Stundenlöhne in Österreich zwischen 10 und 15 Euro brutto

Die meisten Beschäftigten in Österreich verdienten 2018 zwischen 10 und 15 Euro brutto pro Stunde. Es gibt je nach Branche starke Verdienstunterschiede.

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Wien – Unselbständig Beschäftigte verdienten in der Privatwirtschaft 2018 im Mittel (Median) 15,09 Euro brutto pro Stunde, wie Statistik Austria berichtet. 14,2 Prozent der Beschäftigten erhielten 10 Euro und weniger; mehr als ein Drittel (35,2 Prozent ) hatte einen Bruttostundenverdienst von 10 bis 15 Euro. Rund ein Viertel (25,2 Prozent) verdiente zwischen 15 und 20 Euro. Weitere 11,5 Prozent erzielten einen Bruttostundenverdienst von 20 bis 25 Euro und 5,8 Prozent von 25 bis 30 Euro. Mehr als 30 Euro erreichten insgesamt 8,1 Prozent der Beschäftigten (siehe Grafik).

"In Österreich gibt es markante Verdienstunterschiede nach Branchen und Berufen. Dabei ist das Verhältnis zwischen hohen und niedrigen Verdiensten seit 2006 nahezu unverändert", sagt Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria. "Einen eindeutig positiven Einfluss auf die Verdienstmöglichkeiten hat die Ausbildung. Beschäftigte mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss erhielten brutto pro Stunde fast doppelt so viel wie Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss: Bildung macht sich bezahlt."

Frauen verdienen immer noch zu wenig

Von der Hilfskraft bis zum Akademiker - es gibt in Österreich keine einzige Berufsgruppe oder Branche, in der Frauen gleich viel verdienen wie Männer. Das geht aus dem jüngst verfügbaren Einkommensvergleich der Statistik Austria für das Jahr 2018 hervor. Insgesamt liegt darin der mittlere Bruttoverdienst der Arbeitnehmerinnen mit 13,43 Euro pro Stunde um 17,4 Prozent unter jenem ihrer Kollegen.

So gingen beispielsweise männliche Führungskräfte mit 32,65 Euro pro Stunde nach Hause, weibliche mit nur 25,05 Euro - sie stellten einen Anteil von 25 Prozent. Auch bei den Verdiensten der Hilfsarbeitskräfte gibt es einen deutlichen Unterschied - Frauen (Anteil: 47,3 Prozent) erhielten 9,68 Euro, Männer 12,09 Euro.

In Richtung Ausgeglichenheit geht es nur schleppend. Aber der Lohnunterschied sei leicht rückläufig, hielten die Statistiker am Dienstag fest. In zwölf Jahren sank der Verdienstunterschied um 5,3 Prozentpunkte, das waren nur 0,4 Prozentpunkte pro Jahr. Zwischen 2010 und 2014 hatte sich die Differenz von 21,1 Prozent auf 19 Prozent verringert, 2006 waren es noch 22,7 Prozent gewesen.

© APA-Grafik

Starke Verdienstunterschiede nach Branchen

Nach Branchen wurden die höchsten Verdienste in der Energieversorgung (24,75 Euro), der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (22,29 Euro) sowie der Information und Kommunikation (21,10 Euro) verzeichnet. Am niedrigsten waren die Bruttostundenverdienste 2018 in der Beherbergung und Gastronomie mit 9,67 Euro (ohne Trinkgelder).

Im größten Wirtschaftsabschnitt, der Herstellung von Waren, lagen die mittleren Bruttostundenverdienste 2018 bei 16,96 Euro. Im Handel verdienten die Beschäftigten im Mittel 13,17 Euro. Im Bereich Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen – zu dem u. a. die Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften sowie die Gebäudebetreuung zählen – betrug der Stundenverdienst 12,13 Euro brutto. Im Gesundheits- und Sozialwesen waren es 15,73 Euro, im Bauwesen 15,96 Euro und im Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei 14,24 Euro.

CO2-Emissionen nach Einkommen

Ein am Dienstag publizierter Greenpeace-Report hat die CO2-Emissionen der Österreicher anhand der Einkommen untersucht. Die reichsten zehn Prozent der Privathaushalte emittieren laut Analyse über viermal so viel CO2 wie die untersten zehn Prozent der Haushalte. Eine Ungleichverteilung, auf welche die Politik etwa mit einem öko-sozialen Steuermodell reagiere sollte, forderte die NGO.

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Dieses klimazerstörerische Verhalten auf Kosten aller braucht endlich einen gerechten Preis", so Greenpeace-Programmdirektorin Sophie Lampl fest. Verglichen mit dem mittleren Einkommen verbraucht das reichste Zehntel immer noch mehr als doppelt so viel CO2 wie der Medianhaushalt. Letzterer emittiert demnach 21,3 Tonnen an CO2-Äquivalenten pro Jahr; dies entspricht 9,6 Tonnen an CO2-Äquivalenten pro Kopf.

