Taliban und Afghanistans Regierung begannen Friedensgespräche

Delegationen der Taliban und der Regierung Afghanistans kamen am Samstag in Doha für eine Eröffnungszeremonie zusammen. Bei den Gesprächen solle es "keinen Sieger und keine Besiegten" geben, sagte der katarische Außenminister Mohammed Abdulrahman bin al-Thani.

Der Vorsitzende des Hohen Rats für Versöhnung, Abdullah Abdullah, sprach sich zum Auftakt für eine landesweite Waffenruhe aus.
© KARIM JAAFAR / AFP

Doha/Kabul/Washington – Nach fast zwei Jahrzehnten Krieg haben die afghanische Regierung und die radikalislamischen Taliban in Katar Friedensgespräche aufgenommen. US-Außenminister Mike Pompeo würdigte den Beginn der mit großen Hoffnungen verbundenem Verhandlungen am Samstag als "wirklich bedeutsamen" Moment für Afghanistan.

Viele Delegierte deuteten aber schon bei der Eröffnungszeremonie in einem Luxushotel in Doha an, dass sie sich auf lange und mühsame Gespräche einstellen.

Eröffnet wurden die Gespräche von Katars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdul Rahman al-Thani. Neben ihm saßen Pompeo und der US-Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad. Pompeo forderte die Konfliktparteien auf, "diese Gelegenheit zu nutzen" und einen Friedensvertrag zu schließen. Der Chefunterhändler der afghanischen Regierung, Abdullah Abdullah, sagte, der Beginn der Gespräche werde als "Ende des Krieges" in die Geschichte Afghanistans eingehen.

US-Außenminister Mike Pompeo nahm ebenfalls an der Auftaktveranstaltung teil.
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Die von den USA unterstützten Verhandlungen sind ein Meilenstein in dem 19-jährigen Konflikt, in dem Zehntausende Menschen getötet und Millionen vertrieben wurden. Mit der US-Regierung hatten die Taliban schon im Februar ein Abkommen geschlossen, das den schrittweisen Abzug der US-Streitkräfte regelt. Es gibt aber immer noch regelmäßig Anschläge und Angriffe auf die afghanische Armee. Die anhaltende Gewalt im Land ist eine der größten Hürden für die Verhandlungen.

Waffenstillstand zu Beginn der Verhandlungen gefordert

Abdullah forderte gleich zu Beginn der Gespräche einen Waffenstillstand. "Wir müssen die Gewalt beenden und sobald wie möglich einen Waffenstillstand vereinbaren", sagte der Regierungsvertreter. Seit dem Abkommen der Taliban mit den USA im Februar seien in Afghanistan weitere 12.000 Zivilisten getötet worden.

Deutschland sagt afghanischer Regierung und Taliban Unterstützung zu

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) hat der afghanischen Regierung und den radikalislamischen Taliban die Unterstützung Deutschlands bei ihren Friedensverhandlungen zugesichert. "Afghanistan und Deutschland verbindet eine mehr als einhundertjährige Freundschaft", sagte Maas am Samstag in einer Rede per Videoschaltung bei der Auftaktsitzung in Katar.

"Wir stehen heute bereit, Sie zu unterstützen, damit die Friedensverhandlungen Erfolg haben", so Maas. "Die bevorstehenden Verhandlungen werden zweifellos schwierig", räumte er laut Redetext ein. Die Erwartungen seien hoch. Die Afghanen wünschten sich ein Ende der Gewalt und einen dauerhaften Waffenstillstand. "Sie wollen in Würde und Frieden leben", sagte der Außenminister. "Und sie wollen Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte respektiert sehen - nicht in Theorie, sondern in Realität."

Von der Beachtung dieser fundamentalen Rechte und der verfassungsmäßigen Ordnung Afghanistans hänge auch die fortgesetzte internationale Unterstützung Afghanistans ab, fügte Maas hinzu.

Taliban-Chefunterhändler Mullah Abdul Ghani Baradar ging in seiner Eröffnungsrede nicht auf die Forderung ein. Er bekräftigte zugleich, in Afghanistan wieder ein "islamisches System" einführen zu wollen.

