 Migranten verbrachten die dritte Nacht in Folge im Freien. Manche legten immer wieder Feuer in den übrig gebliebenen Teilen des Camps und den umliegenden Feldern und attackierten die Polizei.

Die Verstärkung der Polizeieinheiten richtet sich aber auch an die zunehmend aufgebrachten Inselbewohner. Viele, darunter fast alle Bürgermeister, wollen nach dem Brand in Moria keine Migranten mehr auf der Insel haben. "Sie müssen alle weg. Kein Lager mehr auf Lesbos", erklärte der Gouverneur der Region Nordägäis, Kostas Moutzouris, im Fernsehen. Angst herrscht nicht zuletzt, weil mindestens 35 Geflüchtete positiv auf das Corona-Virus getestet waren und die Inselbewohner einen unkontrollierten Ausbruch des Virus befürchten.

Anrainer blockieren immer wieder Zufahrtsstraßen zu jenen Orten, an denen die Regierung provisorische Lager einzurichten plant, um die obdachlosen Menschen vorläufig unterzubringen. "Wir werden das nicht zulassen, koste es, was es wolle", sagten aufgebrachte Einheimische. Die meisten Inselbewohner seien müde und enttäuscht von der EU. Keiner könne es ertragen, wenn so viele Migranten für so lange Zeit auf einer Insel lebten, hieß es. (APA/dpa)


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