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Führungskräfte erzielen die höchsten Verdienste

Nach Berufsgruppen lagen die Verdienste von Führungskräften mit 30,72 Euro erwartungsgemäß an der Spitze, gefolgt von Beschäftigten in akademischen Berufen mit 21,62 Euro und Fachkräften in technischen und gleichrangigen nichttechnischen Berufen mit 18,42 Euro. Bürokräfte und verwandte Berufe verdienten mit 15,06 Euro etwas weniger als Personen in Handwerks- und verwandten Berufen mit 15,65 Euro. Am niedrigsten waren die Verdienste von Beschäftigten in Dienstleistungsberufen sowie von Verkäuferinnen und Verkäufern mit 11,59 Euro bzw. von Hilfsarbeitskräften mit 10,77 Euro brutto pro Stunde.

Einen positiven Einfluss auf die Höhe der Verdienste hat generell die Ausbildung. Beschäftigte mit höchstens Pflichtschulabschluss erhielten 2018 11,42 Euro brutto pro Stunde. Personen mit einem Lehrabschluss verdienten 14,70 Euro und Beschäftigte mit BHS-Matura 17,66 Euro. Bei Beschäftigten mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss lagen die Bruttostundenverdienste bei 21,60 Euro und waren damit fast doppelt so hoch wie jene von Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss .

© Statistik Austria

Beschäftigte ohne österreichische Staatsbürgerschaft verdienten um 22,5 Prozent weniger

Bezogen auf die Staatsangehörigkeit lagen die Bruttostundenverdienste von Beschäftigten mit österreichischer Staatsbürgerschaft 2018 bei 15,91 Euro. Beschäftigte ohne österreichische Staatsbürgerschaft erzielten mit 12,33 Euro im Mittel um 22,5% weniger. Eine Ausnahme bildeten Beschäftigte aus den alten EU-Mitgliedstaaten (Beitritt vor 2004) – davon kamen rund 72 Prozent aus Deutschland – die mit 15,94 Euro etwa gleich viel verdienten wie österreichische Staatsangehörige.

Die Bruttostundenverdienste von Beschäftigten aus den neuen EU-Beitrittsländern (Beitritt ab 2004) lagen mit 11,89 Euro um rund 25 Prozent unter jenen von österreichischen Staatsangehörigen. Gleiches gilt mit 11,98 Euro für Beschäftigte mit einer Staatsbürgerschaft, die dem ehemaligen Jugoslawien (ohne Slowenien und Kroatien) zuzurechnen ist. Beschäftigte mit türkischer Staatsbürgerschaft verdienten mit 11,27 Euro um rund 29 Prozent weniger als österreichische Staatsangehörige. Die niedrigsten Verdienste verzeichneten Frauen mit türkischer Staatsangehörigkeit mit 9,51 Euro, sie waren zu mehr als 60 Prozent als Hilfsarbeitskräfte tätig.

Wachstum durch Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 unterbrochen

Insgesamt stiegen die Bruttostundenverdienste in der Privatwirtschaft zwischen 2006 und 2018 real (inflationsbereinigt) um insgesamt 4,8 Prozent. Das Wachstum wurde jedoch durch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 unterbrochen. Zwischen 2006 und 2010 nahmen die Bruttostundenverdienste inflationsbereinigt um 3,3 Prozent (0,8 Prozent pro Jahr) zu und gingen nach dem Einsetzen der Wirtschaftskrise in den Jahren 2010 bis 2014 um 1,1 Prozent (0,3 Prozent pro Jahr) zurück. Mit einem Plus von 2,6 Prozent (0,7 Prozent pro Jahr) war im Zeitraum 2014 bis 2018 dagegen wieder ein Zuwachs zu verzeichnen, wobei der Anstieg der Bruttostundenverdienste im Produzierenden Bereich mit 3,5 Prozent (0,9 Prozent pro Jahr) etwas stärker ausfiel als im Dienstleistungsbereich mit 2,0 Prozent (0,5 Prozent pro Jahr).

Nach Dezilen hat sich das Verhältnis zwischen hohen und niedrigen Verdiensten im Zeitvergleich kaum verändert. 2006 waren die oberen Bruttostundenverdienste (9. Dezil) dreimal so hoch wie die unteren Verdienste (1. Dezil). 2018 betrug der Wert, über dem die höchsten 10% der Verdienste liegen, 28,00 Euro brutto pro Stunde und war damit 2,9-mal so hoch wie jener Wert, unter dem sich die niedrigsten 10% der Verdienste befinden (9,50 Euro).

Verdienste in Vorarlberg am höchsten

Nach Bundesländern waren die Verdienste in Vorarlberg mit 16,54 Euro am höchsten und im Burgenland mit 13,66 Euro am niedrigsten. Nach Geschlecht konnten Frauen in Wien, aufgrund des vergleichsweise hohen Anteils an Universitäts- oder Fachhochschulabsolventinnen, mit 14,65 Euro brutto pro Stunde die höchsten Verdienste erzielen. Männer verdienten mit 18,36 Euro in Vorarlberg am besten. (TT.com)

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