Die Taliban, die Afghanistan zwischen 1996 und 2001 bis zum Einmarsch der USA nach den Terroranschlägen vom 11. September beherrschten, wollen aus dem Land ein islamisches "Emirat" machen. Die Regierung möchte den Status Quo einer konstitutionellen Republik mit festgeschriebenen Grundrechten und Freiheiten, etwa für Frauen, aufrechterhalten. Die Taliban haben bisher nur vage Zusagen gemacht, etwa Frauenrechte durch "islamische Werte" schützen zu wollen.

Schwierige Verhandlungen stehen bevor

Bis zu einem Friedensschluss müssen also sehr viele Kompromisse gefunden werden. "Wir werden in den Gesprächen der kommenden Tage, Wochen und Monate zweifellos auf viele Probleme stoßen", sagte Pompeo zu Beginn.

"Die bevorstehenden Verhandlungen werden zweifellos schwierig", sagte auch der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD), der den Verhandlungsparteien in einer Videoschaltung die Unterstützung Deutschlands bei den Gesprächen zusicherte. Die fortgesetzte internationale Unterstützung hänge aber von der Beachtung fundamentaler Rechte und der verfassungsmäßigen Ordnung Afghanistans ab.

Delegationen der Taliban unter Verhandler Abbas Stanikzai (Mitte) erreichten am Samstag die Auftaktveranstaltung der innerafghanischen Friedensgespräche.
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NATO und Europäische Union begrüßten den Start der Friedensgespräche. Die Verhandlungen der afghanischen Regierung und der Taliban in Doha seien ein wichtiger Schritt für dauerhaften Frieden und Stabilität in Afghanistan, erklärte der Nordatlantikrat der NATO am Samstag in Brüssel. Das Niveau der Gewalt sei aber immer noch zu hoch.

NATO und EU begrüßen Afghanistan-Friedensgespräche

NATO und Europäische Union haben den Start der afghanischen Friedensgespräche begrüßt. Die Verhandlungen der afghanischen Regierung und der Taliban in Doha seien ein wichtiger Schritt für dauerhaften Frieden und Stabilität in Afghanistan, erklärte der Nordatlantikrat der NATO am Samstag in Brüssel. Das Niveau der Gewalt sei aber immer noch zu hoch.

"Wir rufen die Taliban auf, entscheidende Schritte für ein Ende der Gewalt zu unternehmen", hieß es weiter. Zum möglichen Abzug der NATO-Truppen erklärte der Nordatlantikrat: "Wir werden weiter über unsere Militärpräsenz beraten und sie, sollten es die Umstände erlauben, anpassen, um diesen von Afghanen verantworteten und von Afghanen geführten Friedensprozess zu unterstützen. Wir sind zusammen nach Afghanistan hineingegangen, wir passen gemeinsam an und, wenn die Bedingungen stimmen, werden wir zusammen rausgehen."

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, nach jahrzehntelangen Konflikten sei "der Frieden zum Greifen nah". Die NATO wolle Afghanistan dabei unterstützen, in dieser "historischen Gelegenheit" dafür zu sorgen, dass das Land nie wieder ein "Zufluchtsort für Terroristen" werde.

"Bahnbrechender Moment" für den Friedensprozess

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell nannte den Beginn der Gespräche in Doha einen "bahnbrechenden Moment" und den Anfang eines echten Friedensprozesses. Die Europäische Union fordere die Parteien auf, dies mit einer sofortigen umfassenden und bedingungslosen Waffenruhe zu begleiten. Eine Verringerung der Gewalt sei nicht genug. Der Prozess müsse von Afghanen verantwortet und geführt werden und seit 2001 erreichte Fortschritte erhalten.

Die Friedensgespräche waren ursprünglich bereits für März geplant gewesen. Fortgesetzte Kämpfe und Streitigkeiten über die Freilassung von Gefangenen hatten den Beginn der Verhandlungen jedoch verzögert. (APA/AFP/dpa)


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